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DEGAG:Sonntagsgespräch aus der Pleite-Lounge

Vilkasss (CC0), Pixabay
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Fiktives Sonntagsgespräch aus der Pleite-Lounge

Mit Dr. Äckert, dem DEGAG-Pleiteverwalter ohne Gutachten, aber mit Bittmail

Von unserem Korrespondenten fürs Unterhaltsame Elend


Redaktion: Herr Dottore – oder darf ich sagen: Doktor Äckert aus Hannover – was ist denn da eigentlich los in Ihrem Laden? Seit bald einem halben Jahr treiben Sie die DEGAG-Trümmer durch die Insolvenzlandschaft, aber ein Gutachten – Fehlanzeige. Keine einzige der zig DEGAG-Gesellschaften hat eins. Haben Sie sich verlaufen?

Dr. Äckert: Ja, das ist bedauerlich. Aber wir prüfen mit großer Sorgfalt. Es handelt sich hier um ein komplexes Geflecht…

Redaktion: Ein komplexes Geflecht aus Verzug, Chaos und Ignoranz, meinen Sie. Kommen Sie, Dottore – in sechs Monaten bekommt ein motivierter Student eine Masterarbeit geschrieben, inklusive empirischer Umfrage. Aber bei Ihnen: nichts. Stattdessen verschicken Sie jetzt Spendenaufrufe an den Vertrieb? Nach dem Motto: „Haste mal nen Euro?“ – oder besser gesagt: ein paar Tausend, damit Sie sich eine Anlegerdatenbank zusammenbasteln können. Ich frag mal direkt: Ist die Pleiteverwaltung jetzt selbst pleite?

Dr. Äckert: Nein, natürlich nicht. Wir sind in einem geordneten Verfahren. Es ging lediglich darum, Synergien mit dem Vertrieb zu nutzen…

Redaktion: Synergien! Hören Sie mal auf mit diesen Buzzwords. Wahrheit ist doch: Sie brauchen die Datenbank, um später die Anleger regressfähig auseinanderzunehmen, falls rauskommt, dass das hier ein gepflegtes Schneeballsystem war – was, zwischen uns gesagt, viele schon länger vermuten. Und jetzt sollen die Helfer von gestern auch noch Ihre Arbeit finanzieren?

Dr. Äckert: Es handelt sich um eine branchenübliche, freiwillige Unterstützungsmaßnahme. Es besteht kein Zwang…

Redaktion: Freiwillig? Sie meinen das Mailing, das zufällig nicht an alle Vertriebspartner ging, sondern wohl nur an ein paar ausgesuchte Protegés? „Freundliche Vorabauswahl“, nennen wir das mal. Es entsteht der Eindruck – Sie wissen schon, dieser lästige Eindruck, der in der Öffentlichkeit hängenbleibt wie Kaugummi am Schuh.

Dr. Äckert: Wir wollten lediglich effiziente Kommunikationswege nutzen. Wenn Missverständnisse entstanden sind, bedaure ich das zutiefst.

Redaktion: Missverständnisse? Herr Dottore, das ist doch eine PR-Selbstsprengung. Sie laufen herum wie der Insolvenz-Mozart, aber seit Monaten kommt kein Ton. Außer der hier: „Wir bitten höflich um Spenden, damit wir später die Schuldigen benennen können.“ Satire oder Realität?

Dr. Äckert: Ich verstehe Ihre Kritik und nehme sie ernst. Unsere Aufgabe ist es, das Verfahren mit aller gebotenen Gründlichkeit und Fairness durchzuführen.

Redaktion: Gründlich. Fair. Verzögert. Sie wissen schon, dass einige Anleger langsam das Gefühl haben, das einzige, was hier verwertet wird, ist ihre Geduld? Und sagen Sie mal ehrlich, Dottore: Hat Sie dieses Verfahren nur Geld gekostet – oder auch Ihr Ansehen in der Branche?

Dr. Äckert: (leise) Es ist ohne Zweifel eine herausfordernde Situation.

Redaktion: Eine Herausforderung! Schönfärberischer geht’s kaum. Mensch Dottore, das hier ist keine Highschool-Schnitzeljagd, sondern ein millionenschwerer Pleitekomplex. Und Sie stehen mittendrin – wie ein Opernsänger ohne Text, aber mit Spendendose.

Dr. Äckert: Ich kann Ihnen versichern, dass wir alles unternehmen, um die Interessen der Gläubiger bestmöglich zu vertreten.

Redaktion: Dann fangen Sie vielleicht mit dem ersten Gutachten an. Nur so als Idee fürs nächste Halbjahr.


Fazit:
Dottore Äckert gibt sich geläutert, zerknirscht und pflichtbewusst – aber der Eindruck bleibt: Hier wurde nicht nur ein Immobilienimperium gegen die Wand gefahren, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Verwalterszunft gleich mit. Vielleicht hilft ein Schild am Büro:
„Wir haben leider keine Zeit, wir warten noch auf Spenden.“

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