Die FIFA hat wieder einmal bewiesen, dass sie ein Herz für die Fans hat. Zumindest für jene Fans, die beim Blick auf ihr Bankkonto nicht sofort Schnappatmung bekommen.
Denn die Ticketpreise für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko entwickeln sich langsam von Eintrittskarten zu einer alternativen Form der Vermögensanlage. Wer Glück hat, bekommt vielleicht noch ein Ticket. Wer Pech hat, muss vorher einen Bausparvertrag auflösen.
Besonders kreativ zeigt sich die FIFA beim sogenannten „Dynamic Pricing“. Das bedeutet übersetzt: Je mehr Menschen ein Ticket wollen, desto stärker wird geprüft, wie viel Schmerzgrenze im Geldbeutel noch vorhanden ist.
Früher nannte man das Angebot und Nachfrage.
Heute nennt man es Innovation.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Für Österreich gegen Weltmeister Argentinien wurden zeitweise über 700 Euro für die günstigsten Karten aufgerufen. Wer das Finale besuchen möchte, darf sich bereits jetzt auf Preise von über 5.000 Euro freuen. Wohlgemerkt für einen Sitzplatz – nicht für das Stadion inklusive Eigentumsübertragung.
Argentinische Fans, die ihre Mannschaft bis ins Finale begleiten wollen, müssen laut Berechnungen mit Ausgaben von über 26.000 Euro rechnen. Früher kaufte man sich dafür einen Kleinwagen. Heute bekommt man dafür die Möglichkeit, Lionel Messi möglicherweise von Reihe 38 aus zu sehen.
Die FIFA argumentiert natürlich wirtschaftlich. Warum sollte man Tickets für 100 Euro verkaufen, wenn es Menschen gibt, die auch 1.000 Euro bezahlen? Diese Logik ist so bestechend einfach, dass man sich fragt, warum Bäcker Brötchen nicht längst für 75 Euro pro Stück anbieten.
Besonders schön ist dabei die Transparenz.
Also die fehlende.
Denn niemand weiß so genau, wie die Preise entstehen. Die FIFA weiß es vermutlich. Vielleicht ein Computer. Vielleicht ein Praktikant mit Dartpfeilen. Für Fans bleibt die Preisgestaltung jedenfalls ungefähr so nachvollziehbar wie die Steuererklärung eines internationalen Großkonzerns.
Hinzu kommen kleine Überraschungen. Manche Fans kauften voller Stolz die vermeintlich besten Tickets – nur um später festzustellen, dass die FIFA plötzlich noch bessere Premium-Kategorien erfunden hatte. Das entspricht ungefähr dem Erlebnis, ein Penthouse zu kaufen und anschließend zu erfahren, dass über dem eigenen Penthouse noch ein Super-Premium-Penthouse gebaut wurde.
Die gute Nachricht: Die FIFA meldet bereits einen Verkauf von rund 90 Prozent aller Tickets und rechnet mit Einnahmen von über drei Milliarden Dollar. Der Ball rollt also nicht nur auf dem Platz, sondern auch direkt auf die Konten des Weltverbandes.
Sportökonomen warnen inzwischen vor einer sozialen Selektion im Stadion. Anders formuliert: Der klassische Fußballfan könnte künftig vor dem Stadion stehen, während im VIP-Bereich Investmentbanker, Hedgefonds-Manager und Kryptowährungsmillionäre darüber diskutieren, ob die zweite Halbzeit steuerlich absetzbar ist.
Die Atmosphäre? Nebensache.
Der Fußball? Auch irgendwie.
Wichtig ist, dass das Stadion ausverkauft ist und die Bilanz stimmt.
Vielleicht wird die FIFA künftig noch einen Schritt weitergehen. Denkbar wären Auktionen für Eckbälle, Premium-Abseitspositionen oder ein exklusives „Meet and Greet“ mit der Nachspielzeit.
Denn eines scheint klar:
Die FIFA testet derzeit nicht die Grenzen des Fußballs.
Sie testet die Grenzen der Kreditkarten ihrer Fans.
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