Kubicki will jetzt die FDP retten – mit 74 und maximaler Rückwärtsenergie
Berlin/Kiel – Wenn eine Partei kurz vor der politischen Intensivstation steht, braucht es frische Ideen, mutige Gesichter, neue Energie –
oder eben Wolfgang Kubicki.
Der 74-Jährige will tatsächlich FDP-Bundesvorsitzender werden.
Ja, genau der Wolfgang Kubicki.
Der Mann, der ungefähr so sehr für Aufbruch steht wie ein Faxgerät mit Zigarrengeruch.
Seine Botschaft an die Liberalen:
„Ich bin zwar nicht die Zukunft der FDP – aber vielleicht ihr letzter verbliebener Zeuge.“
Kubicki kündigte an, die Partei nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen zu wollen.
Das ist insofern charmant, weil die FDP seit Monaten alles dafür tut, genau dort anzukommen – und Kubicki seit Jahren zuverlässig dabei hilft.
Das Comeback des politischen Boomerangs
Eigentlich wollte sich Kubicki nach der Wahlniederlage zurückziehen.
Also zumindest so zurückziehen, wie man das in der FDP versteht:
einmal kurz „tschüss“ sagen, zwei Interviews geben, drei Talkshows mitnehmen und dann für den Parteivorsitz kandidieren.
Rückzug à la Kubicki heißt offenbar:
nicht weg, nur anders vorne.
Jetzt also der große Griff nach dem Parteichef-Posten.
Die Partei brauche neues Selbstbewusstsein, sagt Kubicki.
Und tatsächlich:
Wenn eine abgestürzte Partei nach Wahlniederlagen, Landtagsflops und Existenzangst eins braucht, dann natürlich einen 74-jährigen Dauerkommentator im Endlos-Abo.
FDP sucht Zukunft – und findet Wolfgang
Die FDP ist zuletzt aus mehreren Landtagen geflogen, bundesweit schwer angeschlagen und ungefähr so beliebt wie eine Parkuhr mit WLAN-Zwang.
Normale Parteien würden in so einer Lage vielleicht denken:
- junges Personal
- neue Köpfe
- inhaltlicher Neustart
- frische Sprache
- glaubwürdiger Neuanfang
Die FDP dagegen schaut in die Runde und sagt:
„Was wäre, wenn wir einfach Wolfgang noch größer machen?“
Das ist ungefähr so, als würde man bei einem gescheiterten Restaurant sagen:
„Die Gäste bleiben weg, das Konzept ist tot, die Küche brennt –
holt bitte den ältesten Kellner und macht ihn zum Sternekoch.“
Jung. Dynamisch. Erfolglos.
Man muss fair bleiben:
Wolfgang Kubicki steht tatsächlich für Konstanz.
- konstant präsent
- konstant meinungsstark
- konstant überzeugt von sich selbst
- und für die FDP zuletzt auch:
konstant erfolglos
Denn es ist schon ein Kunststück, sich als Symbolfigur des liberalen „Neustarts“ anzubieten, wenn man politisch ungefähr seit Helmut Kohl in Dauerbetrieb ist.
Wolfgang steht für jung, dynamisch und erfolglos –
zumindest, wenn man „jung“ als inneren Zustand versteht,
„dynamisch“ als regelmäßige Studiogänge bei Lanz
und „erfolglos“ als aktuellen Zustand der FDP.
Christian Dürr raus, Wolfgang rein – die liberale Zeitreise beginnt
Besonders schön:
Kaum kündigt Kubicki seine Kandidatur an, zieht Christian Dürr seine Bewerbung zurück.
Das ist fast rührend.
Die FDP wollte eigentlich vielleicht noch so tun, als gäbe es Generationenwechsel, Modernisierung oder wenigstens eine Idee von Zukunft.
Dann kam Wolfgang um die Ecke und sagte sinngemäß:
„Lasst mich das machen. Ich war schon da, als Zukunft noch Zukunft hieß.“
Henning Höne kandidiert zwar noch.
Aber gegen Kubicki anzutreten ist ungefähr so, als würde man bei einer Familienfeier dem lautesten Onkel das Mikrofon wegnehmen wollen.
Die eigentliche Botschaft: Die FDP hat fertig – aber stilvoll
Kubickis Kandidatur ist deshalb mehr als nur eine Personalie.
Sie ist ein Symbol.
Nicht für Aufbruch.
Nicht für Erneuerung.
Nicht für den berühmten liberalen Neustart.
Sondern für die Erkenntnis:
Wenn der letzte Rettungsplan einer kriselnden Partei Wolfgang Kubicki heißt, dann ist die Krise vermutlich schon Teil des Geschäftsmodells.
Oder anders gesagt:
Die FDP steht am Abgrund.
Und Kubicki sagt:
„Keine Sorge, ich kenne den Weg. Ich war schon öfter hier.“
Fazit
Natürlich kann man Kubicki Erfahrung nicht absprechen.
Er ist schlagfertig, medienpräsent und weiß genau, wie man Debatten auslöst.
Aber ob eine Partei, die dringend jünger, glaubwürdiger und relevanter werden muss, wirklich ausgerechnet von ihrem bekanntesten Altliberalen neu erfunden wird?
Das ist ungefähr so wahrscheinlich wie:
- eine Steuererklärung aus Spaß,
- ein FDP-Parteitag ohne Ego-Duell,
- oder ein politischer Neustart mit dem Slogan:
„Zurück in die Zukunft – aber bitte mit Wolfgang.“
Am Ende bleibt vor allem dieser Satz:
Wolfgang Kubicki will die FDP retten.
Das ist mutig.
Oder eben der endgültige Beweis, dass in dieser Partei Satire längst die Realität übernommen hat.
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