Über Jahre hinweg tauchten im Darknet verstörende Bilder eines missbrauchten Mädchens auf. Die Ermittler kannten sie nur unter dem Namen „Lucy“. Ihr Peiniger hatte sämtliche Hinweise auf ihre Identität sorgfältig entfernt oder unkenntlich gemacht. Es schien unmöglich herauszufinden, wer sie war – oder wo sie sich befand.
Doch schließlich führte ein unscheinbares Detail an der Wand ihres Schlafzimmers zur Rettung.
Greg Squire arbeitet für die US-Heimatschutzbehörde in einer Spezialeinheit, die Kinder identifiziert, die in Missbrauchsdarstellungen auftauchen. Gemeinsam mit seinem Team durchforstet er rund um die Uhr verschlüsselte Darknet-Foren. Oft sind es keine Hightech-Methoden, die Fälle lösen – sondern winzige Details auf Fotos.
Bei Lucy war zunächst nur klar: Sie befand sich in Nordamerika. Steckdosen und Lichtschalter gaben diesen Hinweis. Weitere Spuren fehlten. Selbst eine Anfrage bei Facebook, ob Gesichtserkennung helfen könne, blieb erfolglos.
Die Ermittler analysierten jedes Detail im Raum – Bettdecke, Kleidung, Stofftiere. Ein Sofa auf einigen Bildern erwies sich als regional verkauftes Modell. Das reduzierte den Kreis möglicher Haushalte, aber noch immer blieben zehntausende Adressen.
Dann fiel Squire die freigelegte Backsteinwand im Hintergrund auf. Er kontaktierte den US-Branchenverband der Ziegelindustrie. Ein Experte erkannte den genauen Typ sofort: „Flaming Alamo“ – ein spezieller Stein, der nur bis Mitte der 1980er Jahre in einer bestimmten Region im Südwesten der USA produziert wurde.
Ziegel sind schwer – und werden selten weit transportiert. Dieser Hinweis erlaubte es dem Team, die Liste möglicher Haushalte drastisch einzugrenzen. Schließlich identifizierten sie eine Adresse, an der sowohl das Sofa als auch die Ziegel plausibel waren.
Dort lebte Lucy – zusammen mit dem vorbestraften Freund ihrer Mutter. Er hatte sie sechs Jahre lang missbraucht. Innerhalb weniger Stunden wurde er festgenommen und später zu mehr als 70 Jahren Haft verurteilt.
Heute ist Lucy erwachsen. Sie sagt, sie habe damals gebetet, dass der Missbrauch enden möge. Für sie sei es „wie eine erhörte Bitte“ gewesen.
Für Ermittler Squire hatte der Fall allerdings einen hohen persönlichen Preis. Die ständige Konfrontation mit grausamsten Inhalten belastete ihn schwer, führte zu Alkoholproblemen und einer psychischen Krise. Erst durch Unterstützung von Kollegen suchte er Hilfe.
Trotz allem sagt er heute: „Ich fühle mich geehrt, Teil eines Teams zu sein, das wirklich etwas verändern kann.“
Und manchmal genügt dafür ein einzelner Stein in einer Wand.
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