China hat mit einer gewaltigen Militärparade in Peking an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Asien erinnert. Am Platz des Himmlischen Friedens eröffnete Staats- und Parteichef Xi Jinping die Feierlichkeiten, die an die Kapitulation Japans im Jahr 1945 erinnern. Für die Volksrepublik ist dieses Ereignis ein zentrales Kapitel ihrer Geschichte, da es das Ende der japanischen Besatzung und den Beginn des Aufstiegs eines neuen China markiert.
Pompöse Inszenierung militärischer Stärke
An der Parade nahmen über 10.000 Soldaten teil, begleitet von Hunderten Militärfahrzeugen und Kampfflugzeugen. Gezeigt wurden neben klassischen Truppenformationen auch hochmoderne Waffensysteme, darunter Raketen, Drohnen und Luftabwehrsysteme. Die Schau diente nicht nur dem Gedenken, sondern auch der Demonstration von Chinas wachsender militärischer Schlagkraft.
Xi Jinping betonte in seiner Rede, China habe im Krieg schwer gelitten und Millionen Menschen verloren, doch das Land sei gestärkt daraus hervorgegangen. „Die Erinnerung an die Opfer verpflichtet uns, Frieden zu bewahren“, so Xi. Gleichzeitig machte er klar, dass China entschlossen sei, seine Souveränität und territoriale Integrität zu verteidigen – eine Formulierung, die Beobachter als verdeckten Hinweis auf Taiwan deuten.
Internationale Gäste und geopolitische Signalwirkung
Unter den 26 Staats- und Regierungschefs, die der Einladung nach Peking folgten, befanden sich der russische Präsident Wladimir Putin und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Beide nahmen demonstrativ an der Parade teil und stärkten so das Bild einer Achse, die sich in Abgrenzung zu den USA und westlichen Staaten formiert.
Die Anwesenheit Putins gilt als wichtiges Symbol, gerade vor dem Hintergrund der westlichen Sanktionen gegen Russland im Zuge des Ukraine-Krieges. Nordkorea wiederum nutzt den Schulterschluss mit China, um seine internationale Isolation zu durchbrechen. Xi positioniert sich damit als zentraler Akteur in einem geopolitischen Machtblock, der Russland und Nordkorea einschließt.
Erinnerungskultur und nationale Identität
Für China ist das Gedenken an den Sieg über Japan auch ein Instrument der nationalen Identitätsstiftung. Die Erinnerung an die „Demütigung durch fremde Mächte“ – insbesondere durch die japanische Besatzung – wird von der Staatsführung gezielt genutzt, um Einheit und Loyalität in der Bevölkerung zu fördern. Schulen, Medien und offizielle Feiern betonen immer wieder die Rolle der Kommunistischen Partei beim Widerstand gegen Japan, auch wenn die historische Realität komplexer war.
Internationale Reaktionen
In Japan und bei westlichen Regierungen stößt die Parade auf gemischte Reaktionen. Während man das Gedenken an die Opfer grundsätzlich respektiert, wird die starke militärische Inszenierung kritisch gesehen. Experten warnen, dass solche Auftritte eher die Spannungen in Ostasien verschärfen könnten – insbesondere in Bezug auf Taiwan, das von China als Teil seines Territoriums beansprucht wird.
Zudem werfen Analysten die Frage auf, ob die Veranstaltung wirklich ein Friedenssignal darstellt, wie Xi es betonte, oder ob sie nicht vielmehr die Botschaft vermittelt: China ist militärisch stärker denn je und bereit, seine Interessen auch mit Härte durchzusetzen.
Kommentar hinterlassen