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Ein Nachrangdarlehen kann zu 100 % verloren gehen

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Interview mit Rechtsanwältin Kerstin Bontschev, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht aus Dresden

Frage: Frau Bontschev, viele Bürger rund um den Forstenrieder Park können sich über sogenannte Nachrangdarlehen am Bau eines Windparks beteiligen. Klingt das nicht nach einer nachhaltigen Geldanlage?

Bontschev: Auf den ersten Blick vielleicht – ökologisches Projekt, lokale Beteiligung, scheinbar moderate Zinsen. Doch juristisch betrachtet ist ein Nachrangdarlehen eines der riskantesten Investments überhaupt, und das wird in vielen Fällen verharmlost.

Frage: Was genau macht dieses Finanzinstrument so problematisch?

Bontschev: Der Begriff „Nachrang“ bedeutet, dass die Anleger im Insolvenzfall ganz am Ende der Kette stehen – nach allen anderen Gläubigern. Wenn also etwas schiefläuft – sei es durch Bauverzögerung, technische Probleme, politische Entscheidungen oder schlechte Strompreise – kann das gesamte eingezahlte Geld komplett verloren sein. Ein 100-prozentiger Totalverlust ist juristisch möglich und realistisch.

Frage: Aber es gibt doch Zinsen und eine Tilgung über zwanzig Jahre?

Bontschev: Theoretisch, ja. Aber: Diese Zinsen sind nicht garantiert. Ab 2028 sollen sie ergebnisabhängig sein – das heißt: Nur wenn das Projekt Gewinn macht, gibt es Geld. Und die geplante Tilgung ab 2032 nützt niemandem, wenn das Projekt vorher scheitert. Der Anleger trägt das volle Risiko, ohne echte Mitbestimmung oder Absicherung.

Frage: Wie ist es mit der Projektbeschreibung? Dort wird alles transparent dargestellt.

Bontschev: Transparenz ist gut – aber sie ersetzt keine Absicherung. Viele private Anleger überlesen die entscheidenden Passagen, etwa zum Nachrang oder zur Ergebnisabhängigkeit der Zinsen. Man verlässt sich auf die Versprechungen der Veranstalter, ohne zu erkennen, dass dies kein Sparbuch, sondern unternehmerisches Risiko pur ist.

Frage: Gibt es Alternativen für Bürger, die in Erneuerbare investieren möchten?

Bontschev: Ja. Es gibt Energiegenossenschaften mit echten Mitgliedsanteilen oder börsennotierte Unternehmen im Bereich erneuerbarer Energien. Diese haben oft mehr Transparenz, gesetzliche Aufsicht und ein geringeres Verlustrisiko. Ein Nachrangdarlehen ist eher etwas für Profis, die sich des Risikos vollkommen bewusst sind.

Frage: Was raten Sie konkret potenziellen Anlegern beim Forstenrieder Park?

Bontschev: Lassen Sie sich unabhängig rechtlich beraten, bevor Sie unterschreiben. Und stellen Sie sich ehrlich die Frage: Kann ich es mir leisten, das gesamte Geld zu verlieren? Wenn die Antwort „nein“ lautet – Finger weg!

Frage: Vielen Dank, Frau Bontschev.

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