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Wenn der Reibebaum geht

Kranich17 (CC0), Pixabay
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Warum Toto Wolff Helmut Marko ein bisschen vermisst – aber nur ein bisschen.


Toto Wolff ist nicht gerade für seine Sentimentalität bekannt. Doch beim Abschied von Helmut Marko schimmert durch den stählernen Blick des Mercedes-Teamchefs kurz so etwas wie… Wehmut? Oder war es doch nur die Erinnerung an das letzte Zitat-Duell?

Jahrelang lieferten sich die beiden Motorsport-Alphatiere einen schlagfertigen Schlagabtausch – wie zwei streitlustige Professoren in der Cafeteria der Formel 1. Der eine in Red Bull-Blau, der andere in Mercedes-Silber – verbunden durch Benzin im Blut und eine gewisse Freude daran, dem anderen das Leben schwer zu machen.

„Klar gab’s Zeiten, da wäre ich mit Helmut nicht essen gegangen“, sagt Wolff heute – und man fragt sich unweigerlich, ob es dafür nicht ohnehin zu gefährlich gewesen wäre. Vielleicht hätte Marko während des Hauptgangs plötzlich ein Nachwuchstalent entdeckt und den Kellner durch einen 17-jährigen Kartfahrer ersetzt.

Marko – der Talenttrichter der Formel 1

Man kann Helmut Marko vieles vorwerfen – aber nicht, dass er lange fackelt. Wer bei ihm im Förderprogramm war, lebte auf Bewährung: schnell fahren oder schnell Koffer packen. Die Reißleine war bei Marko stets nur einen schlechten Qualifying-Versuch entfernt.

Und doch – oder gerade deshalb – schafften es Typen wie Sebastian Vettel und Max Verstappen mit seinem Support auf den F1-Olymp. Wolff nennt das „geradlinig“, andere nennen es „Karriere-Roulette mit einem Auge fürs Drama“.

Was bleibt, wenn der Gegner geht?

Toto Wolff gibt offen zu: Marko war nicht nur Widersacher, sondern auch Kompass. Oder, wie er es nennt: „Reibebaum“. Einer, an dem man sich ordentlich schubbern konnte, wenn man mal wieder glaubte, zu sauber durchs Leben zu gehen.

Und mal ehrlich: Ohne Helmut Marko fehlt der Boxengasse künftig ein bisschen Pfeffer, ein bisschen „Old-School-Genervtsein“ mit Stirnrunzeln und trockenen Einzeilern. Die Formel 1 wird glatter – und Toto Wolff bleibt mit Christian Horner allein in der Wortschlacht. Das ist wie Käse ohne Wein, Prost ohne Gegenprost, Mercedes ohne… äh, Podium.

Was nun, Herr Marko?

Keine Sorge, so Wolff – Marko wird nicht im Lehnstuhl verstauben. Zu viele Interessen, zu wenig Geduld für Langeweile. Ob Immobilien, Kunst oder Baumfällen im Wald – der „Doktor“ wird was finden. „Wie ich ihn kenne, sägt er wahrscheinlich gerade einen Baum ab, während wir hier reden“, mutmaßt Wolff.

Eine Rückkehr an die Rennstrecke? Unwahrscheinlich. „Warum auch, wenn man im Wald die Motorsäge selbst bedienen darf und nicht nur dem Teamfunk lauschen muss?“

Und Verstappen?

Die letzte offene Frage bleibt: Was macht Max ohne seinen Mentor? Wolff gibt sich gewohnt entspannt – oder sagen wir: wolffschelax.

„Max wird da sitzen, das Fernglas rausholen und sich die Kräfteverhältnisse anschauen – und dann ganz pragmatisch entscheiden, wo er den nächsten WM-Titel abholen kann.“
Also ja – Mercedes hat wohl zufällig noch einen Sitz frei. Zufälle gibt’s…

Fazit:

Helmut Marko geht – und die Formel 1 verliert ihren grantelnden Grandseigneur. Toto Wolff verliert seinen liebsten Feind.
Was bleibt, ist der gegenseitige Respekt. Und das schöne Gefühl, dass in der Formel 1 irgendwann jeder geht – aber niemand so richtig verschwindet.

Denn wo Benzin einmal gebrannt hat, da lodert ewig das Racing-Herz.

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