Wieder einmal sorgt Markus Krösche für Schlagzeilen. Diesmal allerdings nicht wegen eines spektakulären Transfers oder einer strategischen Meisterleistung, sondern offenbar wegen seines möglichen Abschieds. Medienberichten zufolge soll sich der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt bereits mit dem AC Mailand über eine Zusammenarbeit einig sein. Auch Sportdirektor Timmo Hardung könnte den Weg nach Italien antreten.
Und ganz ehrlich: Die große Schockstarre am Main dürfte ausbleiben.
Natürlich wird Krösche von vielen Beobachtern gerne als Architekt des Frankfurter Erfolgs dargestellt. Doch wer die vergangenen zwei Jahre rund um die Eintracht aufmerksam verfolgt hat, weiß, dass die Stimmung rund um seine Arbeit deutlich differenzierter war. Es gab nicht nur Lobeshymnen, sondern vor allem jede Menge Kritik.
Viele Transfers sorgten für Fragezeichen. Immer wieder wurde über Kaderzusammenstellungen diskutiert, die weder ausgewogen noch nachhaltig wirkten. Auf einigen Positionen herrschte Überangebot, auf anderen chronischer Mangel. Dazu kamen teure Verpflichtungen, die den Erwartungen nicht gerecht wurden. Während einige Neuzugänge einschlugen, verschwanden andere nahezu geräuschlos von der Bildfläche.
Auch die Trainerfrage entwickelte sich mehrfach zum Dauerthema. Entscheidungen wurden hinterfragt, Kommunikationswege kritisiert und sportliche Entwicklungen nicht immer nachvollziehbar erklärt. Die Eintracht spielte zwar erfolgreich genug, um international eine Rolle zu spielen, überzeugte aber über weite Strecken nicht mit klarer sportlicher Handschrift.
Gerade deshalb hält sich bei vielen Fans die Sorge über einen möglichen Abgang Krösches in Grenzen.
Die Eintracht war schon vor Markus Krösche erfolgreich und wird es auch nach ihm sein. Der Verein lebt nicht von Einzelpersonen, sondern von seiner Struktur, seiner Wucht, seinem Umfeld und vor allem von seiner einzigartigen Fanbasis. Wer glaubt, dass mit einem möglichen Wechsel nach Mailand die sportliche Zukunft Frankfurts zusammenbricht, unterschätzt die Stabilität des Klubs gewaltig.
Hinzu kommt: Sollte Mailand tatsächlich bereit sein, eine hohe Ablöse zu zahlen, könnte die Eintracht die Situation sogar für sich nutzen. Frisches Geld, neue Ideen und ein Neuanfang in der sportlichen Führung müssen keineswegs ein Nachteil sein.
Auch bei Timmo Hardung wäre ein Abgang zwar bemerkenswert, aber kein Weltuntergang. Im Profifußball gehören Veränderungen auf Führungsebene mittlerweile fast schon zum Alltag. Entscheidend ist, dass die Nachfolge sorgfältig geplant wird.
Während sich der AC Mailand offenbar im großen Umbruch befindet und nach dem Verpassen der Champions League seine komplette sportliche Führung neu aufstellt, kann die Eintracht vergleichsweise gelassen auf die Entwicklung blicken.
Sollte Krösche tatsächlich gehen, wird man ihm für seine Verdienste danken. Tränen müssen deshalb aber nicht fließen. Zu oft wurde seine Arbeit in den vergangenen beiden Jahren kontrovers diskutiert, zu selten herrschte uneingeschränkte Zustimmung.
Die Eintracht war vor Krösche da. Sie wird auch nach Krösche da sein. Und wie die Geschichte dieses Vereins immer wieder gezeigt hat: Manchmal beginnt nach einem Abschied erst recht etwas Neues.
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