Man hatte es kurz gespürt. Den Hauch einer Sensation. Ein Ferrari ganz vorne. Und dann – natürlich – alles wieder wie gehabt. In Ungarn war es wieder einmal Zeit für das traditionelle „Ferrari lässt eine sichere Chance liegen“-Festival. Diesmal mit den Hauptdarstellern Charles „Fast war ich’s“ Leclerc und Lewis „Was mache ich hier eigentlich?“ Hamilton.
„Einmal im Jahr haben wir eine Chance zu gewinnen – und dann das“, klagte Leclerc, während irgendwo in Maranello ein Praktikant vorsorglich den Lebenslauf aktualisierte.
Von Pole ins Nirgendwo
Leclerc, der ewige Hoffnungsträger, führte lange und souverän – bis Runde 40. Dann löste sich sein Rennen förmlich in Luft auf. Einbrechende Pace, strategisches Schulterzucken an der Boxenmauer und das übliche Ferrari-Déjà-vu: Der Monegasse rauschte durch das Feld – allerdings rückwärts. Am Ende nur Platz vier. Kein Podium, kein Pokal, nur Frust und Funkwut.
„Ich bin extrem frustriert“, sagte Leclerc. Und wahrscheinlich hat er dabei noch nicht mal auf die Liste seiner Poles geschaut, die nicht in Siege münden. Spoiler: Es sind viele.
Hamilton: Vom König zum Mitfahrer
Und Lewis Hamilton? Der Rekordweltmeister scheint derzeit vor allem Rekorde in Sachen Verzweiflung aufzustellen. Nach einem desolaten Qualifying kam ein Rennen zum Vergessen. Platz zwölf – ausgerechnet auf dem Hungaroring, seiner ehemaligen Hausstrecke. Und ja, Hausstrecke ist wörtlich zu nehmen – acht Siege sprechen eigentlich für eine gewisse Grundvertrautheit.
Doch Hamilton zeigte sich – wie so oft in dieser Saison – selbstkritisch: „Ich bin absolut nutzlos.“ Na dann. Ferrari-Fans wissen: Diese Art Ehrlichkeit klingt irgendwie bekannt – vermutlich aus der Sebastian-Vettel-Ära.
Vasseur als Krisenmanager
Teamchef Frederic Vasseur wurde nach dem Rennen quasi zum Therapeuten berufen. „Lewis ist sehr fordernd, mit sich, mit dem Team, mit allen.“ Ja, vor allem mit dem Team. Und mit dem Auto. Und mit dem Leben.
Vasseur, der kurz zuvor noch seine Vertragsverlängerung feiern durfte, wird den Sekt wohl schnell wieder weggesperrt haben. Denn auch bei Leclerc war das Wochenende eher Gruppentherapie als Siegesfeier. Der nörgelte via Boxenfunk über ein „unfahrbares Auto“, die Strategie, die Reifen, vermutlich auch das Wetter – und über das Team, das ihn angeblich nicht hört. Vielleicht wäre ein Megafon hilfreich?
Ferrari 2025: Die Hoffnung stirbt, aber nie allein
Immerhin: In Belgien und Ungarn hätte es ja fast geklappt. Also – so ein bisschen. Wenn man ganz genau hinschaut. Vasseur versucht es jedenfalls mit Zweckoptimismus: „Wir müssen das Positive mitnehmen.“ Na dann. Ein paar Polepositions, ein bisschen Drama und ein Fest für Meme-Liebhaber.
Ob es noch für einen Saisonsieg reicht? „Ich habe keine Kristallkugel“, sagte Vasseur. Schade – die wäre beim Strategiebriefing vermutlich hilfreicher als die aktuellen Boxenfunkentscheidungen.
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