Der chinesische Untergrundkirchen-Pastor Jin Mingri ist nach mehreren Monaten Haft freigelassen worden und in die USA ausgereist. Das bestätigten sowohl seine Familie als auch die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation ChinaAid. Der Gründer der sogenannten Zion Church traf demnach in Los Angeles ein.
Jin, auch unter dem Namen Ezra Jin bekannt, war im Oktober 2025 bei landesweiten Razzien gegen christliche Untergrundgemeinden festgenommen worden. Christliche Organisationen bezeichneten die damalige Aktion als eine der schärfsten Maßnahmen gegen religiöse Gruppen in der jüngeren Geschichte Chinas.
Familie spricht von einem „Wunder“
In einer Erklärung bedankte sich die Familie des Pastors bei ihren Unterstützern und sprach von einem „Wunder“. Besonderer Dank galt US-Präsident Donald Trump und dessen Regierung. Nach Angaben der Familie sei die Freilassung ohne eine direkte Entscheidung des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping nicht möglich gewesen.
Zugleich äußerte die Familie die Hoffnung, dass der Fall ein positives Signal für die Religionsfreiheit in China sowie für die Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten sein könnte.
Trump hatte Fall bei Xi Jinping angesprochen
US-Präsident Donald Trump hatte den Fall Jin Mingri während seines Staatsbesuchs in Peking im Mai persönlich bei Xi Jinping angesprochen. Im Anschluss erklärte Trump, der chinesische Staatschef habe zugesagt, den Fall „ernsthaft zu prüfen“.
Neben Jin thematisierte Trump damals auch die Inhaftierung des Hongkonger Medienunternehmers Jimmy Lai, der wegen angeblicher Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.
ChinaAid begrüßt Freilassung
Die Menschenrechtsorganisation ChinaAid begrüßte die Freilassung des Pastors. Gründer Bob Fu wies jedoch darauf hin, dass weiterhin zahlreiche Angehörige nicht registrierter christlicher Gemeinden in chinesischen Gefängnissen einsäßen. Allein acht Mitglieder der Zion Church befänden sich nach wie vor in Haft.
Auch die Inter-Parliamentary Alliance on China (IPAC), ein Zusammenschluss westlicher Parlamentarier, zeigte sich erfreut über die Freilassung.
Zion Church gehört zu den größten Untergrundgemeinden
Jin Mingri gründete die Zion Church im Jahr 2007 mit rund 20 Gläubigen. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich daraus eine der größten nicht staatlich registrierten protestantischen Gemeinden Chinas mit schätzungsweise 10.000 Mitgliedern in rund 40 Städten.
Die chinesischen Behörden verboten die Gemeinde im Jahr 2018, nachdem sie sich geweigert hatte, staatlich angeordnete Überwachungskameras in ihren Räumlichkeiten zu installieren. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Zweiggemeinden geschlossen oder durch die Behörden kontrolliert.
Religionsfreiheit bleibt eingeschränkt
In China dürfen religiöse Gemeinschaften grundsätzlich nur innerhalb staatlich anerkannter Organisationen tätig sein. Unabhängige Gemeinden und sogenannte Hauskirchen stehen seit Jahren unter zunehmendem Druck der Behörden.
Im Oktober 2025 wurden Berichten zufolge etwa 30 Kirchenleiter im Rahmen koordinierter Polizeieinsätze festgenommen. Bereits wenige Monate später folgte eine weitere Razzia gegen eine andere christliche Gemeinde, bei der erneut mehrere Personen inhaftiert wurden.
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