In den USA steht eine der härtesten Wochen des Jahres im Zusammenhang mit der Todesstrafe bevor. Gleich drei Bundesstaaten wollen innerhalb weniger Tage Gefangene hinrichten lassen. Die Fälle aus Arizona, Tennessee und Florida sorgen landesweit für Diskussionen — auch weil die Verurteilten weiterhin um ihr Leben kämpfen.
Sollten alle geplanten Exekutionen stattfinden, wären in diesem Jahr bereits 15 Menschen in den USA hingerichtet worden.
Arizona: Mann soll Paar mit Benzin übergossen und angezündet haben
In Arizona soll Leroy McGill hingerichtet werden. Der Mann wurde wegen eines besonders brutalen Verbrechens aus dem Jahr 2002 zum Tode verurteilt.
Laut Gerichtsunterlagen soll McGill ein Paar in einer Wohnung in Phoenix mit Benzin übergossen und anschließend angezündet haben. Ein Mann starb später an seinen Verletzungen, die Frau überlebte schwer verletzt mit massiven Verbrennungen.
Die Staatsanwaltschaft erklärte damals, McGill habe sogar Styropor mit dem Benzin vermischt, um eine napalmähnliche Substanz herzustellen. Seine Anwälte bestreiten diese Darstellung.
Kurz vor der geplanten Hinrichtung versuchen seine Verteidiger erneut, Fehler im damaligen Verfahren geltend zu machen. Die Gerichte lehnten die Anträge bislang jedoch ab.
Tennessee: Frau wurde lebendig begraben
Besonders erschütternd wirkt der Fall aus Tennessee.
Dort soll Tony Carruthers wegen eines dreifachen Mordes aus dem Jahr 1994 hingerichtet werden. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft entführten Carruthers und ein Komplize drei Menschen auf einen Friedhof in Memphis. Dort wurden die Opfer erschossen und in ein bereits ausgehobenes Grab geworfen.
Eine 43-jährige Mutter starb dabei offenbar nicht durch Schüsse — sondern weil sie lebendig begraben wurde und erstickte.
Besonders makaber:
Kurz darauf fand auf demselben Grab bereits eine Beerdigung statt, ohne dass jemand von den darunter liegenden Leichen wusste.
Der Fall gilt bis heute als einer der bekanntesten Kriminalfälle in Tennessee.
Kim Kardashian mischt sich ein
In den vergangenen Wochen erhielt der Fall zusätzliche Aufmerksamkeit, weil sich Reality-Star Kim Kardashian öffentlich für eine Verschiebung der Hinrichtung einsetzte.
Carruthers’ Anwälte verlangen neue Untersuchungen von Fingerabdrücken und forensischen Spuren. Sie argumentieren, es gebe keine physischen Beweise, die ihren Mandanten direkt mit der Entführung verbinden würden.
Auch die Bürgerrechtsorganisation ACLU unterstützt den Antrag.
Der Gouverneur von Tennessee lehnte einen Aufschub jedoch ab.
Florida: Schwangere Frau und vierjähriges Kind getötet
In Florida soll Richard Knight hingerichtet werden.
Er wurde wegen eines besonders brutalen Doppelmordes aus dem Jahr 2000 verurteilt. Laut Ermittlern griff Knight eine Frau und deren vierjährige Tochter in einem Haus in Coral Springs an.
Die Frau erlitt 21 Messerstiche, viele davon im Halsbereich. Das kleine Mädchen wurde ebenfalls erstochen. Die Frau war zum Tatzeitpunkt zudem schwanger.
Am Tatort fanden Ermittler:
- Blutspuren,
- DNA-Material
- und belastende Beweise an Knights Kleidung.
Auch Knight versucht derzeit, seine Hinrichtung noch zu stoppen. Seine Anwälte kritisieren unter anderem die Methoden der tödlichen Injektionen in Florida.
Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates wies die Einwände jedoch zurück.
Die USA und die Todesstrafe
Die Vereinigten Staaten gehören weiterhin zu den wenigen westlichen Demokratien, die die Todesstrafe aktiv anwenden.
Allein im vergangenen Jahr wurden 47 Menschen hingerichtet — so viele wie seit 2009 nicht mehr.
Befürworter argumentieren:
Besonders schwere Verbrechen müssten mit der härtesten Strafe geahndet werden.
Kritiker verweisen dagegen auf:
- mögliche Justizirrtümer,
- problematische Verfahren,
- ethische Fragen
- und die Gefahr, unschuldige Menschen hinzurichten.
Eine gespaltene Gesellschaft
Die aktuellen Fälle zeigen erneut, wie tief die amerikanische Gesellschaft beim Thema Todesstrafe gespalten bleibt.
Während Angehörige der Opfer teilweise offen sagen, die Täter verdienten den Tod, kämpfen Menschenrechtsorganisationen weiter gegen Exekutionen.
Gerade Fälle mit:
- jahrzehntealten Verfahren,
- neuen forensischen Möglichkeiten
- oder umstrittenen Ermittlungen
lösen regelmäßig neue Debatten aus.
Eine Woche der Entscheidungen
Ob alle drei Hinrichtungen tatsächlich vollzogen werden, bleibt zunächst offen.
Fest steht jedoch:
Die kommenden Tage werden die Diskussion über die Todesstrafe in den USA erneut verschärfen — zwischen Forderungen nach Gerechtigkeit, Vergeltung und der Frage, ob der Staat überhaupt das Recht haben sollte, Leben zu nehmen.
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