Zucker

Rund 36 Kilogramm Zucker isst jeder Deutsche laut Statistik jedes Jahr. Viel zu viel, wenn man sich nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung richtet, die die Hälfte empfiehlt. Trotzdem sieht die Lebensmittelindustrie keinen Handlungsbedarf. Der Zuckerverbrauch sei seit Jahren konstant.Dabei tauchen viele Süßmacher wie Maltodextrin, Glucose-Fructose-Gemische und andere Zuckerarten, die gerne in Fertiglebensmitteln verwendet werden, in der Statistik überhaupt nicht auf, und selbst gut informierte Verbraucher durchschauen nicht alle Kennzeichnungstricks und werden von Werbung geblendet.Nun fordert nach Angaben der Süddeutschen Zeitung sogar die Weltgesundheitsbehörde (WHO), die maximal empfohlene Menge für die tägliche Zuckerraktion um mindestens die Hälfte zu senken.Tipps für den Einkauf

Fakt ist, beim Zucker wird mächtig getrickst und geschummelt, denn Zuckerstoffe haben viele tolle Eigenschaften und sind außerdem sehr preiswert. Sie süßen nicht nur, sondern geben auch Fülle und Konsistenz, wirken konservierend und geschmacksverstärkend und können so wertvolle Zutaten wie Früchte im Joghurt ersetzen. Für die Hersteller lohnt es sich also, ihre Produkte mit reichlich Zucker zu versehen. Und wir Verbraucher? Wir müssen die Kalorienbomben wieder mühselig loswerden. Unsere Empfehlungen, damit Sie keine Extra-Runden joggen müssen:

1. Lassen Sie sich nicht von Decknamen in die Irre führen!

Neben dem Begriff Zucker haben die Verbraucherzentralen in einem Marktcheck 70! weitere Zutatenbezeichnungen für süßende Substanzen ausfindig gemacht. Diese Süßmacher mit unterschiedlichen Namen vertreiben Zucker oder Saccharose oft von der Spitzenposition in der Zutatenliste. Doch wie das Beispiel einer mit Schokolade überzogenen gefüllten Waffel zeigt, tragen auch Zutaten wie etwa Glukose-Fruktose-Sirup, Glukosesirup, karamellisierter Zucker, Maltodextrin, Milchzucker, Molkenerzeugnis, Süßmolkenpulver, Vollmilchpulver, Magermilchpulver oder gezuckerte Kondensmilch zum Zuckergehalt eines Lebensmittels bei – ohne, dass Ihnen das auf den ersten oder sogar zweiten Blick klar sein muss.

2. Seien Sie kritisch bei groß ausgelobten Hinweisen!

Auslobungen wie „ohne Zuckerzusatz“ oder „ungesüßt“ vermitteln den falschen Eindruck, ein Produkt enthalte kaum oder keinen Zucker. Doch auch süßende Zutaten wie Trockenfrüchte oder Molkenerzeugnisse liefern natürlicherweise Zucker. So enthält so manches Cappuccinopulver rund 40 Prozent Zucker aus der Zutat Süßmolkenpulver, obwohl auf dem Getränk „ungesüßt“ als Verkaufsargument ausgelobt wird.

Auch ein reduzierter Zuckergehalt wird gern beworben. Doch im Regal können neben einem Fruchtaufstrich mit „40 % weniger Zucker“ sogar Produkte stehen, die ähnlich viel oder sogar weniger Zucker enthalten – und das ganz ohne werbende Worte.

3. Lassen Sie sich nicht von kleineren Mengen täuschen!

Die Angabe des Zuckers pro Portion irritiert insbesondere bei Getränken, wenn die Portion nicht der Flaschen- oder Dosengröße entspricht. Vor allem bei alkoholfreien Erfrischungsgetränken in großen Flaschen summiert sich der Zuckergehalt pro Flasche so sehr schnell auf eine Menge, die weit über den empfohlenen 90 Gramm pro Tag liegt. Eine 1,75-Limonadenflasche, beworben mit „weniger süß“ und „enthält nur 9,7 g Zucker pro 100 ml“ liefert pro Portion von 250 Millilitern immerhin 24,3 Gramm und pro Flasche mal eben 170 Gramm Zucker.

Aktuelles Beispiel: So verkauft Edeka die Waffelröllchen seiner Eigenmarke „gut & günstig“ quasi als Schlankmacher. Auf der Schauseite der Verpackung steht, dass die Waffelröllchen nur 1,6 Gramm Zucker und 1,4 Gramm Fett – und insgesamt nur 26 Kilokalorien (kcal) enthalten. Die Zahlen erinnern eher an einen fettarmen Jogurt als an einen Keks.

Wie kommt es zu diesen Werten? Im Kleingedruckten (Schriftgröße ca. 1 Millimeter !) steht, dass die Angaben sich auf eine Portion beziehen. Als Portion hat Edeka ein einziges Röllchen von 5 Gramm zu Grunde gelegt.

Wie müssten die richtigen Werte lauten? In Wahrheit enthalten 100 Gramm der Waffelröllchen 31 Gramm Zucker, was mehr als 10 Zuckerwürfeln entspricht und 28 Gramm Fett, davon sind über 70 Prozent gesundheitlich problematische „gesättigte Fettsäuren“. Insgesamt happige 521 Kilokalorien pro 100 Gramm!

4. Schauen Sie auch bei pikanten Lebensmitteln genau hin!

Hätten Sie gedacht, dass in pikanten Gerichten wie Soßenbinder oder Fleischsalat Zucker steckt? Auch im Haushalt wird durch eine Prise Zucker bei vielen Speisen gern eine Geschmacksabrundung erzielt, aber gut zwei Teelöffel auf rund 100 Gramm Weißkrautsalat werden sicherlich nicht verwendet.

5. Kaufen Sie keine besonderen „Kinderlebensmittel”!

Als Kinderprodukte beworbene Lebensmittel sind häufig energiereicher und auch beim Zucker gibt es oft einen süßen Zuschlag. Knusperbrot hat normalerweise einen Zuckergehalt von 0,5 bis 2 Gramm pro 100 Gramm und ist damit eine leicht Kost. Nicht so ein Knusperbrot, das damit wirbt, „genau richtig als Snack für zwischendurch, im Kindergarten und in der Schule“ zu sein. Dieses Brot bringt es auf einen Anteil von 36 Gramm und ist damit keinesfalls ein Snack für zwischendurch.

6. Seien Sie auch bei Produkten mit Süßstoffen vorsichtig!

Durch den Einsatz von Süßstoffen kann der Zucker- und Energiegehalt eines Lebensmittels reduziert werden. Doch um die strukturgebenden und geschmacksverstärkenden Eigenschaften des Zuckers auch in diesen Produkten zu erreichen, kommen ergänzende Zutaten zum Einsatz, die natürlich auch Kalorien beisteuern.

App fürs Smartphone

Damit Sie herausfinden können, was in welchem Produkt steckt, haben die Verbraucherzentralen eine App entwickelt, mit der Sie sich direkt vor dem Supermarktregal informieren können. Lernen Sie verschiedene Zuckerarten und Zuckersynonyme in Lebensmitteln kennen. Wer weiß schon, dass Dextrose, Glukose und Traubenzucker das Gleiche bedeuten und wie viel Energie in Glukosesirup, Invertzucker und Maltodextrin steckt?

Unser Rat

Anhand von Nährwerttabellen auf den Produkten könnte man schnell erkennen, wie viel Zucker enthalten ist, auch ohne die Zutatenliste zu entziffern. Doch erst ab 2016 werden die Tabellen per EU-Verordnung Pflicht. Was können Sie tun? Sich informieren und – auch wenn es lästig ist – die Angaben auf den Verpackungen genau lesen. Oder nur noch solche Produkte kaufen, auf denen bereits jetzt der Zuckergehalt richtig angegeben wird.

Nährwertangaben müssen verständlich sein, daher fordern die Verbraucherzentralen die Bewertung mit einer Ampel. Schon jetzt können Sie unter www.ampelcheck.de testen, ob Ihre Frühstücksflocken oder Kekse für Ihre Kinder eine rote Zucker-Ampel verdienen.

In einem bundesweiten Marktcheck haben die Verbraucherzentralen 276 verarbeitete Lebensmittel unter die Lupe genommen: Fruchterzeugnisse, Getreideprodukte, Getränke, Milchprodukte und Eis sowie Pikantes und Süßwaren aller Art.

Quelle:VBZ HH

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