Nicht der Inhalt sorgt für Aufsehen, sondern das Titelbild: Das neue Buch von US-Vizepräsident J.D. Vance ist noch nicht erschienen, doch in sozialen Netzwerken wird bereits über das Cover diskutiert – und über eine mögliche religiöse Peinlichkeit.
Ende März kündigten Vance und der Verlag Harper, ein Imprint von HarperCollins, seine neue Memoirenveröffentlichung an. Das Buch trägt den Titel „Communion: Finding My Way Back to Faith“ und soll im Juni erscheinen. Darin beschreibt Vance nach Angaben des Verlags seinen persönlichen Weg zurück zum Glauben – von einer protestantisch geprägten Kindheit über eine atheistische Phase bis hin zu seiner Konversion zum Katholizismus.
Der Verlag bewirbt das Buch als spirituelle Selbstvergewisserung eines Politikers, dessen Glaube inzwischen auch seine öffentliche Rolle prägen soll. Vance schildere, wie er seinen Glauben wiedergefunden habe, heißt es in der Ankündigung, und wie dieser seine politische Arbeit sowie seine Vorstellung von der Zukunft beeinflusse.
Ausgerechnet eine methodistische Kirche
Doch nun richtet sich die Aufmerksamkeit weniger auf Vances Bekenntnisse als auf ein Detail des Covers: Das darauf abgebildete idyllische Gotteshaus in den grünen Hügeln Virginias scheint offenbar keine katholische Kirche, sondern eine United Methodist Church zu sein.
Wie die USA Today berichtet, zeigt das Coverbild offenbar die Mount Zion United Methodist Church in Elk Creek im Bundesstaat Virginia. Die Zeitung will dies mithilfe von Google Maps sowie Metadaten vergleichbarer Fotografien verifiziert haben. Demnach stammt das Motiv von einem lokalen Fotografen, dessen Bilder der Kirche auch auf Stockfoto-Plattformen kursieren.
Auf den Widerspruch hatte zuerst der Journalist Joe Perticone in The Bulwark hingewiesen. Seine Beobachtung: Vance beschreibt in seinem Buch ausgerechnet die Rückkehr zum katholischen Glauben – auf dem Umschlag aber prangt offenbar eine protestantische Kirche. Angesichts der demonstrativen Betonung seiner katholischen Identität sei das, so Perticone, zumindest bemerkenswert.
Symbolik mit Appalachen-Flair
Ganz zufällig dürfte die Motivwahl dennoch nicht sein. Schon in seinem Erfolgsbuch „Hillbilly Elegy“ hatte Vance seine familiären Wurzeln in den Appalachen und seine Herkunft aus dem ländlichen Amerika stark betont. Das Cover von „Communion“ fügt sich in diese Bildsprache ein: eine kleine weiße Kirche, sattes Grün, ländliche Idylle – ein visuelles Versprechen von Tradition, Herkunft und spiritueller Rückkehr.
Ob das Motiv gezielt diese Erzählung bedienen sollte oder ob schlicht ein stimmungsvolles Stockfoto gewählt wurde, ist bislang offen. Weder Vance noch der Verlag reagierten laut USA Today zunächst auf entsprechende Anfragen.
Vances Glaube als Politikum
Dass das Thema nun so viel Aufmerksamkeit bekommt, liegt auch daran, dass Vances Katholizismus längst politisch aufgeladen ist. Der heutige Vizepräsident hatte 2019 in einem Interview mit The American Conservative erzählt, er sei christlich aufgewachsen, habe sich aber lange keiner Konfession wirklich zugehörig gefühlt. Zwischen evangelikalen Einflüssen, der Pfingstgemeinde seines Vaters und einer atheistischen Phase im College habe er schließlich zum katholischen Glauben gefunden.
Seit seinem Wechsel in die Trump-Regierung steht diese religiöse Identität regelmäßig im Fokus. Immer wieder wurde Vance im Kontext kirchlicher Debatten über Einwanderung, Krieg und gesellschaftspolitische Fragen genannt. Auch private Äußerungen zu Religion sorgten für Kritik – etwa als er 2025 erklärte, er hoffe, seine Frau Usha Vance werde sich eines Tages ebenfalls dem Christentum zuwenden, obwohl sie Hinduistin ist.
Erscheinung im Juni
Das Buch „Communion: Finding My Way Back to Faith“ soll am 16. Juni 2026 erscheinen. Bis dahin dürfte die Debatte über das Cover für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen – und womöglich unbeabsichtigt genau das leisten, was jede Buchvermarktung braucht: Gesprächsstoff.
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