Immer mehr US-Amerikaner ziehen ins Ausland – nicht nur aus Abenteuerlust, sondern aus finanzieller Notwendigkeit. Vor allem die hohen Gesundheitskosten in den USA treiben viele dazu, in Länder mit staatlich organisiertem Gesundheitssystem auszuwandern.
So auch Hilary Hodge. Die heute 36-Jährige leidet an schwerem allergischem Asthma. 2012 erfuhr sie von einer neuen biologischen Therapie, die ihre Symptome deutlich lindern könnte. In den USA hätte sie dafür allerdings rund 36.000 Dollar pro Jahr zahlen müssen. Einige Jahre später zog sie mit ihrem Mann nach Frankreich – und zahlte dort für dieselbe Behandlung nur noch rund 3.000 Dollar jährlich.
Hodge gehört zu den etwa zehn Prozent der Asthmatikerinnen und Asthmatiker, deren Erkrankung sich im Erwachsenenalter verschlechtert. Mit Anfang 30 half ihr Inhalator nicht mehr ausreichend. Zwar kam sie in Chicago grundsätzlich für die neue Therapie infrage, doch die Kosten waren kaum tragbar.
2017 zog das Paar zunächst vorübergehend ins französische Algier, um näher bei Familie und Freunden zu sein. Doch der Aufenthalt wurde dauerhaft: Das Paar bekam ein Kind, kaufte ein Haus – und blieb. „Das Gesundheitssystem ist ein wesentlicher Grund, warum wir hier sind“, sagt Hodge.
Sorge vor unbezahlbarer Medizin wächst
Die steigenden Gesundheitskosten beschäftigen viele Menschen in den USA. Laut einer Umfrage des West Health-Gallup Centers aus dem Jahr 2025 sorgen sich fast die Hälfte der Erwachsenen, Medikamente oder medizinische Ausgaben nicht bezahlen zu können – ein Höchststand seit Beginn der Erhebung 2021.
Die USA geben weltweit am meisten Geld für Gesundheitsversorgung aus. 2025 kostete eine Familien-Krankenversicherung im Schnitt 26.993 Dollar pro Jahr – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Unerwartete Notfälle oder schwere Diagnosen können schnell zu enormen Schulden führen.
Hodge leidet zusätzlich unter sogenannten Nebennierenkrisen, einer lebensbedrohlichen Hormonstörung. In Frankreich musste sie sich deswegen mehrfach behandeln lassen – ohne sich Gedanken über die Rechnung zu machen. „In den USA überlegt man erst, ob sich der Krankenhausbesuch finanziell lohnt“, sagt sie. „Hier denke ich darüber gar nicht nach.“
Auswandern für bessere Lebensqualität
Neben der medizinischen Versorgung spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Leah Mark zog im Juni von Indiana nach Mallorca in Spanien. Sie schätzt dort unter anderem strengere Lebensmittelstandards der EU, günstigere Preise und ein entspannteres Lebensgefühl.
„Überall in den USA stoße ich auf dieselben Probleme – politische Spannungen, hohe Preise, eine toxische Kultur“, sagt sie. Ein Schusswaffenangriff in der Nähe ihres Wohnorts Anfang 2025 habe den Entschluss beschleunigt. Über eine Agentur beantragte sie ein Digital-Nomaden-Visum und lebt nun überwiegend in Spanien.
Der Weg ins Ausland ist komplex
Ein Umzug ins Ausland erfordert jedoch sorgfältige Planung. Visa-Anträge, Versicherungen, Behördengänge und die soziale Umstellung kosten Zeit und Energie. Oft dauert es drei bis sechs Monate, bis Neuankömmlinge Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem erhalten.
Beliebt sind sogenannte Digital-Nomaden- oder Nicht-Erwerbs-Visa, etwa in Spanien, Portugal oder Griechenland. Wer mehrere Jahre im Land lebt, kann unter bestimmten Bedingungen eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung oder sogar die Staatsbürgerschaft beantragen.
Trotz aller Hürden entscheiden sich immer mehr Menschen für diesen Schritt. In einer Umfrage unter US-Amerikanern nannten 38 Prozent günstigere und bessere Gesundheitsversorgung als wichtigen Grund für eine Auswanderung.
Für Hodge steht fest: „Wenn ich nur an die Gesundheitsversorgung denke, ist das hier der bessere Ort für mich und mein Kind.“
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