Leipzig macht ernst mit der Energiewende — und die Bürgerinnen und Bürger machen ernst mit dem Nörgeln. Im Südwesten der Stadt sollen demnächst Windräder entstehen, so hoch wie nie zuvor: 234 Meter! Da müssen selbst die Wolken ein bisschen zur Seite rücken. Zum Vergleich: Das City-Hochhaus in Leipzig wirkt daneben plötzlich wie ein Briefkasten.
Die neuen Anlagen sollen ganze 12.000 Leipziger pro Rad mit Strom versorgen. Klingt erstmal nach einer runden Sache. Nur blöd, dass viele Anwohner offenbar der Meinung sind, Strom käme ohnehin zuverlässig und umweltfreundlich aus der Steckdose, da brauche es keine riesigen Windmühlen vor der Haustür.
Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Knautnaundorf“ sieht bereits den Untergang des Abendlandes nahen. Über 250 Unterschriften hat sie gesammelt — und das ist in dem kleinen Ort schon jeder zweite Einwohner. Die Forderung: maximal sechs Windräder bitte. Danach ist Schluss, sonst wird’s zugig im Vorgarten.
Und natürlich darf auch das klassische Mindestabstandsdrama nicht fehlen: Mal sind es 914 Meter bis Knautkleeberg, mal 995 Meter bis Knauthain — viel zu nah, finden manche. Offenbar droht hier akute Sichtbelästigung. Dabei könnte man auch sagen: Die Aussicht wird einfach nur abwechslungsreicher. Man hat dann nicht mehr nur Bäume und Felder, sondern eben auch modernste Stromerzeugung direkt vorm Schlafzimmerfenster. Und: Wer braucht schon den Eiffelturm, wenn man eine 234-Meter-Windmühle als Wahrzeichen haben kann?
Das Beste aber kommt wie immer zum Schluss: Natürlich dürfen die Anwohner sich auch ein kleines Trostpflaster freuen. Ganze 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde wandern künftig in die kommunalen Kassen. Das reicht zwar nicht für den Bau eines Lärmschutzwalls, aber vielleicht für einen schönen neuen Blumentopf fürs Dorfgemeinschaftshaus.
Der Stadtrat darf nächste Woche darüber entscheiden, ob Leipzig endgültig zum Mekka der XXL-Windräder wird. Man kann nur hoffen, dass bei der Abstimmung nicht plötzlich der Wind dreht — sonst müssen die nächsten Anlagen womöglich noch schwimmfähig gebaut werden.
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