US-Präsident Donald Trump hat es immer wieder versprochen: Dank seines „großen, schönen Gesetzes“ sollen die Amerikaner in diesem Jahr deutlich höhere Steuerrückerstattungen erhalten. Tatsächlich fällt das Plus vielerorts spürbar aus. Doch ausgerechnet Trumps militärischer Konflikt mit Iran droht diesen finanziellen Vorteil für viele Haushalte wieder aufzufressen.
Der Grund: rasant steigende Spritpreise.
Nach aktuellen Daten der US-Steuerbehörde IRS liegt die durchschnittliche Rückerstattung bislang rund 350 Dollar über dem Vorjahr – ein Anstieg von etwa elf Prozent. Verantwortlich dafür sind umfassende Steuererleichterungen, darunter ein höherer Grundfreibetrag, Steuerbefreiungen für Trinkgelder und Überstunden sowie zusätzliche Entlastungen für Senioren.
Wer von den neuen Regelungen profitiert, erhält im Schnitt sogar rund 775 Dollar mehr zurück, so IRS-Chef Frank Bisignano. Bis zum Ende der Steuerperiode Mitte April könnte dieser Betrag auf etwa 1000 Dollar steigen.
Doch diese zusätzlichen Einnahmen treffen auf eine Entwicklung, die viele Amerikaner im Alltag unmittelbar spüren: steigende Energiekosten. Seit Ende Februar sind die Benzinpreise landesweit auf durchschnittlich 3,91 Dollar pro Gallone gestiegen – ein Plus von 93 Cent. Auslöser ist der Konflikt mit Iran, der wichtige Öltransportrouten beeinträchtigt und die Preise auf den Weltmärkten nach oben treibt.
„Wenn jemand 300 oder 500 Dollar mehr zurückbekommt, das Geld aber direkt wieder für teureren Sprit und höhere Preise insgesamt ausgeben muss, fühlt sich das nicht wie ein Gewinn an“, sagt Erica York von der Tax Foundation.
Tatsächlich geben US-Haushalte inzwischen deutlich mehr für Treibstoff aus. Laut Berechnungen des Preisportals GasBuddy zahlen Familien mit zwei Autos wöchentlich zwischen 20 und 40 Dollar mehr als vor Beginn der Krise. Insgesamt haben Autofahrer seit Ende Februar rund 4,5 Milliarden Dollar zusätzlich für Benzin ausgegeben.
Ökonomen warnen vor weiteren Belastungen: Sollte der Preis dauerhaft über vier Dollar pro Gallone liegen, könnten Haushalte innerhalb von sechs Monaten rund 600 Dollar mehr allein für Kraftstoff ausgeben. Einschließlich indirekter Effekte – etwa teurerer Waren durch höhere Transportkosten – steigt die Mehrbelastung auf etwa 750 Dollar.
Besonders hart trifft es einkommensschwächere Haushalte. Sie geben einen größeren Anteil ihres Budgets für Energie aus – und sind zugleich stärker auf Steuerrückerstattungen angewiesen, um laufende Kosten zu decken.
Die Regierung räumt „vorübergehende Störungen“ durch die Militäraktion ein, betont jedoch zugleich, man halte am wirtschaftspolitischen Kurs fest: Deregulierung, Steuersenkungen und eine Ausweitung der Energieproduktion.
Für viele Betroffene klingt das wenig tröstlich. Eine Verwaltungsangestellte aus Oklahoma, die anonym bleiben möchte, hatte auf eine spürbar höhere Rückerstattung gehofft – und wurde enttäuscht. Gleichzeitig zahlt sie nun deutlich mehr fürs Tanken.
Um über die Runden zu kommen, spart sie bei Lebensmitteln, reduziert ihren Stromverbrauch und verkauft persönliche Gegenstände. „Ich versuche einfach, überall zu sparen, damit ich mir das Benzin leisten kann“, sagt sie.
Eine schnelle Entlastung ist nicht in Sicht. Selbst wenn sich die Lage im Nahen Osten beruhigt, dürften die Preise nur langsam sinken. „An guten Tagen fallen sie um ein bis drei Cent“, sagt GasBuddy-Analyst Patrick De Haan. „Bis sich der Markt normalisiert, kann es Monate dauern.“
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