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Briefwahl boomt in Sachsen-Anhalt: Schon rund 335.000 Wahlscheine ausgegeben

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeichnet sich ein großes Interesse an der Briefwahl ab. Rund 335.000 Briefwahlunterlagen waren nach Angaben des Statistischen Landesamtes bereits bis vor einer Woche ausgegeben worden. Das entspricht ungefähr 20 Prozent aller Wahlberechtigten im Land.

Damit hat bereits etwa jeder fünfte Wahlberechtigte Briefwahlunterlagen angefordert. Zugleich liegt die Zahl höher als bei der Landtagswahl vor fünf Jahren.

Für die Wahlbehörden beginnt damit die entscheidende Phase: Wer seine Stimme per Brief abgeben möchte, muss jetzt besonders auf die Fristen achten.

Rund jeder Fünfte hat bereits Briefwahlunterlagen

Die Größenordnung von 335.000 ausgegebenen Unterlagen zeigt, welche Bedeutung die Briefwahl inzwischen für die Landtagswahl besitzt.

Aus der genannten Quote lässt sich grob ableiten, dass es in Sachsen-Anhalt insgesamt rund 1,68 Millionen Wahlberechtigte gibt. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine rechnerische Näherung, da die Angabe von 20 Prozent gerundet ist.

Entscheidend ist: Bereits eine Woche vor der aktuellen Mitteilung hatte ein erheblicher Teil der Wahlberechtigten die Möglichkeit zur Stimmabgabe außerhalb des Wahllokals vorbereitet.

Die endgültige Zahl dürfte noch höher ausfallen, denn Wahlscheine können weiterhin beantragt werden.

Antrag noch bis Freitag um 15 Uhr möglich

Wer bislang keine Briefwahlunterlagen beantragt hat, hat noch eine letzte Möglichkeit.

Nach Angaben der Wahlleitung kann ein Wahlschein noch bis Freitag um 15 Uhr beantragt werden.

Je näher der Wahltermin rückt, desto wichtiger wird allerdings die Frage, ob die Unterlagen auf dem Postweg noch rechtzeitig zurückkommen. Entscheidend ist nicht, wann der Wahlbrief abgeschickt wurde, sondern dass er rechtzeitig bei der zuständigen Stelle eingeht.

Wer seine Unterlagen sehr spät erhält, sollte deshalb besonders auf die verbleibende Zeit achten.

Wahlbrief kann noch am Wahltag abgegeben werden

Selbst am Wahltag besteht noch eine Möglichkeit, einen bereits ausgefüllten Wahlbrief rechtzeitig einzureichen.

Nach Angaben der Wahlleitung kann der Brief bis 18 Uhr am Wahltag beim Wahlamt abgegeben werden.

Damit besteht für kurzfristige Briefwähler eine wichtige Alternative zum möglicherweise zeitlich riskanten Postversand.

Die Frist von 18 Uhr ist dabei entscheidend. Wer seinen Wahlbrief erst danach einreicht, riskiert, dass seine Stimme nicht mehr berücksichtigt werden kann.

335.000 Unterlagen bedeuten noch nicht 335.000 abgegebene Stimmen

Bei der Interpretation der bisherigen Zahlen gibt es allerdings einen wichtigen Unterschied.

Ausgegebene Briefwahlunterlagen sind nicht automatisch abgegebene Briefwahlstimmen.

Ein Wahlberechtigter kann Unterlagen beantragen und sie anschließend nicht zurücksenden. Ebenso lässt sich aus den bislang ausgegebenen Wahlscheinen noch nicht ablesen, wie hoch die tatsächliche Briefwahlquote am Ende sein wird.

Die Zahl von rund 335.000 zeigt deshalb zunächst das Interesse beziehungsweise die Inanspruchnahme der Briefwahlunterlagen, nicht die endgültige Zahl gültiger Briefwahlstimmen.

Mehr Interesse als vor fünf Jahren

Politisch interessant ist vor allem der Vergleich mit der vergangenen Landtagswahl.

Nach den vorliegenden Angaben wurden diesmal bereits mehr Briefwahlunterlagen ausgegeben als bei der Landtagswahl vor fünf Jahren.

Wie stark der Anstieg genau ausfällt, lässt sich aus den genannten Zahlen allerdings nicht berechnen, weil keine konkrete Vergleichszahl für den entsprechenden Zeitpunkt der vorherigen Wahl angegeben wird.

Ebenso wäre es verfrüht, aus dem hohen Briefwahlinteresse auf eine insgesamt höhere Wahlbeteiligung zu schließen.

Menschen, die früher am Wahltag im Wahllokal gewählt hätten, können ihre Stimme diesmal lediglich auf einem anderen Weg abgeben. Eine steigende Briefwahlquote bedeutet deshalb nicht automatisch, dass insgesamt mehr Menschen wählen.

Briefwahl verändert den Ablauf des Wahlwochenendes

Die hohe Zahl hat dennoch praktische Auswirkungen.

Ein beträchtlicher Teil der Stimmen wird bereits vor dem eigentlichen Wahlsonntag vorbereitet abgegeben. Für die Wahlorganisation bedeutet das große Mengen an Wahlbriefen, die entgegengenommen, geprüft und anschließend entsprechend den gesetzlichen Vorgaben ausgezählt werden müssen.

Für die Parteien wiederum verändert eine hohe Briefwahlquote die Schlussphase des Wahlkampfs. Wer seine Stimme bereits abgegeben hat, kann durch Ereignisse oder politische Debatten der letzten Tage nicht mehr zu einer anderen Wahlentscheidung bewegt werden.

Je größer der Anteil der Briefwähler wird, desto größer ist damit auch die Gruppe der Wähler, deren Entscheidung bereits vor dem eigentlichen Wahltag gefallen ist.

Die letzten Stunden können entscheidend werden

Für Wahlberechtigte, die ihre Unterlagen bereits besitzen, ist jetzt vor allem eines wichtig: Der Wahlbrief muss rechtzeitig ankommen.

Wer wegen der verbleibenden Zeit Zweifel am Postweg hat, kann die Unterlagen noch persönlich beim zuständigen Wahlamt abgeben. Nach den Angaben der Wahlleitung ist dies am Wahltag bis 18 Uhr möglich.

Wer dagegen noch einen Wahlschein benötigt, muss früher handeln: Freitag um 15 Uhr endet nach den vorliegenden Angaben die reguläre Antragsfrist.

Damit geht Sachsen-Anhalt mit einem bereits deutlich sichtbaren Briefwahlanteil in die letzten Tage vor der Landtagswahl. Rund 335.000 ausgegebene Unterlagen und damit etwa jeder fünfte Wahlberechtigte zeigen: Für einen erheblichen Teil der Menschen im Land beginnt die Wahl nicht erst am Sonntag.

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