In der US-Stadt Everett im Bundesstaat Massachusetts sorgt der Fall eines 13-jährigen Jungen für Empörung. Der brasilianische Teenager Arthur Berto wurde vergangene Woche zunächst von der örtlichen Polizei festgenommen und kurz darauf von der US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) in Gewahrsam genommen – ein Vorgehen, das der örtliche Polizeichef als „beispiellos“ bezeichnete.
Seine Mutter, Josiele Berto, erfuhr von der Festnahme durch einen Anruf der Polizei, die sie aufforderte, ihren Sohn abzuholen. Doch als sie auf der Wache ankam, war Arthur bereits verschwunden. „Sie sagten mir, ICE habe ihn mitgenommen, aber niemand konnte mir sagen, wohin“, berichtete sie dem US-Sender CNN. Die Familie lebt seit 2021 in den USA und hat einen noch nicht entschiedenen Asylantrag gestellt.
Mehrere Tage blieb unklar, warum der Junge festgenommen wurde und wo er sich befand. Erst am Dienstag legte Bürgermeister Carlo DeMaria erste Details offen: Die Polizei habe aufgrund eines „glaubwürdigen Hinweises“ einen Jugendlichen festgenommen, der einem Mitschüler mit Gewalt gedroht haben soll. Namen nannte der Bürgermeister nicht, bestätigte aber, dass es sich um einen Schüler der örtlichen Schule handelte. „Wir haben ICE nicht kontaktiert“, betonte DeMaria und erklärte, die Bundesbehörde habe eigenständig gehandelt.
Nach Angaben von Bundesanwälten hatte Arthur angeblich ein Messer bei sich. Eine Sprecherin des Heimatschutzministeriums, Tricia McLaughlin, behauptete zudem auf der Plattform X, der Junge habe eine „umfangreiche kriminelle Vorgeschichte“ und sei im Besitz einer Schusswaffe gewesen. Bürgermeister DeMaria widersprach dieser Darstellung entschieden: „Es wurde keine Waffe gefunden.“
Arthurs Anwalt, Andrew Lattarulo, kritisierte die öffentliche Kommunikation des Ministeriums scharf: „DHS scheint zu vergessen, dass er 13 und nicht 31 ist. Es ist unangebracht, öffentlich über die angeblichen Taten eines Minderjährigen zu sprechen.“ In einem gerichtlichen Antrag argumentierte er, die Inhaftierung verletze das verfassungsmäßige Recht des Jungen auf ein ordnungsgemäßes Verfahren.
Ein Bundesrichter in Massachusetts ordnete an, dass ICE bis Dienstagabend erklären müsse, warum Arthur weiterhin festgehalten wird, oder ihm eine Kautionsanhörung gewähren solle. Da der Jugendliche inzwischen in ein ICE-Gewahrsam nach Virginia verlegt wurde, wurde der Fall an ein dortiges Gericht übertragen. Der Richter betonte, Arthur habe Anspruch auf eine „zeitnahe Anhörung“ nach dem sogenannten Flores Settlement, das den Umgang mit minderjährigen Migranten in US-Haft regelt.
Für Josiele Berto sind die täglichen Telefonate mit ihrem Sohn inzwischen der einzige Kontakt. „Er weint viel, er hat Angst“, sagte sie. „Er war noch nie so lange von seiner Familie getrennt.“
Der Fall hat in den USA eine Debatte ausgelöst – über den Umgang mit Minderjährigen in Einwanderungsverfahren und die Frage, wie weit Bundesbehörden gehen dürfen, wenn lokale Polizeiaktionen Minderjährige betreffen. Bürgermeister DeMaria stellte klar: „Wir jagen hier keine Immigranten. Aber was ICE getan hat, war außerhalb unseres Einflusses.“
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