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Was vom heutigen US-Arbeitsmarktbericht zu erwarten ist – Experten rechnen mit verhaltenem Start ins Jahr

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Heute veröffentlicht das US-Arbeitsministerium (Bureau of Labor Statistics, BLS) den ersten großen Arbeitsmarktbericht des Jahres 2026. Die Daten geben nicht nur Einblicke in die aktuellen Entwicklungen im Januar, sondern enthalten auch eine umfassende Überarbeitung vergangener Arbeitsmarktdaten, die die Sicht auf die Beschäftigungslage 2025 entscheidend verändern könnte.

Verhaltene Erwartungen für Januar

Laut Schätzungen von Volkswirtinnen und Volkswirten wurden im Januar etwa 75.000 neue Stellen geschaffen, während die Arbeitslosenquote stabil bei 4,4 % geblieben sein dürfte. Damit würde sich die zähe Seitwärtsbewegung am Arbeitsmarkt fortsetzen: geringe Neueinstellungen, aber auch kaum Entlassungen.

Bereits das Jahr 2025 war mit durchschnittlich 50.000 neuen Stellen pro Monat das schwächste Jahr für Jobwachstum außerhalb einer Rezession seit 2003.

Einige Sondereffekte könnten den Januarwert aber leicht verzerren: Mäßige Feiertagseinstellungen sorgten für weniger saisonale Entlassungen – und ungewöhnlich mildes Wetter förderte Bauaktivitäten.

Warum ist das Jobwachstum so träge?

Es sind mehrere strukturelle Faktoren, die den Arbeitsmarkt derzeit bremsen:

  • Demografie: Die alternde Babyboomer-Generation geht in Rente.
  • Bevölkerungsentwicklung: Geburtenraten sinken, Zuwanderung wurde eingeschränkt.
  • Unternehmen: Viele Firmen bauen nach pandemiebedingtem Personalaufbau wieder ab.
  • Politische Unsicherheit: Wechselhafte Politik unter der Trump-Regierung bremst Investitionen.
  • Technologischer Wandel: Unternehmen investieren lieber in KI und Automatisierung statt in Personal.
  • Handels- und Migrationspolitik: Hohe Zölle, reduzierte Bundesförderung und aggressive Abschiebungen wirken zusätzlich belastend.

Ein Rückgang um 72.000 Stellen im verarbeitenden Gewerbe im Jahr 2025 könnte laut Experten sogar noch deutlicher ausfallen – nach der heutigen Datenrevision.


Was bedeutet „Benchmark-Revision“?

Jedes Jahr gleicht das BLS seine monatlichen Schätzungen mit den umfassenderen Daten aus dem „Quarterly Census of Employment and Wages“ (QCEW) ab, der über 95 % aller Jobs abdeckt. Diese sogenannte Benchmark-Revision korrigiert ungenaue Annahmen und aktualisiert die Modelle, etwa zur Gründung oder Schließung von Unternehmen.

Im vergangenen September hatte das BLS bereits eine vorläufige Revision veröffentlicht: Demnach wurden von April 2024 bis März 2025 911.000 Jobs weniger geschaffen, als zunächst berichtet – rund 76.000 pro Monat weniger. Sollte sich das heute bestätigen, wäre es eine der größten Abwärtskorrekturen in der Geschichte der Statistikbehörde.

Manipuliert das BLS die Zahlen?

Nein, ganz im Gegenteil: Die Revisionen sind ein fester Bestandteil eines transparenten und datengestützten Prozesses, den das BLS seit fast 90 Jahren durchführt. Ehemalige Verantwortliche wie Erica Groshen betonen: „Das ist kein Fehler – es ist ein Feature.“

Gerade in wirtschaftlich unruhigen Zeiten – etwa nach Pandemien oder politischen Umbrüchen – stoßen selbst gut kalibrierte Modelle an ihre Grenzen. Die nun erwartete Revision könnte zeigen, wie stark frühere Zahlen durch falsche Annahmen oder unvollständige Daten beeinflusst wurden.

Statistische Modellanpassungen

Neben der Benchmark-Revision werden auch saisonale Anpassungen aktualisiert, die bis zu fünf Jahre zurückreichen. Außerdem wird das sogenannte „Birth-Death-Modell“ verfeinert, mit dem das BLS Unternehmenseröffnungen und -schließungen berücksichtigt.

Die Datenrevisionen sind also keine Trickserei, sondern ein Versuch, die Realität möglichst genau abzubilden – auch wenn das bedeutet, frühere Zahlen deutlich zu revidieren.

Fazit: Ruhiger Start ins Jahr, große Korrekturen erwartet

Auch wenn die aktuellen Januarzahlen eher unspektakulär ausfallen dürften, könnte der heutige Bericht für den Blick auf die wahren Beschäftigungstrends der vergangenen 18 Monate entscheidend sein. Und: Er dürfte die Diskussion über den Zustand der US-Wirtschaft im laufenden Präsidentschaftswahljahr ordentlich anheizen.

 

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