Crowdfunding für den grauen Geschmack möglichen Vermögens

In der Rhein-Main-Region sind ein Dutzend Plattformen für Kleinstanleger entstanden. Sie locken mit hohen Renditen, kämpfen aber mit Risikoscheu und Regulierung.

Noch bevor manches Start-up ein Produkt vorweisen kann, haben Investoren dieses Unternehmen mit 20 Millionen Dollar bewertet. Dabei scheinen die Geschäftsideen der „Geldsammler“ nicht neu zu sein:

Die Gründer planen eine Crowdfunding-Plattform. Darunter werden mehrere Anlageformen zusammengefasst, indem auf viele Kleinanleger statt auf wenige Geldgeber gesetzt wird. Dabei kann in vieles investiert werden: Immobilien, Kredite, Entwicklungshilfeprojekte, neue Technologien, Start-ups, selbst in Filme oder den Spielplatz der Nachbarjungen.

Im Prinzip sind auch Aktien eine Form des Crowdfundings. Die Initiativen von Internetplattformen ermöglichen Anlegern sich so über Projekte informieren zu können, wenn sie in diese investieren möchten. In 2016 wurden in Europa annähernd 10 Milliarden Euro eingenommen. Für 2017 werden deutliche Steigerungen in allen Staaten erwartet.

Das Zentrum des Crowdfunding hat sich in der Rhein-Main-Region entwickelt. Plattformen wie Bettervest (Projekte der Energiewende), Aescuvest (Gesundheitssektor), Giromatch und Investofolio  (Kreditfinanzierung) locken. Mit Phantasienamen werden Verlockungen aus Bensheim (Business Angels), Hofheim (Regionale Unterstützungen) und weitere Crowdfund-Instrumente präsentiert.

Der Finanzplatz Frankfurt hat viele Gründer vorher bei einer Bank in der Region gesehen. Ein Grund für diese Konzentration ist auch das Studium. Viele haben beim berufsbegleitenden Studium an der FOM Hochschule, der Frankfurt School of Finance, der EBS Universität im Rheingau, bei Banken oder am Frankfurter Zukunftsinstitut neue Technologietrends kennen und verstehen gelernt.

In 2010, als es das Wort Crowdfunding noch gar nicht gab, sollten Bürger ihrer Kommune Geld leihen können, die in Folge der Schuldenbremse nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten suchten. Inzwischen konzentrieren sich die damals in der Entwicklung Tätigen unter neuen Namen auf die Entwicklung von Software und den IT-Service für andere Plattformen. Dazu gehören die rechtliche und technische Infrastruktur zur Abrechnung von Zinsen, Steuern und die Anlegerbetreuung.

Beim Crowdfunding sind viele rechtliche Vorgaben zu beachten. Die Prozesse unterscheiden sich je nach Finanzprodukt, Sitz und Typus des Investors (vgl. El Mallouki). Kleinere Emissionen von weniger als   zehn Millionen Euro verursachen Nebenkosten von bis zu 17 Prozent. Das konnte für mittelständische Unternehmen nicht attraktiv sein. Neue Plattformen sollen billiger sein. Dabei werden die Banken als Mittelsmänner umgangen. Anleger und Darlehensnehmer werden direkt zusammengebracht.

Kleininvestoren können Kredite direkt finanzieren, wenn großen Banken nicht mehr vertraut und nach renditeträchtigen Geldanlagen gesucht wird. Die Plattformen erhalten anteilige Provisionen, die ihnen der Projektanbieter zahlt, wenn die Zielsumme beim Einwerben erreicht wurde.

Auch die Plattformen brauchen Banken. Die wenigsten besitzen eine eigene Banklizenz und kooperieren für Geldgeschäfte mit etablierten, meist kleineren Geldhäusern. Firmenbeteiligungen können die wenigsten anbieten und setzen auf Nachrangdarlehen, die mögliche Verzinsungen von bis zu 18% p. a. aufzeigen, aber den Totalverlust oft einplanen müssen. Wenige Unternehmen zahlen nach Ende der Laufzeit das Geld voll zurück – einige gehen in die Insolvenz. Dieses Ausfallrisiko schreckt Anleger ab. Deutschen wollen maximale Rendite und minimales Risiko. Dennoch haben die Plattformen mehrfach einstellige Millionenbeträge eingesammelt (vgl. Heunemann, F.).

Crowdfunding ist die Digitalisierung des analogen Finanzvertriebs. In Deutschland gibt es noch 35.000 Bankfilialen und Zehntausende Finanzvermittler. Das ist Potential für Crowdfunding-Plattformen.

 

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