Nach dem Tod des 18-jährigen Nolan Wells aus Mississippi fordert seine Familie Antworten. Der Jugendliche war nach einem Bootsausflug zur Insel Horn Island am 4. Juli nicht zurückgekehrt. Zwei Tage später wurde seine Leiche im Wasser vor der Küste der Insel gefunden.
Wells war Footballspieler am Southwest Mississippi Community College. Sein Trainer beschrieb ihn als fröhlichen, unbeschwerten jungen Mann. Für seine Eltern ist deshalb kaum vorstellbar, dass ihr Sohn freiwillig allein auf der abgelegenen Insel zurückgeblieben sein soll.
Die Polizei im Jackson County erklärte zunächst, es gebe keinen Verdacht auf ein Verbrechen. Zugleich rief das Sheriffbüro die Öffentlichkeit auf, Hinweise zu geben. Gesucht werden Personen, die sich am 4. Juli auf oder in der Nähe von Horn Island aufhielten. Die Behörden bitten außerdem um unbearbeitete Fotos und Videos, insbesondere von möglichen Auseinandersetzungen oder Aufnahmen, auf denen Wells zu sehen ist.
Die Familie hat inzwischen den bekannten Bürgerrechtsanwalt Ben Crump eingeschaltet. Er sagte, es gebe widersprüchliche Zeugenaussagen über die letzten bekannten Momente des Jugendlichen. Unklar sei unter anderem, ob Wells mit seinen Freunden von der Insel zurückfahren wollte oder ob er angeblich darum gebeten habe, dort zu bleiben.
Crump kündigte an, eine unabhängige Autopsie durchführen zu lassen. Eine erste Obduktion fand bereits in dieser Woche statt, die Ergebnisse wurden jedoch noch nicht veröffentlicht. Nach Angaben des Gerichtsmediziners Bruce Lynd wurde die Leiche anhand von Zahnunterlagen eindeutig als Nolan Wells identifiziert.
Der Anwalt sagte, die Familie habe ernsthafte, bislang unbeantwortete Fragen dazu, warum Wells allein auf der Insel zurückgelassen wurde und wie er ums Leben kam. Gegenüber ABC News äußerte Crump zudem Sorge darüber, wie die Ermittlungen im Bundesstaat Mississippi geführt würden – insbesondere, weil es um den Tod eines jungen schwarzen Mannes gehe und möglicherweise weiße Studierende eine Rolle gespielt haben könnten.
Wells’ Mutter Christine Wonsley hatte als Erste Alarm geschlagen, nachdem ihr Sohn am Abend des 4. Juli nicht von dem Ausflug zurückgekehrt war. Daraufhin begann eine groß angelegte Suche, an der lokale, bundesstaatliche und föderale Behörden beteiligt waren.
Am 6. Juli entdeckten Einsatzkräfte schließlich den Körper des Jugendlichen vor Horn Island. Die Insel gehört zur Gulf Islands National Seashore und ist nach Angaben des National Park Service unbewohnt und ohne Personal, Trinkwasser, Unterkünfte, Einrichtungen oder Kommunikationsmöglichkeiten.
Für Wells’ Eltern bleiben die offiziellen Angaben schwer nachvollziehbar. Christine Wonsley und Nolans Vater Elmore Wonsley sagten, sie glaubten nicht, dass ihr Sohn sich entschieden hätte, allein auf Horn Island zu bleiben. »Das passt nicht zu seinem Charakter«, sagte sein Vater.
Die Ermittlungen dauern an. Auch wenn die Behörden bislang nicht von Fremdeinwirkung ausgehen, bittet das Sheriffbüro weiter um Hinweise. Für die Familie ist der Fall damit längst nicht abgeschlossen: Sie will wissen, warum Nolan Wells nicht mit den anderen zurückkehrte, was auf der Insel geschah – und warum ihr Sohn starb.
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