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Benko und das Geldkarussell: Vom Selfmade-Milliardär zum juristischen Wackel-Dackel

geralt (CC0), Pixabay
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René Benko, einst der glänzende Posterboy des österreichischen Immobilienwahns, sitzt heute nicht mehr in der Chefetage, sondern in U-Haft – und das mit einer Anklageschrift, die liest sich wie eine Mischung aus „House of Gucci“ und „Monopoly: Konkurs-Edition“. Jetzt hat das Magazin profil erste Details ausgepackt – und die sind so saftig, dass man fast Mitleid mit dem Masseverwalter bekommt.

Wenn das Haus unbewohnbar ist, zahle vier Jahresmieten im Voraus

Die Staatsanwaltschaft wirft Benko vor, sein Vermögen in bester Houdini-Manier vor den Gläubigern versteckt zu haben – indem er es z.B. an seine Mutter, diverse Stiftungen und andere „völlig unabhängige“ Konstrukte weiterreichte. Motto: Was meins war, ist jetzt Mutters.

Besonders kreativ: Die Vorauszahlung von 360.000 Euro für ein Haus, das zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht bewohnbar war. Kein Strom, kein Wasser, aber immerhin ein schöner Ausblick – auf die Insolvenz. Dass das Geld vermutlich über ein paar Umwege wieder in der Laura Privatstiftung landete, deren Begünstigte Benkos Mama und Kinder sind? Ein reiner Zufall. So ein Kreisverkehr hat eben viele Ausfahrten – nur nicht für den Masseverwalter.

Das Märchen vom juristischen Laien

Benko selbst? Spielt den Unschuldslamm-im-Nadelstreifen und gibt sich gegenüber der WKStA als juristischer Laie – was angesichts seiner Karriere als globaler Immobilienspieler ungefähr so glaubwürdig ist, wie wenn Elon Musk behauptet, er habe vom Internet erst kürzlich gehört.

„Ich wusste das alles nicht“, lautet sinngemäß seine Verteidigung – quasi: Ich wollte doch nur ein Haus mieten, das man gar nicht betreten kann! Wer würde da nicht sofort an eine klassische Missinterpretation denken und nicht an einen Plan zur Gläubiger-Enttäuschung?

Die Mutter aller Rückzahlungen

Zusätzlich wittert die Anklage Unheil bei einer Zahlung von 300.000 Euro an Mami Benko – offiziell eine Rückzahlung eines Darlehens, tatsächlich wohl eher ein Geschenk mit Rückgaberecht. Das Pikante daran: Diese Überweisung geschah exakt am Tag der Pleite der Signa-Holding. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Der Verdacht: Geld rein, bisschen warten, Geld wieder raus – bloß eben nicht in Richtung der Gläubiger. Die fragen sich nun, warum jemand in finanzieller Totalverrenkung 300.000 Euro zurückzahlt, die er nach eigener Aussage „nicht gebraucht“ hat. Vielleicht ein Akt filialehrlicher Großzügigkeit? Oder doch eher: Mama war die bessere Bank?

Vom Investmentgenie zum Insolvenz-Irrwisch

Was bleibt, ist das Bild eines Mannes, der sich vom Mega-Millionär zum Mittelstandsbetrüger mit Stiftungs-Fetisch wandelt – zumindest laut Anklage. Noch gilt die Unschuldsvermutung, aber auch die Fantasie der Ermittler hat Grenzen. Und die Frage bleibt: Wie viele Privatstiftungen braucht ein Mensch, um sein Vermögen zu verstecken, bevor es peinlich wird?

Ein Fazit wie aus dem Kriminalmuseum der Finanzkunst: Wer in Österreich reich ist, braucht keine Cayman Islands. Es reicht ein sanierungsbedürftiges Haus auf der Hungerburg, ein paar Familienmitglieder mit Konto und eine gute Portion Chuzpe.

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