Manchmal ist der Weg ins liberale Feuilleton schwerer als gedacht. US-Vizepräsident J.D. Vance, rechter Hardliner und treue Nummer zwei hinter Donald Trump, hat das sinkende Schiff namens X verlassen – ausgerechnet in Richtung Bluesky, der digitalen Spielwiese für Progressivlinge mit Ironiebrille.
Doch kaum hatte Vance den Fuß über die Schwelle gesetzt, haute ihn der Algorithmus auch schon wieder raus: Sein frisch erstelltes Konto wurde gesperrt. Der Grund? Bluesky hielt den echten Vizepräsidenten offenbar für einen schlechten Witz. Man kann es ihnen kaum verdenken.
„Hallo Bluesky“ – Und Tschüss, erstmal
Vance kündigte seinen digitalen Umzug artig auf X an (ja, dort, wo er eigentlich weg wollte) und bat seine vier Millionen Follower: „Kommt rüber zu Bluesky, dort ist jetzt gesunder Menschenverstand zu Hause.“
Sein erster Beitrag auf Bluesky las sich wie aus der Marketingabteilung von Fox News:
„Mir wurde gesagt, dass diese App der neue Ort für politische Diskussionen mit gesundem Menschenverstand ist.“ Man hätte fast ein Willkommensständchen erwartet – doch stattdessen: Sperrbildschirm.
Bluesky erklärt: War keine politische Zensur, nur ein peinlicher Irrtum
Statt einer Verschwörung – wie sie Vance sicher bei Gelegenheit selbst konstruiert hätte – war es einfach ein automatischer Sicherheitsschalter. Bluesky hielt den account des Vizepräsidenten für einen „Imitator“. Angesichts der politischen Rhetorik, mit der Vance sonst auffällt, auch das: verständlich.
Nach kurzem Schreck wurde der Account wieder aktiviert. Ein Bluesky-Sprecher versicherte pflichtbewusst, man heiße „den Vizepräsidenten willkommen, sich an der Diskussion zu beteiligen“ – was wohl übersetzt bedeutet: Solange er sich benimmt.
Kommentar: Zwischen Algorithmus und Realität
Dass Vance – Sprachrohr des Rechtspopulismus – nun ausgerechnet bei Bluesky auf Dialog mit „gesunden Menschenverstand“ hofft, ist ungefähr so glaubwürdig wie ein Krawattenverkauf bei Burning Man. Aber gut, jeder hat ein Recht auf zweite Chancen – sogar im Netz. Nur sollte man sich darauf gefasst machen, dass nicht jede Plattform bereit ist, sich freiwillig zum Lautsprecher der Trump-Doktrin machen zu lassen.
Ob sich der Vizepräsident auf Bluesky behauptet – oder demnächst nostalgisch zu Elon Musks digitalem Glashaus zurückkehrt – bleibt abzuwarten. Vielleicht ist ja Myspace noch frei.
Kommentar hinterlassen