Was harmlos beginnt – ein unverfänglicher Chat über Messenger oder Social Media – kann schnell in kriminelle Bahnen führen. Zunächst geht es vielleicht nur um politische Ansichten oder eine vermeintlich harmlose Bitte. Doch dann folgt das Angebot: eine kleine Geldsumme im Austausch für eine Tat – etwa das Beschädigen eines Objekts oder das Auskundschaften von Orten und Personen.
Was viele nicht wissen: Wer sich darauf einlässt, wird zum Werkzeug eines fremden Nachrichtendienstes – und macht sich strafbar.
„Wegwerf-Agenten“: Benutzt und fallen gelassen
Die Täter hinter solchen Anwerbeversuchen agieren oft im Verborgenen – meist handelt es sich um ausländische Nachrichtendienste, etwa aus Russland. Ihr Ziel: Deutschland schwächen, destabilisieren, spalten. Sie rekrutieren Menschen in Deutschland, um deren Taten für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Selbst bleiben sie im Schatten – verantwortlich gemacht wird allein die Person, die vor Ort handelt.
Diese Helfer werden als „Wegwerf-Agenten“ bezeichnet – auch „Low-Level-Agenten“ genannt. Sie werden mit Geld oder Abenteuerversprechen gelockt, für Spionage oder Sabotage eingesetzt – und danach im Stich gelassen.
BKA, Verfassungsschutz, BND und MAD warnen eindringlich: Lassen Sie sich nicht benutzen!
Vermeintliche Bagatellen – reale Strafen
Was nach Kleinkriminalität klingt – etwa Sachbeschädigung oder Brandstiftung – kann schwerwiegende juristische Konsequenzen haben, wenn es im Auftrag eines fremden Nachrichtendienstes geschieht. Wer sich auf solche Aktivitäten einlässt, riskiert harte Strafen:
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Verfassungsfeindliche Sabotage: bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe
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Geheimdienstliche Agententätigkeit: in schweren Fällen bis zu 10 Jahre
Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes:
„Wegwerf-Agenten werden mit kleinen Summen und dem Versprechen eines Abenteuers geködert. Doch sie begehen ernsthafte Straftaten im Dienst fremder Interessen – mit schwerwiegenden Folgen. Unser Ziel ist es, die Demokratie zu schützen und die Gesellschaft widerstandsfähig zu halten.“
Wer steckt dahinter?
Nach Einschätzung der deutschen Sicherheitsbehörden sind insbesondere russische Nachrichtendienste aktiv daran beteiligt, in Deutschland solche Agenten anzuwerben. Ihr Repertoire reicht von Spionage über gezielte Sabotage bis hin zu Desinformation. Die Methoden sind subtil, die Wirkung kann jedoch massiv sein: Verunsicherung, gesellschaftliche Spaltung, Erschütterung des Vertrauens in demokratische Institutionen.
Dr. Bruno Kahl, Präsident des Bundesnachrichtendienstes:
„Diese verdeckten Angriffe untergraben bewusst die Stabilität freier Gesellschaften. Es ist ein Angriff auf unsere Demokratie – mit Mitteln wie Irreführung, Einschüchterung und Zersetzung. Wir müssen diesen Bedrohungen entschlossen begegnen.“
Warum sind militärische Einrichtungen im Visier?
Militärische Stützpunkte, Kasernen oder logistische Einrichtungen sind zentrale Elemente der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands – und deshalb besonders im Fokus feindlicher Spionage- und Sabotageversuche. Wer Einsicht in Pläne, Technik oder Schwachstellen erhält, kann damit die Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte massiv gefährden.
Martina Rosenberg, Präsidentin des MAD:
„Solche Angriffe richten sich nicht nur gegen Gebäude – sie treffen die Sicherheit unseres Landes im Kern. Wer dabei mitwirkt, stellt sich gegen unser Gemeinwesen.“
Was tun bei einem Verdacht?
Wenn Sie von Unbekannten kontaktiert werden, die Ihnen Geld für das Verbreiten bestimmter Inhalte, für Ausspähungen mit technischen Hilfsmitteln (z. B. Drohnen) oder für gezielte Sachbeschädigungen anbieten, dann handeln Sie. Melden Sie den Vorfall dem Bundesamt für Verfassungsschutz – diskret und vertraulich
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