Die Astronauten der Mission Artemis II haben das entscheidende Triebwerksmanöver absolviert: Das Raumschiff Orion hat die Erdumlaufbahn verlassen und ist nun auf Kurs zum Mond. Für die NASA ist das ein zentraler Meilenstein der ersten bemannten Mondmission seit einem halben Jahrhundert.
Das sogenannte Trans-Lunar-Injection-Manöver begann am Donnerstagabend kurz vor 20 Uhr US-Ostküstenzeit und dauerte nach Angaben der Raumfahrtbehörde knapp sechs Minuten. Mit dem Brennmanöver wurde die Kapsel aus dem Einflussbereich der Erde in Richtung Mond geschickt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Crew bereits mehr als 11.000 Kilometer von der Erde entfernt.
Aus dem Kontrollzentrum in Houston kam kurz vor der Zündung die Freigabe: „Houston is go for the burn.“ Danach meldete sich der kanadische Astronaut Jeremy Hansen aus der Orion-Kapsel: Die Besatzung fühle sich gut, sagte er – „auf dem Weg zum Mond“.
Erste bemannte Mondumrundung seit 50 Jahren
Artemis II ist die erste bemannte Mission des Artemis-Programms und die erste Reise von Astronauten in Mondnähe seit dem Ende des Apollo-Zeitalters. An Bord sind die NASA-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Hammock Koch sowie Hansen von der kanadischen Raumfahrtbehörde.
Die Mission dauert insgesamt zehn Tage. Anders als bei den später geplanten Landungen wird die Crew nicht auf dem Mond landen. Stattdessen soll Orion den Mond umrunden und anschließend zur Erde zurückkehren. Ziel ist es, Systeme für Lebenserhaltung, Navigation und Kommunikation unter realen Bedingungen zu testen – als Vorbereitung für spätere Mondlandungen und langfristig auch für Missionen zum Mars.
Die NASA spricht von einem „kritischen Schritt“ auf dem Weg zurück zur Mondoberfläche.
Ein nahezu makelloser Flugtag
Nach dem Start am 1. April vom Kennedy Space Center in Florida verlief auch der zweite Missionstag nach Angaben der NASA weitgehend planmäßig. Bereits zuvor hatte die Crew ein kürzeres Triebwerksmanöver absolviert, um die Umlaufbahn um die Erde anzupassen.
Der eigentliche Mondkurs wurde dann am Abend mit dem langen Haupttriebwerkszünden eingeleitet. Lori Glaze, kommissarische Leiterin der NASA-Abteilung für Explorationssysteme, sprach anschließend von einem „fehlerfreien“ Manöver.
Mit diesem Brennmanöver sei die letzte große Triebwerkszündung der Mission abgeschlossen, sagte Glaze. Von nun an werde die Crew im Wesentlichen von den Gesetzen der Himmelsmechanik getragen: zum Mond, um dessen Rückseite herum – und zurück zur Erde.
Nach Angaben der NASA ist die Besatzung in gutem Zustand, auch das Raumschiff funktioniere „sehr gut“.
Zwischen Schlaflied und Fitnessgerät
Der Tagesablauf an Bord folgte einem eng getakteten Plan. Nach einer ersten Ruhephase wurde die Crew am Morgen mit dem Song „Sleepyhead“ geweckt, später nach einer weiteren Schlafphase mit „Green Light“. Dazwischen standen Systemchecks, Bahnkorrekturen und körperliches Training auf dem Programm.
Wie auf Langzeitmissionen üblich, trainierten die Astronauten mit einem speziellen Fitnessgerät, um dem Muskelabbau in der Schwerelosigkeit entgegenzuwirken. Solche Routinen gelten bereits jetzt als Testlauf für spätere, deutlich längere Missionen.
Auch im All bleibt die Toilette ein Problem
Ganz ohne Zwischenfall verlief der Start ins All allerdings nicht. Bereits am ersten Missionstag bemerkte die Crew eine Warnleuchte an der Bordtoilette. Die Störung konnte laut NASA in enger Abstimmung mit dem Kontrollzentrum behoben werden.
Das Toilettensystem der Orion-Kapsel ist neu und trägt den sperrigen Namen Universal Waste Management System. Anders als in den frühen Mercury-, Gemini- und Apollo-Missionen, als Astronauten auf Beutel und improvisierte Lösungen angewiesen waren, verfügt Orion über ein modernes System: Luftstrom saugt feste und flüssige Ausscheidungen in getrennte Behälter. Feste Abfälle werden zur Erde zurückgebracht, Flüssigkeiten täglich ins All abgeleitet.
Auch diese Technik gehört zu den Komponenten, die Artemis II unter realen Einsatzbedingungen erproben soll.
So geht es weiter
In den kommenden Tagen wird Orion weiter in Richtung Mond fliegen. Am fünften Missionstag soll die Kapsel in den Bereich eintreten, in dem die Gravitation des Mondes stärker wirkt als jene der Erde. Für den 6. April ist der eigentliche Vorbeiflug geplant.
Dann wird die Crew den Mond umrunden und dabei auch Beobachtungen der erdabgewandten Seite machen – eine Perspektive, die bislang nur wenige Menschen je gesehen haben. Am sechsten Tag soll Orion den mondnächsten Punkt und zugleich die größte Entfernung zur Erde erreichen.
Danach beginnt der Rückflug. Zum Abschluss der Mission wird die Kapsel mit rund 40.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre eintreten. Dabei soll auch der Hitzeschild unter Extrembedingungen getestet werden. Die Wasserung ist im Pazifik geplant.
Testflug mit Signalwirkung
Artemis II ist kein Landeflug, sondern ein Demonstrationsflug – aber einer mit erheblicher symbolischer Kraft. Nach Jahrzehnten ohne bemannte Mondmission will die NASA zeigen, dass die Vereinigten Staaten wieder in der Lage sind, Menschen tief in den Weltraum zu schicken.
Der Flug ist damit mehr als nur ein technischer Test. Er ist auch ein politisches Signal: Das Mondprogramm lebt wieder.
Kommentar hinterlassen