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Deutschlands Gasspeicher nur etwa halb voll: Wadephul setzt bei der Energieversorgung auf Algerien

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Deutschland sucht zusätzliche verlässliche Partner für seine Energieversorgung – und richtet den Blick dabei verstärkt nach Nordafrika. Außenminister Johann Wadephul sieht insbesondere in Algerien einen wichtigen Partner, der Deutschland auch bei der Wiederbefüllung seiner Gasspeicher unterstützen könnte.

Bei seinem Besuch in Algier verwies Wadephul darauf, dass Algerien bereits erhebliche Gasmengen nach Europa liefert, unter anderem nach Italien und Spanien. Deutschland brauche für eine sichere Energieversorgung verlässliche Partner. Algerien könne dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die Aussagen erhalten zusätzliche Bedeutung durch die derzeitige Situation der deutschen Gasspeicher: Sie sind aktuell nur ungefähr zur Hälfte gefüllt. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, mit welchen Lieferanten Deutschland seine Versorgung für die kommenden Monate absichern kann.

Algerien ist bereits ein bedeutender Gaslieferant Europas

Algerien ist für Europa keineswegs ein neuer Energiepartner. Das nordafrikanische Land verfügt über erhebliche Erdgasvorkommen und besitzt bereits etablierte Lieferbeziehungen insbesondere in Richtung Südeuropa.

Auch das Auswärtige Amt bezeichnet Algerien inzwischen ausdrücklich als strategischen Partner Deutschlands in der Energiepolitik und als einen der wichtigsten Gaslieferanten der Europäischen Union.

Für Deutschland könnte eine intensivere Zusammenarbeit deshalb helfen, die Bezugsquellen weiter zu diversifizieren.

Dabei geht es nicht zwangsläufig darum, dass algerisches Gas auf direktem Weg über eine eigene Pipeline von Algerien nach Deutschland fließt. Entscheidend ist der europäische Gasmarkt insgesamt: Zusätzliche Mengen, die nach Europa gelangen, können grundsätzlich die Versorgungslage im europäischen Verbund verbessern.

Deutschland importiert bereits Öl und Gas aus Algerien

Die wirtschaftlichen Beziehungen bestehen bereits. Nach Angaben des Auswärtigen Amts gehören Erdöl und Erdgas sowie petrochemische Erzeugnisse zu den wichtigsten deutschen Importen aus Algerien. Mehr als 450 Unternehmen beziehungsweise Akteure gehören der Deutsch-Algerischen Industrie- und Handelskammer an.

Die Energiepartnerschaft soll nun offenbar weiter an Bedeutung gewinnen.

Wadephul hatte bereits unmittelbar vor seiner Reise erklärt, Deutschland und Algerien hätten erst im Juli vereinbart, ihre Zusammenarbeit bei Energieversorgung und Transformation des Energiesektors erheblich zu intensivieren.

Seine aktuellen Aussagen zur Befüllung der deutschen Gasspeicher passen damit in eine längerfristige Strategie.

Die Speicherstände erhöhen den politischen Druck

Dass die deutschen Gasspeicher derzeit lediglich ungefähr zur Hälfte gefüllt sind, macht die Suche nach zusätzlichen beziehungsweise verlässlichen Lieferquellen besonders relevant.

Ein Speicherstand von rund 50 Prozent bedeutet allerdings nicht, dass Deutschland nur noch für die Hälfte eines Winters Gas besitzt oder unmittelbar vor einem Versorgungsengpass steht.

Gasspeicher sind nur ein Bestandteil des Versorgungssystems. Gleichzeitig gelangt fortlaufend neues Gas über Pipelines und LNG-Terminals in das deutsche beziehungsweise europäische Netz. Für die Versorgungssicherheit sind daher nicht nur die vorhandenen Speichermengen entscheidend, sondern ebenso laufende Importe, Verbrauch, Wetter, Preise und die gesamte europäische Versorgungslage.

Trotzdem besitzen hohe Speicherstände eine wichtige Sicherheitsfunktion: Sie schaffen Reserven für Phasen, in denen der Verbrauch stark steigt oder Lieferungen ausfallen.

Seit Russland hat sich Deutschlands Gasstrategie grundlegend verändert

Hinter Wadephuls Vorstoß steht auch eine grundlegende Veränderung der deutschen Energiepolitik.

Die frühere starke Abhängigkeit von russischem Pipelinegas hat gezeigt, welche Risiken entstehen können, wenn ein großer Teil der Versorgung von einzelnen Lieferanten beziehungsweise Transportwegen abhängt.

Seitdem setzt Deutschland wesentlich stärker auf unterschiedliche Bezugsquellen und LNG-Importe.

Eine engere Partnerschaft mit Algerien würde in diese Strategie passen: Nicht ein einzelner neuer Lieferant soll die frühere Abhängigkeit ersetzen, sondern ein breiteres Netz verschiedener Energiepartner soll die Versorgung widerstandsfähiger machen.

Algerien gewinnt dadurch geopolitisch an Bedeutung

Für Algerien eröffnet diese Entwicklung erhebliche Chancen.

Das Land besitzt nicht nur fossile Energieressourcen, sondern wird von Deutschland auch als möglicher künftiger Lieferant von grünem Wasserstoff betrachtet. Wadephul erklärte vor seiner Reise, Algeriens Bedeutung könne wegen seines großen Potenzials für die Wasserstoffproduktion künftig noch zunehmen.

Damit verfolgt die Bundesregierung zwei Ziele gleichzeitig.

Kurzfristig steht Erdgas im Mittelpunkt, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Langfristig soll die Zusammenarbeit stärker auf klimafreundlichere Energieträger und den Umbau des Energiesystems ausgerichtet werden.

Algerien könnte dadurch vom klassischen Gasexporteur zu einem langfristigen Energiepartner Deutschlands und Europas werden.

Wadephul reist nicht allein mit diplomatischer Agenda

Bemerkenswert ist zudem, dass der Außenminister seine Reise ausdrücklich mit wirtschaftspolitischen Interessen verbindet.

Wadephul nahm deutsche Wirtschaftsvertreter mit nach Tunesien und Algerien, damit diese an Wirtschaftsgesprächen teilnehmen können. Bereits vor seiner Abreise erklärte er, gerade bei der Energiezusammenarbeit gebe es erhebliches Potenzial für beide Seiten.

Die Reise ist damit nicht lediglich ein diplomatischer Besuch. Sie verbindet Außen-, Wirtschafts-, Sicherheits- und Energiepolitik.

Das passt auch zu Wadephuls eigener Beschreibung seiner Rolle. In einem Interview im Juni erklärte er, er verstehe sich teilweise auch als „Außenwirtschaftsminister“.

Nordafrika rückt näher an Europas Energiepolitik

Algerien ist dabei nur ein Teil einer größeren Strategie.

Vor seiner Reise nach Tunesien und Algerien betonte Wadephul, dass Deutschland und Europa angesichts weltweiter Umbrüche enger mit ihren geografischen Nachbarn in Nordafrika zusammenarbeiten müssten. Dabei nannte er ausdrücklich gemeinsame wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen.

Energie wird damit zunehmend zu einem Bestandteil der Außenpolitik.

Die Frage lautet nicht mehr ausschließlich, welcher Lieferant aktuell den günstigsten Gaspreis anbietet. Ebenso wichtig wird, welche Staaten über Jahre hinweg politisch und wirtschaftlich verlässliche Lieferbeziehungen gewährleisten können.

Algerien soll nicht das neue Russland werden

Dabei wäre es jedoch falsch, aus Wadephuls Aussagen abzuleiten, Deutschland wolle nun eine neue einseitige Abhängigkeit von Algerien aufbauen.

Gerade die Erfahrungen der vergangenen Jahre sprechen für das Gegenteil: Diversifizierung ist der entscheidende Punkt.

Algerisches Gas könnte ein Baustein unter mehreren sein – neben LNG-Lieferungen, europäischen Pipelineverbindungen, anderen Importpartnern, erneuerbaren Energien und langfristig Wasserstoff.

Auch Wadephuls Formulierung von Algerien als verlässlichem Partner bedeutet deshalb nicht, dass das Land künftig allein für die deutschen Speicher verantwortlich wäre.

Von der politischen Zusage bis zum Gas im Speicher ist es ein weiter Weg

Entscheidend wird nun sein, ob aus der politischen Annäherung tatsächlich zusätzliche Liefermengen entstehen.

Denn eine politische Absichtserklärung allein füllt noch keinen deutschen Gasspeicher.

Es braucht Lieferverträge, verfügbare Fördermengen, Transportkapazitäten und wirtschaftlich tragfähige Konditionen. Gleichzeitig konkurriert Deutschland mit anderen europäischen Abnehmern um verfügbare Mengen.

Algerien beliefert bereits Länder wie Italien und Spanien. Zusätzliche Lieferungen für den europäischen Markt müssen daher in die bestehenden Lieferstrukturen integriert werden.

Gas für heute, Wasserstoff für morgen

Genau darin liegt die strategische Bedeutung der Gespräche in Algier.

Kurzfristig könnte Algerien dabei helfen, Europas und damit auch Deutschlands Gasversorgung breiter aufzustellen. Langfristig soll die Partnerschaft weit über fossiles Erdgas hinausgehen.

Die Bundesregierung betrachtet das Land aufgrund seines Potenzials für grünen Wasserstoff ausdrücklich auch als möglichen Partner der zukünftigen Energieversorgung.

Damit bekommt Wadephuls Besuch eine doppelte Dimension: Deutschland sucht Gas für die aktuelle Versorgungssicherheit und gleichzeitig Partner für das Energiesystem der Zukunft.

Bei derzeit nur ungefähr halb gefüllten deutschen Gasspeichern ist allerdings zunächst die kurzfristige Frage besonders dringlich. Wadephuls Botschaft aus Algier ist deshalb klar: Deutschland will seine Versorgung auf mehr Partner verteilen – und Algerien soll dabei künftig eine wichtigere Rolle spielen.

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