Als Fan des TSV 1860 München hat man in den vergangenen Jahren gelernt, Geduld nicht nur zu haben, sondern regelrecht zu kultivieren. Andere Vereine warten auf Titel, wir warten auf Investoren, Genehmigungen, Spielklassen, Ruhe im Verein – und jetzt eben auf Mathew Collins.
Seit Anfang Juni trainiert der 21-Jährige bei den Löwen mit. Er ist integriert, macht offenbar einen guten Eindruck und würde wohl gerne bei Sechzig durchstarten. Eigentlich klingt das nach einer unkomplizierten Sache: Vertrag hinlegen, unterschreiben lassen, Trikot überstreifen und ab ins Grünwalder Stadion.
Aber wir sprechen natürlich vom TSV 1860 München.
Bei uns läuft selten etwas einfach so. Wenn schon der Sohn von Phil Collins kommen will, dann braucht es selbstverständlich erst einmal eine internationale Freigabe, vermutlich drei Stempel, zwei Faxgeräte und einen Sachbearbeiter bei der FIFA, der gerade im Urlaub ist.
Collins wurde in der Schweiz geboren und besitzt auch die englische Staatsbürgerschaft. Weil beide Länder nicht zur Europäischen Union gehören, benötigen die Löwen offenbar eine entsprechende Freigabe des Weltverbands. Darauf wartet der Verein nun.
Wir Löwen kennen das. Bei uns liegt ständig irgendetwas „in der Luft“. Nur leider ist es selten der Aufstieg.
Der Name verpflichtet – ein bisschen zumindest
Mathew Collins bringt natürlich einen berühmten Nachnamen mit. Sein Vater Phil Collins hat Welthits geschrieben, Stadien gefüllt und eine Karriere hingelegt, von der man beim TSV 1860 derzeit nur träumen kann.
Der Sohn versucht sich derweil im Fußball. Er spielte unter anderem für die U19 von Hannover 96, für WSG Tirol und zuletzt für Austria Salzburg. In der Regionalliga Tirol kam er auf 51 Einsätze. Zuletzt reichte es in Salzburg allerdings nur zu wenigen Kurzeinsätzen.
Das muss bei Sechzig kein Nachteil sein. Wir sind schließlich ein Verein, bei dem schon viele Spieler eine zweite, dritte oder vierte Chance bekommen haben. Manchmal klappt es. Manchmal weiß man hinterher zumindest, dass es nicht geklappt hat.
Trainer Alper Kayabunar lobte Collins und erklärte, er habe sich „super integriert“. Auch in der Mannschaft soll der Mittelfeldspieler gut angekommen sein.
Das ist schon einmal wichtig. Wer bei Sechzig bestehen will, braucht schließlich nicht nur fußballerische Fähigkeiten, sondern auch Humor, Leidensfähigkeit und ein grundsätzlich belastbares Verhältnis zu überraschenden Entwicklungen.
Kabinenmusik mit familiärem Bezug
Im Trainingslager liefen offenbar regelmäßig Songs von Phil Collins. „Another Day in Paradise“, „Against All Odds“ und natürlich „In the Air Tonight“.
Man kann sich lebhaft vorstellen, wie Mathew Collins in der Kabine sitzt, während seine neuen Mannschaftskollegen zum fünften Mal am Tag den berühmten Schlagzeug-Einsatz imitieren.
Immerhin nimmt er es mit Humor.
Das ist vermutlich bereits der erste bestandene Charaktertest. Wer es aushält, dass bei jeder Gelegenheit die Hits des eigenen Vaters gespielt werden, den dürfte auch ein Auswärtsspiel in der Regionalliga nicht mehr erschüttern.
Für einen Löwen-Fan bieten sich natürlich sofort passende Songtitel an.
„Against All Odds“ beschreibt die vergangenen Jahre ziemlich gut. „Another Day in Paradise“ könnte man ironisch über einen verregneten Regionalliga-Auswärtstermin schreiben. Und „I Wish It Would Rain Down“ passt vermutlich zur Stimmung, wenn wieder einmal eine wichtige Entscheidung verschoben wird.
Am schönsten wäre aber, wenn irgendwann „You Can’t Hurry Love“ durch das Grünwalder Stadion läuft – nur dass es bei uns eher heißen müsste: Einen Vertrag kann man offenbar auch nicht beschleunigen.
Ein Hauch von Weltstar im Grünwalder
Phil Collins selbst ist Fußballfan und hat seinen Sohn bereits bei Spielen begleitet. Vielleicht sitzt er eines Tages tatsächlich auf der Tribüne im Grünwalder Stadion.
Allein die Vorstellung hat etwas.
Unten kämpft Sechzig um Punkte, oben sitzt ein Weltstar, und irgendwo fragt sich ein Ordner, warum plötzlich so viele Menschen „Sussudio“ singen.
Natürlich sollte man die Erwartungen nicht übertreiben. Mathew Collins kommt nicht als fertiger Superstar. Er ist ein junger Spieler, der sich beweisen möchte. Sein berühmter Nachname gewinnt keine Zweikämpfe und schießt keine Tore.
Aber genau deshalb wäre die Geschichte reizvoll.
Ein junger Fußballer mit prominentem Vater sucht seine Chance bei einem Traditionsverein, der selbst dringend neue Hoffnung gebrauchen kann. Viel mehr Sechzig geht eigentlich kaum.
Hoffentlich klappt es irgendwann
Noch fehlt der Vertrag. Noch wartet alles auf die Freigabe. Noch ist Mathew Collins lediglich Trainingsgast und nicht offiziell Löwe.
Als 1860-Fan sagt man deshalb vorsichtshalber nicht: Das wird schon.
Man sagt: Schön wäre es.
Vielleicht kommt die Genehmigung bald. Vielleicht unterschreibt Collins tatsächlich. Vielleicht entwickelt er sich bei den Löwen und erlebt im Grünwalder Stadion seine eigene kleine Erfolgsgeschichte.
Und vielleicht läuft dann bei seinem ersten Tor „In the Air Tonight“ über die Stadionlautsprecher.
Wir würden uns freuen.
Nicht nur wegen des berühmten Vaters, sondern weil wir bei Sechzig jede Geschichte gebrauchen können, die einmal gut ausgeht.
Bis dahin warten wir weiter.
Darin sind wir schließlich Weltklasse.
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