Mikel Arteta hatte „Feuer“ gefordert.
Bekommen hat er eher lauwarmen Kamillentee mit Sicherheitsgurt.
Trotz eines zähen 0:0 gegen Sporting steht Arsenal im Champions-League-Halbfinale – und zwar zum zweiten Mal in Folge. Klingt großartig. Sah allerdings streckenweise so aus, als hätten beide Teams vor Anpfiff beschlossen, Fußball heute nur in der Lite-Version anzubieten.
Am Ende reichte den „Gunners“ das Hinspiel-Tor von Kai Havertz, um weiterzukommen.
Nicht glanzvoll.
Nicht glamourös.
Aber eben effizient.
Oder in modernem Fußball-Deutsch:
xG klein, Ertrag groß.
Arteta wollte Feuer – Arsenal lieferte Brandschutzübung
Der Arsenal-Coach hatte vor dem Spiel Leidenschaft, Energie und Intensität eingefordert.
Was auf dem Rasen folgte, war eher ein taktisch sauberer Verwaltungsakt mit gelegentlichen Erinnerungen daran, dass irgendwo auch Tore existieren.
Ein Schuss aufs Tor.
Ein Gesamt-xG von 0,93 für beide Teams zusammen.
Der niedrigste Wert eines Champions-League-Spiels dieser Saison.
Also ungefähr so viel Offensivdrang wie in einer Gemeinderatssitzung über Parkgebühren.
Aber: Arsenal ist weiter.
Und in K.-o.-Spielen ist das bekanntlich die einzige Statistik, die wirklich zählt.
Schön spielen? Nett. Weiterkommen? Noch netter.
Die spannende Frage lautet deshalb:
Muss es schön sein, wenn es erfolgreich ist?
Arteta dürfte darauf aktuell eine sehr klare Antwort haben:
Nein. Bitte einfach nur überleben.
Denn Arsenal schleppt sich durch diese Phase mit halber Besetzung.
Saka, Ødegaard, Timber, Calafiori – alle verletzt.
Declan Rice spielte trotz Krankheit.
Und jetzt humpelte auch noch Noni Madueke mit Knieproblemen vom Platz.
Kurz gesagt:
Arsenal sieht im Moment weniger aus wie eine perfekt getunte Titelmaschine –
und mehr wie ein sehr teurer Gebrauchtwagen, der erstaunlich zuverlässig noch ans Ziel rollt.
Defensiv top, offensiv… sagen wir: in Arbeit
Was man Arsenal lassen muss:
Hinten stehen sie stabil wie ein Tresor.
Acht weiße Westen in zwölf Champions-League-Spielen – Bestwert im Wettbewerb.
Das ist stark.
Wirklich stark.
Nur vorne fehlt gerade die Schärfe.
In den letzten fünf Pflichtspielen gab’s nur einen Sieg und gerade mal drei Tore.
Das ist für ein Team mit Titelambitionen ungefähr so beruhigend wie ein Stürmer, der vor dem Tor plötzlich anfängt, philosophisch zu werden.
Chris Sutton brachte es treffend auf den Punkt:
Wenn Arsenal im letzten Drittel nicht zulegt, wird’s weder was mit der Champions League noch mit der Premier League.
Jetzt kommt City – und da reicht Verwaltungsfußball nur bedingt
Und genau da liegt das Problem:
Als Nächstes wartet Manchester City.
Sonntag.
Etihad.
Topspiel.
Titelduell.
Arsenal ist sechs Punkte vorne, hat aber ein Spiel mehr absolviert.
Heißt: Wenn du gegen Pep Guardiola mit einer Offensivleistung antrittst, die zuletzt eher an minimalistisches Theater erinnert hat, wird’s schnell unerquicklich.
Gegen Sporting reichte ein 0:0.
Gegen City könnte ein 0:0 schon ein Luxusprodukt sein.
Fazit: Hässlich? Vielleicht. Historisch? Auch.
So unerquicklich das Spiel auch war – Arteta hat trotzdem einen Punkt.
Arsenal steht zum zweiten Mal in Folge im Champions-League-Halbfinale.
Das hat der Klub in 140 Jahren Vereinsgeschichte noch nie geschafft.
Das ist nicht nichts.
Das ist sogar ziemlich groß.
Und falls Arsenal am Ende wirklich die Premier League oder sogar die Champions League gewinnt, wird kein Fan später sagen:
„Ja, aber das 0:0 gegen Sporting hatte zu wenig vertikale Dynamik.“
Dann heißt es nur:
Weiter ist weiter.
Oder, noch einfacher:
Schönheit vergeht. Halbfinale bleibt.
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