Herr Linnemann, laut einer aktuellen BaFin-Umfrage verliert jede*r Siebte beim Online-Shopping mit „Buy now, pay later“ (BNPL) den Überblick. Ist das ein ernsthaftes Risiko?
Absolut. Besonders junge Verbraucher*innen unterschätzen die Gefahren dieser Zahlungsart. Das Prinzip klingt harmlos: Jetzt shoppen, später zahlen. Doch wer den Überblick verliert, rutscht schnell in die Schuldenfalle. Fast ein Viertel der unter 30-Jährigen hat bereits mehr ausgegeben als geplant – das ist alarmierend.
Was macht BNPL Ihrer Einschätzung nach so risikobehaftet?
Die Hürde für den Kauf ist extrem niedrig. Es gibt oft keinen echten Kreditvertrag, keine umfassende Bonitätsprüfung, keine direkte Ratenvereinbarung wie bei klassischen Krediten. Viele Nutzer*innen verschieben dann einfach Zahlungen oder wandeln sie in Raten um – ohne wirklich zu kalkulieren. Laut der Umfrage haben 57 % das schon gemacht. So baut sich schleichend eine finanzielle Belastung auf.
Wie hoch sind die Schulden typischerweise?
Vier Prozent der Befragten gaben an, über 1.000 Euro offen zu haben. Für junge Menschen mit wenig Einkommen kann das existenzbedrohend sein. Besonders problematisch: Manche gleichen diese Schulden mit weiteren Krediten, Überziehungen oder sogar Gehaltsvorschüssen aus.
Ist der rechtliche Schutz derzeit ausreichend?
Nein. Der Gesetzgeber hat bislang eine Lücke gelassen. Da BNPL häufig als „zahlungstechnische Dienstleistung“ und nicht als klassischer Kredit angeboten wird, greifen viele Verbraucherschutzvorgaben nicht. Das ändert sich nun: Ab November 2026 sollen neue EU-Regeln auch auf solche Kleinkredite anwendbar sein. Das begrüße ich ausdrücklich.
Was raten Sie Verbraucher*innen?
Augen auf beim Online-Shopping. „Später zahlen“ klingt verführerisch, ist aber keine Gratisleistung. Wer kein Geld hat, sollte nicht einkaufen. Und wer BNPL nutzt, muss diszipliniert Buch führen – sonst wird aus bequemer Zahlung schnell ein teurer Fehler.
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