Als Michelle Reiss im Jahr 2024 mit 36 Jahren die Diagnose Hodgkin-Lymphom erhielt, stand ihre Welt still. Krebs – ein Wort, das sie nie mit sich selbst in Verbindung gebracht hatte. Neben der Angst vor der Behandlung beschäftigten sie ganz praktische Fragen: Würde sie ihre Haare verlieren? Wie würde sie sich während der Chemotherapie fühlen?
Als sie im Internet nach Kopfbedeckungen für Chemo-bedingten Haarausfall suchte, war sie enttäuscht. Die Angebote wirkten unpersönlich, altmodisch – nichts spiegelte ihren Stil oder ihre Persönlichkeit wider. „Es gab nichts, das sich nach mir anfühlte“, sagt Reiss rückblickend.
Aus einem Gespräch mit ihrer Freundin Shiry Zofnat Yosef entstand schließlich eine Idee. Yosef, selbst pflegende Angehörige eines krebskranken Bruders, stellte eine Sammlung stilvoller Tücher und Mützen zusammen. Für Reiss war das mehr als Mode: „Ich kann das schaffen. Ich kann ich selbst bleiben – auch während der Behandlung.“
Im Oktober 2025 gründeten die beiden Frauen die Online-Plattform Jadey – ein modernes Informations- und Unterstützungsangebot für Menschen mit Krebsdiagnose und deren Angehörige. Besonders jüngere Frauen finden dort Inhalte, die über rein medizinische Informationen hinausgehen: Artikel zu Fruchtbarkeit, Intimität, Hautpflege während der Chemotherapie, persönliche Erfahrungsberichte sowie eine Art Wunschliste, ähnlich einer Hochzeits- oder Baby-Registry. So können Betroffene gezielt angeben, was sie wirklich brauchen.
Die Plattform trifft einen Nerv der Zeit. Laut einer Studie der American Cancer Society steigt die Zahl bestimmter Krebsarten – darunter Brust-, Leber-, Eierstock- und Darmkrebs – bei Millennials und der Generation X deutlich an.
Jadey will zeigen, dass Krebs viele Gesichter hat. Die Plattform bietet Raum für unterschiedliche Lebensrealitäten – etwa auch für trans Menschen wie Ash Davidson, bei dem Brustkrebs während einer geschlechtsangleichenden Operation entdeckt wurde. Für ihn war es „lebensrettend“, eine Plattform zu finden, die solche Geschichten sichtbar macht.
Denn, so die Gründerinnen: Krebs bedeutet nicht zwangsläufig Stillstand. Viele Menschen leben lange mit der Erkrankung oder nach der Therapie – mit Unsicherheit, aber auch mit Hoffnung. „Man ist nie zu hundert Prozent auf der anderen Seite“, sagt Reiss. „Aber man kann trotzdem ein erfülltes Leben führen.“
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