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Internetsperre im Iran

FarkhodVakhob9TJK9 (CC0), Pixabay
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Wenn ein Regime schon weder Freiheit noch Transparenz liefern kann, dann wenigstens Rekorde.
Der Iran hat es geschafft: Die seit mehr als einem Monat andauernde Internetsperre im Land ist nach Angaben von Fachleuten mittlerweile die längste jemals dokumentierte landesweite Internet-Blockade der Welt.

Wie die Organisation Netblocks mitteilte, dauert die komplette Abschaltung des Netzes für die iranische Bevölkerung inzwischen bereits den 37. Tag in Folge an. Damit übertrifft die Islamische Republik laut Experten sämtliche bisherigen Fälle weltweit – und zwar nicht nur irgendwie, sondern in einer Disziplin, in der man wirklich lieber nicht Erster sein möchte.


Weltspitze – allerdings nur beim digitalen Würgegriff

Netblocks erklärte auf der Plattform X, die Maßnahme übertreffe „alle anderen vergleichbaren Vorfälle an Schwere“ und sei inzwischen die längste landesweite Internetsperre, die jemals registriert wurde.

Anders gesagt:
Während andere Staaten sich mit Infrastruktur, Innovation, Bildung oder wirtschaftlicher Stabilität beschäftigen, perfektioniert Teheran lieber das komplette digitale Wegsperren einer ganzen Bevölkerung.

Natürlich gab es auch in anderen Ländern in der Vergangenheit Internetausfälle, regionale Sperren oder zeitweise Blackouts. Aber ein ganzes Land derart lange praktisch vom Netz zu nehmen?
Das ist selbst für autoritäre Systeme ein bemerkenswerter Beitrag zur internationalen Rückständigkeit.


Wenn Bomben fallen, kappt man eben die Wahrheit gleich mit

Die iranischen Behörden hatten den Internetzugang am 28. Februar abgeschaltet – also genau in dem Moment, als Israel und die USA mit Luftangriffen auf Ziele in der Islamischen Republik begannen.

Offenbar gilt in Teheran seitdem die bewährte Staatslogik:

Wenn man die Lage nicht kontrollieren kann, kontrolliert man wenigstens, wer darüber spricht.

Denn ein funktionierendes Internet hätte ja womöglich zur Folge, dass:

  • Bürger Informationen austauschen,
  • Videos auftauchen,
  • Angriffe dokumentiert werden,
  • Widersprüche sichtbar werden,
  • Kritik organisiert wird,
  • oder – noch schlimmer – Menschen auf eigene Gedanken kommen.

Das wäre natürlich unverantwortlich.

Sicherheit durch Abschaltung – das autoritäre Erfolgsmodell

Man muss es dem Regime lassen:
Die Methode ist brutal simpel.

Kein Internet bedeutet:

  • keine unabhängige Kommunikation,
  • keine schnelle Verbreitung von Bildern,
  • weniger internationale Sichtbarkeit,
  • mehr Kontrolle,
  • mehr Angst,
  • mehr Abhängigkeit vom Staatsnarrativ.

Kurz gesagt:
Digitale Isolation als Herrschaftsinstrument.

Und während die Führung in Teheran vermutlich weiter von Souveränität, Widerstand und nationaler Stärke spricht, sitzen Millionen Menschen faktisch in einem Land, das technisch behandelt wird, als hätte jemand den Stecker gezogen – und dann den Schlüssel weggeworfen.

Ein ganzes Land offline – und das Regime nennt es vermutlich Stabilität

Dass diese Sperre inzwischen weltweit einmalig ist, ist nicht nur eine technische Randnotiz. Es ist ein politisches Signal.

Denn wer ein ganzes Land über Wochen vom Internet trennt, zeigt vor allem eines:
Nicht Stärke. Sondern Angst.

Angst vor Transparenz.
Angst vor Bildern.
Angst vor Wahrheit.
Angst vor den eigenen Bürgern.

Denn Regierungen, die ihren Menschen vertrauen, müssen ihnen nicht 37 Tage lang das Netz abschalten.
Regime, die ihren Menschen misstrauen, schon.

Der Preis: totale Kontrolle statt digitale Gesellschaft

Für die Bevölkerung bedeutet die Sperre nicht nur weniger Social Media oder fehlende Messenger-Dienste. Es geht um weit mehr:

  • wirtschaftliche Schäden,
  • blockierte Unternehmen,
  • erschwerte medizinische Kommunikation,
  • unterbrochene Bildungsangebote,
  • Isolation von Familien,
  • und massive Einschränkungen bei jeder Form von Alltag, die heute digital läuft.

Doch all das scheint aus Sicht der Machthaber zweitrangig zu sein.
Hauptsache, niemand sieht zu genau hin.

Fazit: Der Iran ist jetzt Weltmeister – im Wegsperren der Realität

37 Tage komplette Internetsperre.
Ein historischer Negativrekord.
Ein ganzes Land digital abgeschnitten.

Herzlichen Glückwunsch nach Teheran.
Andere Nationen bauen Netze aus.
Der Iran beweist lieber, wie effizient man sie zerstört.

Wenn das Regime weiter so macht, braucht es bald kein Internet mehr zu sperren.
Dann reicht wahrscheinlich wieder ein Faxgerät im Innenministerium und ein Lautsprecherwagen auf dem Marktplatz.

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