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Berlin im Dunkeln: Hauptstadt testet freiwillig Leben im 19. Jahrhundert

seth0s (CC0), Pixabay
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In einem ambitionierten Pilotprojekt zur Rückkehr zu echten Werten hat Berlin gestern kurzerhand den Strom abgestellt – zumindest im beschaulichen Südwesten der Stadt. Rund 50.000 Haushalte und 2.000 Gewerbeeinheiten in Lichterfelde, Zehlendorf und Umgebung genießen seither das einzigartige Flair vorindustrieller Romantik: kein Licht, keine Heizung, kein WLAN – dafür jede Menge Kerzenschein und Nachbarschaftsgespräche in Daunenjacken.

Auslöser war offenbar ein Feuer in einer Kabelbrücke – nach Polizeiangaben möglicherweise Brandstiftung. Berlin also mal wieder ganz vorne bei innovativen Ideen zur urbanen Selbstzerstörung.

Die Polizei informierte betroffene Bürger über Lautsprecherwagen, vermutlich um Nostalgiegefühle an den „Großen Stromausfall von 1832“ zu wecken. Die Empfehlungen reichten von „Mobiltelefone sparsam nutzen“ bis zu „ziehen Sie bei Freunden ein, wenn Sie welche haben“. Für Alleinstehende bleibt immerhin die tröstliche Wärme einer Taschenlampe.

Besonders betroffen: Pflegeheime, Krankenhäuser – und Berliner Ampeln, die ihren Betrieb eingestellt haben. Endlich können Fußgänger wieder in natürlichem Chaos die Straße überqueren, ganz ohne nervige rote Männchen.

Die Feuerwehr appellierte unterdessen an den gesunden Menschenverstand: Bitte keine gasbetriebenen Heizgeräte in Innenräumen verwenden. Berlin kontert: Welcher gesunde Menschenverstand?

Wann der Strom zurückkommt, ist unklar – vielleicht morgen, vielleicht nach der Eiszeit. Die Firma Stromnetz Berlin versicherte immerhin, dass „Teams an der Wiederherstellung arbeiten“. Vermutlich mit Kerzen, Wollhandschuhen und einer Mischung aus stoischem Durchhaltevermögen und Verzweiflung.

Bleibt nur zu hoffen, dass Berlin seine neue Rolle als meditative, entschleunigte Großstadt mit Vintage-Charme nicht allzu ernst nimmt – sonst ist der nächste Schritt das Rauchzeichen-Internet.

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