Manchmal schreibt die KI-Branche Geschichten, die selbst die Gebrüder Grimm nicht besser hinbekommen hätten. Diesmal geht es um Alibaba – und da drängt sich unweigerlich die Frage auf: War da nicht irgendwas mit 40 Räubern?
KI-Unternehmen Anthropic jedenfalls erhebt schwere Vorwürfe gegen den chinesischen Technologiekonzern. Demnach sollen mit Alibaba verbundene Akteure über 25.000 Konten fast 29 Millionen Anfragen an den KI-Chatbot Claude geschickt haben. Ziel sei gewesen, möglichst viel über die Funktionsweise der Software herauszufinden.
In der KI-Welt nennt man das vornehm „Destillation“. Übersetzt heißt das ungefähr: „Lass die Konkurrenz die Hausaufgaben machen – und schau dann ganz genau ab.“
Anthropic findet das naturgemäß überhaupt nicht lustig und hat sich gleich an den US-Kongress gewandt. Man möge doch bitte etwas gegen solche digitalen Fingerübungen unternehmen.
Nun könnte man sagen: Wer im Glashaus sitzt, sollte seine Server gut absichern. Denn ganz neu ist die Methode nicht. Erst vor Kurzem räumte Elon Musk vor Gericht ein, dass auch sein KI-Chatbot Grok mithilfe bestehender KI-Modelle trainiert wurde. Frei nach dem Motto: Abschreiben ist nur dann schlimm, wenn es die anderen tun.
Inzwischen wirkt die KI-Branche ohnehin ein wenig wie ein Klassenzimmer kurz vor der Mathearbeit. Jeder schaut verstohlen nach links und rechts, keiner will geschummelt haben – und am Ende behaupten alle, sie seien ganz allein auf die gleichen Antworten gekommen.
Bleibt also die Erkenntnis: Im Märchen versteckten sich die 40 Räuber in einer Höhle. Heute brauchen sie offenbar nur noch 25.000 Benutzerkonten und 29 Millionen Klicks. KI macht eben auch das Räuberhandwerk effizienter.
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