Die Bergsteiger-Welt trauert um eine echte Ikone: Jim Whittaker, der erste Amerikaner auf dem Gipfel des Mount Everest, ist im Alter von 97 Jahren gestorben.
Seine Familie bestätigte den Tod des Kletter-Pioniers. Whittaker starb demnach am Dienstag in seinem Zuhause in Port Townsend im US-Bundesstaat Washington, umgeben von Familie und engen Weggefährten.
Mit ihm verliert Amerika nicht nur einen berühmten Bergsteiger – sondern einen Mann, der zur Abenteuer-Legende wurde.
Denn am 1. Mai 1963 schrieb Whittaker Geschichte: Gemeinsam mit seinem Sherpa-Partner Nawang Gombu erreichte er den Gipfel des Mount Everest und wurde damit der erste Amerikaner überhaupt, der auf dem Dach der Welt stand.
Zehn Jahre zuvor hatten Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay als erste Menschen den höchsten Berg der Erde bezwungen. Doch Whittakers Aufstieg machte ihn in den USA endgültig zum Volkshelden – und inspirierte ganze Generationen von Bergsteigern.
Geboren wurde der als „Big Jim“ bekannte Abenteurer am 10. Februar 1929 in Seattle. Schon als Jugendlicher entdeckte er mit seinem Zwillingsbruder Lou Whittaker die Liebe zum Bergsteigen. Als Boy Scouts erklommen die Brüder bereits mit 16 den Mount Olympus im Bundesstaat Washington.
Der große Durchbruch kam dann 1963 am Everest:
8849 Meter Höhe, eisige Hänge, dünnste Luft – und ein Platz in den Geschichtsbüchern.
Für diese Leistung wurde Whittaker später sogar mit der Hubbard-Medaille ausgezeichnet – überreicht von US-Präsident John F. Kennedy.
Whittaker selbst sprach später mit erstaunlicher Demut über den größten Triumph seines Lebens. Gegenüber der BBC sagte er einmal:
„Wenn du einen schwierigen Berg besteigst, lässt du dein Ego zurück. Du merkst, dass du in diesem Leben nur ein winziger Mikropunkt bist.“
Genau diese Haltung machte ihn für viele so besonders.
Denn Whittaker war nie nur Gipfelstürmer. Er war auch Unternehmer, Naturschützer, Mentor – und eine prägende Figur der Outdoor-Bewegung in den USA.
1955 wurde er der erste hauptberufliche Mitarbeiter des Outdoor-Händlers REI. Später führte er das Unternehmen als Präsident und CEO. REI würdigte ihn als „echten Wegbereiter“, der gezeigt habe, was möglich ist, wenn Mut mit Verantwortung verbunden werde.
Auch politisch hinterließ er Spuren:
Whittaker engagierte sich für den Schutz der Natur, sagte 1968 vor dem US-Kongress aus und half mit, Nationalparks und Wildnisgebiete in den USA auf den Weg zu bringen – darunter der North Cascades National Park und der Redwood National Park.
Sein Ruhm wuchs nach dem Everest-Aufstieg weiter. Er war eng mit der Kennedy-Familie verbunden und unterstützte Robert F. Kennedy im Präsidentschaftswahlkampf. Gemeinsam bestiegen sie sogar einen Berg in Kanada, der später zu Ehren des ermordeten Präsidentenbruders Mount Kennedy genannt wurde.
Und Whittaker blieb bis ins hohe Alter aktiv:
2013 kehrte er mit 83 Jahren noch einmal in die Everest-Region zurück – gemeinsam mit seinem Sohn Leif, ebenfalls Bergsteiger.
Jetzt ist diese außergewöhnliche Lebensreise zu Ende.
Zurück bleibt ein Mann, der nicht nur einen Berg bezwang, sondern Generationen zeigte, was Abenteuer, Demut und Naturverbundenheit bedeuten können.
Kurz gesagt:
Jim Whittaker war mehr als ein Bergsteiger. Er war ein amerikanischer Pionier – ganz oben auf dem Everest und tief verankert in der Geschichte des Outdoor-Sports.
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