Agrofinanz GmbH -Rückabwicklung als Umdeckung auf Farm Capital Holding GmbH?

Die Agrofinanz GmbH aus Kleve hat mit in den vergangenen Jahren sehr aggressiv im Internet mit einem angeblichen Direktinvestment in Palmöl und einer garantierten 9 Prozent Verzinsung geworben. Wie ein Investment in Palmöl, das erst nach frühestens fünf bis sechs Jahren erste Früchte trägt schon vom ersten Tag an eine 9 prozentige Rendite erzielen soll, konnte Agrofinanz nie erklären. Daher vermuteten Anleger- und Verbraucherschützer schon immer ein mögliches „Schneeballsystem“.

Nun ist auch die Bafin dahinter gekommen und hat Agrofinanz die weitere Geschäftstätigkeit untersagt. In einer Verbrauchermitteilung vom 11. Dezember schreibt die Bafin: „Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat der Agrofinanz GmbH, Kleve, am 8. September 2015 aufgegeben, das von ihr unerlaubt betriebene Einlagengeschäft einzustellen und durch unverzügliche Rückzahlung an die Kapitalgeber abzuwickeln. Nicht ausreichend für die Rückabwicklung ist die Kündigung des bisherigen Vertrags und der Abschluss eines anderen, den Kapitalgeber schlechter stellenden Vertrags.“  http://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Verbrauchermitteilung/unerlaubte/2015/vm_151211_agrofinanz_gmbh.html

Die Agrofinanz müsste also zunächst den Kunden das Geld zurückzahlen. Dazu ist Agrofinanz aber möglicherweise gar nicht in der Lage.

Damit die Agrofinanz ihr Geschäft aber weiterführen kann, wurde schleunigst eine neue Firma an gleicher Adresse gegründet. So firmieren die Agrofinanz-Macher nun unter dem Namen „FCH Farm Capital Holding GmbH“. Im Impressum stehen jetzt nicht mehr Anthony Berends und Bram Holthausen, sondern der Agrofinanz-Vertriebsleiter Stefan von Ühm. Wer nach dem Domaininhaber der www.farm-capital.de googelt, findet mit Eintrag vom 25.10.2015 die Agrofinanz GmbH.

Das Geschäft soll also weitergehen. Tatsächlich hat Agrofinanz auch seine Kunden kontaktiert und die Verträge auf die Farm-Capital umgeschrieben. Dabei wurde allerdings aus der 9 Prozent-Garantie ein Nachrangdarlehen. Dieses stellt die Anleger aber deutlich schlechter als der vorherige Vertrag, was nach dem Urteil der Bafin aber gar nicht zulässig ist. So verstößt die Farm-Capital schon von der ersten Sekunde gegen geltendes Recht.

Die Kunden unterschrieben die Verträge trotzdem, weil sie so hoffen, wenigstens einen Teil ihres Investments zu retten. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Staatsanwaltschaft auch hier eingreift. Die beiden holländischen Geschäftsführer der Agrofinanz haben vermutlich schon das Weite gesucht und tauchen im Impressum der Farm-Capital nicht mehr auf.

Fraglich ist auch, wie die Farm-Capital die Palmölplantagen weiterbewirtschaften will, wenn gar kein Geld mehr da ist. Das kann also nur passieren, wenn weiterhin frisches Kapital eingeworben wird. Das Schneeballsystem geht also weiter.

Die Farm-Capital, alias Agrofinanz, alias Titan Agro, alias Kronos Agri wird jedenfalls kaum in der Lage sein, ihr Versprechen von der „Landwirtschaft mit Zukunft“ einzuhalten. Denn auf den gleichen Flächen, auf denen heute die Ölpalmen wachsen sollen, hat das Unternehmen schon eine ganze Reihe weiterer landwirtschaftlicher Schiffbrüche erlebt, wie auf der Bildergallerie von Agrofinanz zu sehen ist https://agrofinanz.de/gallery/

2010 wurde Reis angebaut, was nicht funktioniert hat. 2012 fruchtete offenbar auch der Zuckerrohranbau nicht und schliesslich folgte der Versuch mit den Ölpalmen. Zwischenzeitlich wird angeblich auch Kakao angebaut.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass Agrofinanz verschweigt, wo genau die Plantagen in Ecuador liegen. Die Rede ist lediglich von Puebloviejo in der Region Los Rios. Es gibt weder Lagepläne noch Grundbuchauszüge oder GPS-Koordinaten. Auch hier liegt der Verdacht nahe, dass es die vermeintliche Vielzahl von Plantagen gar nicht gibt. Der Kunde hat jedenfalls keine Möglichkeit zu prüfen, ob die gleichen Ölpalmen, oder was auch immer, nicht doppelt, drei- oder noch mehrfach verkauft werden.

Als vermutlich gesichert darf wohl eher gelten, dass das Unternehmen in Puebloviejo in der Region Los Rios lediglich eine Fläche von rund 500 Hektar besitzt. Denn genau das geht aus den Unterlagen und den Informationen im Internet hervor. So steht auf der Seite der Kronos Agri zu lesen: „Kronos gehört zu den größeren Ackerbaubetriebe in Ecuador. Wir sind Hersteller von Futtergetreide ( Soja) Bohnen, Palmöl , Zuckerrohr und Reis. Unsere ecuadorianischen Tochtergesellschaft Titan Agro S.A. bearbeitet einen 500 Hektar großen Landbesitz in der Provinz Los Ríos , nahe der Ortschaft Puebloviejo .“ http://kronosagri.nl/introductie/ Und genau auf diesen insgesamt maximal 500 Hektaren sollen also unter anderem Palmöl und Kakao angebaut werden. Wie gross sind denn dann die jeweiligen Anbauflächen bezogen auf das jeweilige Produkt? Tatsache ist, je tiefer man in die Thematik einsteigt, desto mehr Fragen tun sich auf. Doch an dieser Stelle sind Staatanwälte, Bafin, Verbraucherschützer, die Medien und Rechtsanwälte gefragt, um noch grösseren Schaden zu verhindern und für die betroffenen Anleger zu retten, was zu retten ist.

Anmerkung der Redaktion: Das ist ein Artikel den uns ein User übermittelt hat der sich mit dem Thema sehr ausgiebig beschäftigt. Da wir der Meinung sind, daß dies sicherlich auch unsere User interessiert haben wir den Artikel hier so veröffentlich wie wir den in die Redaktion bekommen haben. Der Artikel gibt also nicht die Meinung der Redaktion wieder.

10 Kommentare

  1. Rudolf Fekonja 4. Januar 2017
  2. Jörg 22. November 2016
  3. Dieter Lammers 3. Mai 2016
  4. Dieter Lammers 20. Dezember 2015
  5. Harald Schauz 19. Dezember 2015
  6. Karl-Heinz Ottenströer 18. Dezember 2015
    • Bettina Reiher 27. Mai 2016
      • Ralf 26. Januar 2017
    • Ralf 26. Januar 2017

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