Ganz ehrlich: Was bitte macht der VfB Stuttgart da gerade? Wir spielen nächste Saison Champions League. Champions League! Gegen Europas absolute Topklubs. Und die Verantwortlichen kommen ernsthaft auf die Idee, das Tor einem 20-jährigen Jungen anzuvertrauen, der noch keine einzige komplette Bundesliga-Saison als Nummer eins gespielt hat?
Ich verstehe es einfach nicht.
Alexander Nübel war vielleicht nicht perfekt, aber er war ein sicherer Rückhalt. Er hat Erfahrung, er kennt die Bundesliga, internationalen Druck und große Spiele. Gerade in den letzten Jahren hat er oft genug bewiesen, dass er dem VfB Stabilität gibt. Und genau diese Stabilität wirfst du jetzt einfach weg – freiwillig!
Natürlich hört man jetzt wieder die üblichen Sprüche:
„Eigengewächs fördern.“
„Mutiger Weg.“
„Großes Talent.“
Ja, schön und gut. Aber Talent gewinnt dir keine Champions-League-Spiele. Talent rettet dich nicht im Bernabéu oder bei Manchester City, wenn dir in der 87. Minute die Knie weich werden.
Dennis Seimen mag riesiges Potenzial haben. Das will doch keiner bestreiten. Aber Potenzial ist etwas für die Zukunft – nicht für eine Saison, in der du dich auf der größten Fußballbühne Europas behaupten musst.
Was passiert denn, wenn der Junge zwei Fehler macht? Wenn die ersten Spiele schiefgehen? Wenn die Mannschaft dadurch Punkte verliert? Dann beginnt doch sofort die Unruhe. Die Medien stürzen sich drauf, die Fans werden nervös und plötzlich steht ein 20-Jähriger unter einem Druck, den selbst erfahrene Keeper manchmal nicht aushalten.
Und das alles nur, weil man sparen will?
Ja, Nübel wäre teuer gewesen. Aber seit wann ist die Champions League ein Wettbewerb für Sparmaßnahmen? Du kannst doch nicht einerseits erzählen, dass du dich international etablieren willst – und andererseits auf der wichtigsten Position hinter der Abwehr volles Risiko gehen.
Ein Torwart ist keine Außenbahnposition, die man mal ausprobieren kann. Ein Torwartfehler entscheidet Spiele. Gerade auf diesem Niveau.
Für mich wirkt das wie ein komplett falsches Signal:
„Hauptsache wirtschaftlich vernünftig.“
Aber sportlich? Sportlich ist das brandgefährlich.
Und ganz ehrlich:
Wenn man wirklich einkalkuliert, mit einem völlig unerfahrenen Keeper in die Champions League zu gehen, dann scheint man intern wohl auch akzeptiert zu haben, dass nach der Vorrunde Schluss sein könnte.
Das klingt hart. Aber genau so fühlt es sich gerade an.
Als VfB-Fan wünsche ich mir Erfolg, Mut und Entwicklung. Aber ich wünsche mir auch Realismus. Und aktuell habe ich eher das Gefühl, dass man auf eine romantische Fußballgeschichte hofft, statt nüchtern die Risiken zu bewerten.
Ich hoffe wirklich, dass ich mich irre.
Denn wenn das schiefgeht, wird man sich noch lange fragen:
Warum hat man für die größte Saison seit Jahren ausgerechnet im Tor experimentiert?
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