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Chicken Run in Köln: Fünf Stunden warten – für ein Hähnchen und ein TikTok-Video

Erik_Karits (CC0), Pixabay
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Früher standen Menschen stundenlang für Konzertkarten an. Manche campierten vor Apple-Stores. Andere warteten auf neue Turnschuhe.

Köln hat jetzt die nächste Evolutionsstufe erreicht:

Man steht fünf Stunden für Hähnchen an.

Ja, richtig gelesen.

Nicht für ein Treffen mit Taylor Swift. Nicht für das Champions-League-Finale. Nicht für Freibier.

Für Hühnchen.

Vor der neuen Filiale von „Nhas City Chicken“ in der Kölner Innenstadt bildete sich am Wochenende eine Warteschlange, die zeitweise mehr als 100 Meter lang gewesen sein soll.

Der Grund?

TikTok.

Damit wäre eigentlich schon alles erklärt.

Die Berliner Hähnchenkette hat ihre erste Filiale außerhalb der Hauptstadt eröffnet und offenbar beschlossen, dass Nordrhein-Westfalen dringend mehr gegrilltes Geflügel mit Internetanschluss braucht.

Die Jugend kam.

Aus Essen.

Aus Düsseldorf.

Aus Recklinghausen.

Aus Krefeld.

Menschen legten Dutzende Kilometer zurück, um anschließend mehrere Stunden auf einem Gehweg zu verbringen und irgendwann sagen zu können:

„Ich war dabei.“

Und natürlich:

„Ich hab’s gepostet.“

Ein Besucher wartete bereits zweieinhalb Stunden. Sein Freund erklärte sogar, fünf Stunden Wartezeit wären für ihn kein Problem.

Fünf Stunden.

In dieser Zeit könnte man von Köln nach Paris fahren.

Oder einen halben Arbeitstag erledigen.

Oder ungefähr 17-mal darüber nachdenken, ob man nicht einfach beim nächsten Imbiss ein Hähnchen bestellt.

Aber das wäre natürlich kein TikTok-Hähnchen.

Und genau darin liegt offenbar der entscheidende Unterschied.

Denn bei „Nhas City Chicken“ geht es längst nicht nur ums Essen.

Es geht ums Erlebnis.

Um Videos.

Um Selfies.

Und um die Gewissheit, später seinen Freunden sagen zu können:

„Ich habe vier Stunden angestanden.“

Worauf vernünftige Freunde vermutlich antworten:

„Warum?“

Die Geschichte hinter dem Unternehmen ist durchaus interessant. Die Rezepte stammen nach Angaben des Betreibers aus der Familie von Gründer Omar Nhas. Dessen Großvater eröffnete bereits 1993 im Libanon einen Grillhähnchen-Laden.

Omar Nhas wuchs später in Berlin im Familiengeschäft auf und entwickelte daraus seine heutige Marke.

Mittlerweile ist er selbst zum Social-Media-Star geworden.

Hunderttausende folgen ihm bei TikTok.

Damit ist der Mann vermutlich einer der wenigen Hähnchenverkäufer Deutschlands, bei denen manche Kunden nicht fragen:

„Was kostet das Menü?“

Sondern:

„Kann ich ein Selfie haben?“

Vor der Kölner Filiale entwickelte sich deshalb zeitweise eine Mischung aus Imbiss-Eröffnung, Fan-Treffen und kleinem Straßenfestival.

Sobald sich die Schlange ein paar Meter bewegte, wurde gejubelt.

Das muss man sich einmal vorstellen.

Menschen freuen sich darüber, dass sie nach drei Stunden Wartezeit jetzt vielleicht nur noch zweieinhalb Stunden warten müssen.

So entstehen Glücksmomente im Jahr 2026.

Das eigentliche Erfolgsrezept funktioniert dabei perfekt:

TikTok zeigt Hähnchen.

Menschen sehen TikTok.

Menschen fahren nach Köln.

Menschen stehen in der Schlange.

Menschen filmen die Schlange.

Menschen stellen das Video bei TikTok ein.

Andere Menschen sehen das Video.

Und fahren nach Köln.

Ein nahezu perfekter Kreislauf.

Irgendwann benötigt man vermutlich gar kein Hähnchen mehr.

Die Warteschlange produziert ihren eigenen Hype.

Nicht jeder schaffte es allerdings bis zur begehrten Theke.

Ein Sicherheitsmitarbeiter musste einigen Wartenden mitteilen, dass sie an diesem Abend nicht mehr bedient würden.

Die Wartezeit betrage mindestens vier Stunden.

Der Laden schließe aber bereits in zwei.

Das ist mathematisch natürlich ungünstig.

Für manche endete der große Chicken-Ausflug damit vermutlich mit mehreren Stunden Wartezeit und ohne Chicken.

Immerhin konnte man noch ein Video von der Warteschlange hochladen.

Ganz umsonst war der Tag also nicht.

Weniger glamourös sah es anschließend rund um den Laden aus.

Überfüllte Mülleimer, Verpackungen, Getränkebecher, Einmalhandschuhe und Hühnerknochen lagen herum.

Auch das gehört offenbar zur modernen Erfolgsgeschichte:

Erst kommt der Influencer.

Dann kommt die Masse.

Dann kommt das Hähnchen.

Und zum Schluss kommt die Müllabfuhr.

Ob das Essen tatsächlich vier oder fünf Stunden Wartezeit wert ist, muss selbstverständlich jeder selbst entscheiden.

Aber eines kann man dem Laden nicht vorwerfen:

Unauffällig war die Eröffnung nicht.

Köln hat jetzt jedenfalls eine neue Touristenattraktion.

Dom.

Rhein.

Karneval.

Und irgendwo dazwischen:

eine hundert Meter lange Schlange vor einem Grillhähnchen.

Willkommen im Zeitalter von TikTok.

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