Der US-Arbeitsmarkt hat im November deutlich an Schwung verloren. Wie das US-Arbeitsministerium (Bureau of Labor Statistics, BLS) am 16. Dezember mitteilte, wurden im vergangenen Monat nur 64.000 neue Stellen geschaffen – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu vorherigen Monaten. Zudem wurde für Oktober ein Verlust von 105.000 Stellen nachträglich festgestellt, vor allem durch den Abbau von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst.
Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote auf 4,6 %, den höchsten Stand seit September 2021. Zum Vergleich: Anfang des Jahres lag sie noch bei 4,0 %.
Erste Daten nach Regierungsstillstand
„Die gute Nachricht: Wir erhalten endlich wieder verlässliche Arbeitsmarktdaten nach dem Stillstand der Regierung. Die schlechte: Sie sind ernüchternd“, erklärte Mark Hamrick, Chefökonom bei Bankrate.
Auch die Zahlen für August und September wurden nach unten korrigiert – insgesamt um 33.000 Stellen. Grund dafür ist die verzögerte Datenerhebung durch den zwischenzeitlichen Government Shutdown. Laut BLS sind die November-Zahlen daher mit größeren statistischen Unsicherheiten verbunden.
Der Arbeitsmarkt kühlt spürbar ab
„Der Arbeitsmarkt verliert klar an Dynamik“, kommentierte Elizabeth Renter, leitende Ökonomin bei NerdWallet. Besonders betroffen seien Arbeitnehmer, die nach administrativer Beurlaubung aus dem Staatsdienst ausschieden. Für viele von ihnen habe die Jobsuche inzwischen mehrere Monate gedauert – mit durchwachsenem Erfolg. Neue Stellen seien rar, und auch Unternehmen hielten sich mit Neueinstellungen zurück.
Zinspolitik der US-Notenbank: Dritter Zinsschnitt
Die Veröffentlichung des Berichts folgt auf die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve, ihren Leitzins am 10. Dezember zum dritten Mal in Folge zu senken, um der Abkühlung am Arbeitsmarkt entgegenzuwirken. Beim nächsten Treffen Ende Januar wird auch der dann erscheinende Arbeitsmarktbericht für Dezember berücksichtigt.
Welche Branchen wachsen – und welche nicht?
Trotz des allgemeinen Rückgangs gibt es einige positive Entwicklungen:
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Gesundheitswesen: +46.000 neue Stellen
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Baugewerbe: +28.000
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Soziale Dienstleistungen: +18.000
Demgegenüber verzeichneten folgende Sektoren Verluste:
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Transport und Logistik: –18.000 (v. a. bei Kurierdiensten)
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Bundesbehörden: –6.000 (nach –162.000 im Oktober)
Insgesamt hat der öffentliche Dienst seit Januar 271.000 Stellen abgebaut.
Laut James Knightley, Chefvolkswirt bei ING, stammen über 90 % aller neu geschaffenen Jobs der letzten drei Jahre aus drei Bereichen: dem öffentlichen Sektor, privaten Bildungs- und Gesundheitsdiensten sowie dem Freizeit- und Gastgewerbe. „Doch mittlerweile wird der öffentliche Dienst zur Belastung für die Gesamtbilanz, während viele private Branchen weiterhin Beschäftigte verlieren“, so Knightley.
Kein Zusammenbruch, aber klarer Abschwung
Auch wenn die Dynamik nachlässt, warnen Ökonomen nicht vor einem vollständigen Einbruch. „Die sinkende Nachfrage nach Arbeitskräften deutet auf eine kühlende Konjunktur hin – aber nicht auf einen zusammenbrechenden Arbeitsmarkt“, sagt Seema Shah, Chefstrategin bei Principal Asset Management.
Weitere Faktoren beeinflussen die Entwicklung: Strengere Einwanderungspolitik erschwert den Zugang zu Arbeitskräften, während gleichzeitig die Einführung von künstlicher Intelligenz (KI) langfristig die Joblandschaft verändern könnte. Kurzfristig sehen Unternehmen KI allerdings eher als Wachstumschance denn als Bedrohung für Arbeitsplätze.
Wird die Fed im Januar erneut die Zinsen senken?
Laut der sogenannten Dot-Plot-Projektion der Fed vom Dezember ist nur eine weitere Zinssenkung bis 2026 geplant. Doch das berücksichtigt noch nicht den aktuellen Arbeitsmarktbericht, den anstehenden Verbraucherpreisindex (CPI) am 18. Dezember und andere Daten, die bis Ende Januar erwartet werden. Analysten gehen davon aus, dass die Notenbank zunächst abwartet, wie sich die drei bisherigen Zinssenkungen auswirken.
Fazit: Der US-Arbeitsmarkt verliert spürbar an Tempo. Zwar wachsen Gesundheitswesen und Bau weiter, doch sinkende Neueinstellungen, steigende Arbeitslosigkeit und strukturelle Veränderungen wie der Einzug von KI sorgen für Unsicherheit. Die Fed dürfte ihre geldpolitischen Entscheidungen weiterhin eng an die Arbeitsmarktdaten koppeln.
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