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Berlin löst seine Geschichte mal wieder mit dem Bagger

Michael_Luenen (CC0), Pixabay
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Deutschland 2026.

Man diskutiert ernsthaft darüber, den letzten erhaltenen Bunker der ehemaligen Reichskanzlei abzureißen, um Platz für Wohnungen zu schaffen.

Denn offensichtlich gilt inzwischen das Motto:

„Was man nicht mehr sieht, hat es vielleicht nie gegeben.“

Die Befürworter argumentieren, der Bunker könnte zu einem Wallfahrtsort für Neonazis werden.

Interessanter Gedanke.

Nach derselben Logik müsste man eigentlich auch das Olympiastadion, den Obersalzberg, ehemalige Konzentrationslager oder unzählige historische Gebäude beseitigen. Schließlich könnte dort ebenfalls jemand mit den falschen Gedanken auftauchen.

Geschichte verschwindet allerdings nicht, nur weil man den Beton entfernt.

Im Gegenteil.

Gerade solche Orte zeigen eindrucksvoll, wohin Größenwahn, Diktatur und Menschenverachtung führen können.

Dass ausgerechnet Berlin – eine Stadt, die sich so gern als „Erinnerungshauptstadt“ versteht – den letzten baulichen Rest der Neuen Reichskanzlei lieber dem Abrissbagger überlassen möchte, wirkt schon etwas widersprüchlich.

Natürlich werden Wohnungen gebraucht.

Sehr sogar.

Aber hier reden wir nicht über irgendeinen alten Luftschutzkeller, sondern über einen historischen Ort von erheblicher zeitgeschichtlicher Bedeutung.

Man könnte ihn dokumentieren, wissenschaftlich begleiten oder pädagogisch nutzen.

Aber nein.

In Deutschland scheint Abriss inzwischen oft einfacher zu sein als Aufarbeitung.

Vielleicht bekommt das neue Wohnhaus ja wenigstens einen passenden Werbeslogan:

„Historisch wohnen – auf den Fundamenten der Geschichte. Die Vergangenheit wurde bereits fachgerecht entsorgt.“

Ironie beiseite:

Erinnerungskultur bedeutet nicht, Geschichte zu feiern.

Erinnerungskultur bedeutet, sie sichtbar zu lassen – damit niemand behaupten kann, es habe all das nie gegeben.

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