Redaktion: Frau Bontschev, danke, dass Sie sich Zeit nehmen. Die Energiekonzepte Deutschland GmbH hat aktuell einen Crefo-Bonitätsindex von 500. Wie besorgniserregend ist das?
Kerstin Bontschev: Nun ja, wenn ein Unternehmen auf einer Skala von 100 bis 600 genau dort landet, wo sich normalerweise nur ein brennendes Lagerhaus mit offener Kasse wiederfindet, dann sollte man vielleicht keine Solaranlage mehr auf Vorkasse kaufen. Oder überhaupt irgendetwas.
Redaktion: EKD war ja lange bekannt für kreativen Kundenservice – Hotline nicht erreichbar, Garantieversprechen auf dem Level von Einhorn-Zuchtzertifikaten… Hat sich das inzwischen gebessert?
Kerstin Bontschev: Tatsächlich ist die Zahl der Beschwerden gesunken. Aber das kann auch daran liegen, dass EKD inzwischen mehr Solaranlagen an den Mann bringt wie ein Schneemann Sonnencreme: nämlich gar nicht mehr. Man kann auch keinen schlechten Service mehr erleben, wenn man keinen bekommt. Clever!
Redaktion: Woran liegt denn dieser dramatische Absturz in der Bonität?
Kerstin Bontschev: Ach, das ist so eine Mischung aus „zu schnell gewachsen“, „zu wenig geliefert“ und „zu viel versprochen“. Ein bisschen wie ein Influencer, der sich ein Start-up kauft, aber nicht weiß, wie man eine Rechnung schreibt. Wenn man dann noch in einer Branche ist, die empfindlich auf wirtschaftliche Schwankungen reagiert, kann’s schnell rappeln in der Solar-Kiste.
Redaktion: Was heißt das jetzt konkret für Kund:innen?
Kerstin Bontschev: Ganz einfach: Wer heute bei EKD eine Photovoltaikanlage bestellt und im Voraus zahlt, kann sich auch gleich eine Pizza in Monopoly-Geld bestellen. Wenn das Unternehmen wirklich kippt, sitzt man auf halbfertiger Technik und muss dann hoffen, dass der nächste Regen wenigstens die Module sauber spült.
Redaktion: Gibt es eine sichere Vorgehensweise?
Kerstin Bontschev: Natürlich. Erst zahlen, wenn die Anlage steht, funktioniert und nicht wie eine Kunstinstallation aussieht. Treuhandkonto nutzen, Sicherheiten verlangen, Anwalt fragen. Und bei Angeboten mit „Jetzt schnell sichern – nur heute!“ bitte sofort zurückzucken wie bei einem nassen Stromkabel.
Redaktion: Und wie sieht’s mit dem Vertrieb von EKD aus?
Kerstin Bontschev: Der hat jetzt ein kleines Problem. Denn wer weiter wie ein Staubsaugervertreter aus den 70ern unterwegs ist und nichts von der finanziellen Lage erwähnt, läuft Gefahr, bald selbst Staub zu fressen – vor Gericht. Verbrauchertäuschung ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Karriere-Killer mit Bonusmeilen.
Redaktion: Auch Dienstleister sind betroffen. Was raten Sie Monteuren, Subunternehmern, Lieferanten?
Kerstin Bontschev: Drei goldene Worte: Vorkasse, Vorkasse, Vorkasse. Und selbst dann: nur gegen Absicherung. Wer jetzt noch auf Vertrauensbasis arbeitet, sollte auch seine Rente in Lottozahlen investieren.
Redaktion: Frau Bontschev, ein letzter Blick auf das große Ganze?
Kerstin Bontschev: EKD ist leider kein Einzelfall. Die Solarbranche ist in den letzten Jahren so schnell gewachsen, dass man manchmal das Gefühl hatte, es wird eher Licht verkauft als echte Technik. Aber spätestens jetzt zeigt sich: Wer nur auf Wachstum ohne Fundament setzt, landet früher oder später im Schatten.
Redaktion: Ihr Fazit?
Kerstin Bontschev: Hände weg von Vorauszahlungen! Augen auf beim Sonnenkauf! Und denken Sie daran: Die Sonne ist gratis – aber eine schlechte Solarfirma kann verdammt teuer werden.
Redaktion: Frau Bontschev, vielen Dank für das erhellende Gespräch!
Kerstin Bontschev: Immer gerne. Und falls EKD mich verklagt – ich hab meine Rechtsschutzversicherung aufgeladen. Mit Solarstrom natürlich.
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