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Waffenruhe im Gazastreifen? Eher Waffenstillstand der Vernunft

ChristopherPluta (CC0), Pixabay
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Die Verhandlungen zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas über eine Waffenruhe im Gazastreifen stecken – wenig überraschend – wieder einmal fest. Denn wie soll man sich auch einigen, wenn die eine Seite ein Ende des Krieges fordert, bevor sie Geiseln freigibt, und die andere Seite den Krieg beenden will, nachdem alle Geiseln freigelassen wurden? Willkommen im diplomatischen Hamsterrad.

Aus palästinensischen Verhandlungskreisen heißt es, die Hamas habe den israelischen Vorschlag für einen Truppenabzug rundweg abgelehnt. Israel plant demnach, 40 % des Gazastreifens weiterhin militärisch zu kontrollieren – darunter selbstverständlich die besonders „strategisch wichtigen“ Gebiete wie Rafah, das schon jetzt mehr Trümmer als Einwohner zählt. Ein Vorschlag, der in etwa so vertrauensbildend wirkt wie ein Feuerlöscher in einer brennenden Ölraffinerie.

Die Hamas hingegen besteht darauf, dass Israel seine Truppen auf die Positionen zurückzieht, die es während der letzten Waffenruhe im März innehatte – ein Rückzug, den man, ganz unironisch, für das absolute Minimum einer glaubwürdigen Verhandlung halten könnte.

Und trotzdem: Beide Seiten reden weiter. Indirekt, versteht sich – man will sich ja nicht zu viel zumuten. In Katars Hauptstadt Doha wird nun seit über einer Woche über einen US-Vorschlag für eine 60-tägige Waffenruhe verhandelt. Klingt nach Fortschritt, wäre da nicht das lästige Detail, dass offenbar niemand weiß, wie man das Wort „Frieden“ buchstabiert, ohne es mit Bedingungen, Vorbedingungen und Rückversicherungen zu zerschlagen.

Israel verfolgt in dieser Runde das Ziel, Geiseln aus der Gewalt der Hamas freizubekommen – ein nachvollziehbares Anliegen. Die Hamas hingegen pocht auf das Ende des Krieges, bevor auch nur ein weiterer Gefangener freikommt – ein Angebot, das aus Tel Aviv eher wie eine Erpressung klingt denn wie ein ernsthafter Schritt Richtung Lösung.

US-Sondergesandter Steve Witkoff soll kommende Woche dazustoßen. Vielleicht bringt er neue Ideen. Vielleicht bringt er auch nur weitere Formulierungen für altbekannte Blockaden. Die Liste der gescheiterten Friedensvermittler ist jedenfalls lang genug, um eine eigene UN-Abteilung zu gründen.

Solange beide Seiten ihre jeweiligen Maximalforderungen wie Dogmen behandeln und jede Bewegung als Niederlage begreifen, bleibt das Ergebnis vorhersehbar: eine zynische Pattsituation, in der Zivilisten weiterhin die Zeche zahlen. Während die Verhandler über Prozentzahlen und Rückzugsrouten diskutieren, versinkt Gaza weiter im Elend – militärisch besetzt, moralisch vermint, politisch verraten.

Ein Waffenstillstand mag auf dem Papier möglich sein. Aber was wirklich fehlt, ist eine Waffenruhe im Denken.

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