Zwölf selbst gebaute Sprengvorrichtungen an Hochspannungstrassen. Zwölf Versuche, eine Infrastruktur anzugreifen, von der Krankenhäuser, Pflegeheime, Unternehmen, Familien und im Grunde unser gesamter Alltag abhängen.
Und das angeblich im Namen des Kampfes gegen fossile Energie.
Da muss man erst einmal drauf kommen.
Man will also vermeintlich die Welt retten und hält es dabei für eine brillante Idee, Sprengsätze an Stromleitungen anzubringen. Das ist ungefähr so logisch, wie ein Haus anzuzünden, um auf die Gefahren von Rauch hinzuweisen.
Zum Glück ist nichts passiert. Kein Blackout, keine beschädigten Leitungen, keine Menschen verletzt. Das allerdings offenbar vor allem deshalb, weil ein aufmerksamer Bürger Alarm schlug und Spezialisten die Vorrichtungen rechtzeitig entschärfen konnten.
Dafür kann man diesem Bürger und den Einsatzkräften gar nicht genug danken.
Bei dem 48-jährigen Tatverdächtigen, gegen den die Behörden derzeit ermitteln, sieht die Sache etwas anders aus. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre mein Vorschlag für die anschließende Unterbringung von geradezu poetischer Konsequenz:
Eine Gefängniszelle ohne Steckdose.
Natürlich rechtsstaatlich, ordentlich verurteilt, mit allen vorgeschriebenen Standards.
Aber beim Thema Unterhaltungselektronik könnte man doch vielleicht einmal konsequent sein.
Kein Fernseher.
Kein Handy-Ladegerät.
Keine Spielekonsole.
Und wenn er fragt, warum?
„Sie wollten doch unbedingt weniger Strom.“
Man muss Wünsche schließlich auch einmal ernst nehmen.
Vielleicht entwickelt sich nach ein paar Wochen ohne WLAN sogar eine völlig neue Wertschätzung dafür, dass Elektrizität nicht einfach magisch aus der Wand kommt und Stromnetze keine politische Spielwiese für selbst ernannte Weltverbesserer sind.
Denn bei aller Ironie: Der Vorgang ist alles andere als lustig.
Wer Sprengvorrichtungen an Hochspannungsleitungen platziert, greift nicht irgendeinen anonymen Energiekonzern an. Er riskiert im schlimmsten Fall die Versorgung ganzer Regionen. Ampeln, Kommunikationsnetze, medizinische Einrichtungen, Rettungsdienste, Kühlketten und unzählige private Haushalte können davon betroffen sein.
Das hat mit Protest nichts mehr zu tun.
Das ist keine Demonstration.
Das ist keine „Aktion“.
Und es wird auch nicht dadurch moralischer, dass man ein Bekennerschreiben mit irgendeinem vermeintlich höheren Ziel verfasst.
Wer seine politische Überzeugung mit Sprengstoff an kritischer Infrastruktur durchsetzen möchte, hat den Bereich der politischen Auseinandersetzung längst verlassen.
Deshalb sollte der Rechtsstaat hier auch nicht mit Samthandschuhen auftreten. Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, braucht es eine konsequente Strafe.
Und möglicherweise sehr viel Zeit zum Nachdenken.
Am besten irgendwo, wo der Lichtschalter zwar funktioniert – schließlich sind wir ein Rechtsstaat –, aber die Zahl der verfügbaren Steckdosen ausgesprochen übersichtlich bleibt.
Denn manchmal besitzt Ironie eine geradezu elektrische Spannung:
Wer anderen den Strom abdrehen möchte, sollte vielleicht einmal darüber nachdenken, wie angenehm das eigene Leben ohne ihn wäre.
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