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UN-Bericht: Über 16.000 Tote durch Bandengewalt in Haiti – Gewaltspirale außer Kontrolle

Kaufdex (CC0), Pixabay
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Die humanitäre und sicherheitspolitische Lage in Haiti hat sich dramatisch zugespitzt. Wie der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, am Donnerstag in Genf mitteilte, sind seit Anfang 2022 mehr als 16.000 Menschen durch bewaffnete Gewalttaten ums Leben gekommen. Weitere rund 7.000 Menschen wurden verletzt – ein erschütterndes Ausmaß an Gewalt, das die internationale Gemeinschaft zunehmend alarmiert.

„Haiti befindet sich in einer Spirale der Gewalt, die ganze Gemeinden zerstört und jede Aussicht auf Stabilität untergräbt“, erklärte Türk.

Banden kontrollieren große Teile des Landes

Das Land leidet seit Jahren unter einer Explosion der organisierten Kriminalität. Bewaffnete Gruppen, sogenannte Bandenkoalitionen, kontrollieren inzwischen rund 80 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince und große Teile der umliegenden Regionen.

Diese Gruppen kämpfen erbittert um Territorium, Schmuggelrouten und politische Einflusszonen. Immer häufiger werden Zivilisten Opfer gezielter Angriffe, Entführungen und Erpressungen. Viele Menschen müssen ihre Häuser verlassen – nach UN-Angaben sind bereits Hunderttausende Binnenflüchtlinge auf der Flucht vor der Gewalt.

Zivilbevölkerung zwischen den Fronten

Laut dem Bericht der Vereinten Nationen ist die Zivilbevölkerung besonders betroffen:

  • Zahlreiche Menschen seien bei Schießereien oder Racheaktionen getötet worden.

  • Frauen und Mädchen würden systematisch Opfer sexueller Gewalt.

  • Kinder gerieten zunehmend in die Rekrutierungsnetze der Banden, um als Boten, Späher oder Kämpfer eingesetzt zu werden.

Der UN-Menschenrechtskommissar sprach von einer „katastrophalen Menschenrechtslage“ und forderte dringende internationale Unterstützung für Haiti.

Versagen des Staates und Hilferuf an die Weltgemeinschaft

Die haitianische Regierung ist angesichts der Lage weitgehend handlungsunfähig. Die Polizei ist unterbesetzt, schlecht ausgerüstet und in vielen Regionen nicht mehr präsent. Der Rücktritt des Premierministers Ariel Henry und das Fehlen funktionierender staatlicher Institutionen haben das Machtvakuum weiter vertieft.

Bereits im Jahr 2023 hatte die UNO den Einsatz einer internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe unter kenianischer Führung beschlossen, deren Entsendung sich jedoch aufgrund rechtlicher und logistischer Hürden immer wieder verzögert.

„Die haitianische Bevölkerung darf nicht länger allein gelassen werden“, mahnte Türk. „Die internationale Gemeinschaft hat eine moralische Verpflichtung, das Land in dieser Stunde der Not zu unterstützen.“

Haiti: Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre

Haiti gilt als das ärmste Land Amerikas. Nach Naturkatastrophen, politischem Chaos und dem Mord an Präsident Jovenel Moïse im Jahr 2021 ist der Karibikstaat in eine tiefgreifende humanitäre Krise gestürzt. Die wirtschaftliche Not, Arbeitslosigkeit und Nahrungsmittelknappheit befeuern die Gewalt zusätzlich.

Hilfsorganisationen warnen, dass sich ohne internationale Intervention eine vollständige Destabilisierung des Staates abzeichnen könnte.

Fazit

Die Zahlen der Vereinten Nationen zeigen das Ausmaß einer Gesellschaft im Zerfall. Mit über 16.000 Toten in weniger als drei Jahren gleicht Haiti einem Bürgerkriegsgebiet – ohne klar erkennbare Fronten, aber mit Millionen Opfern im täglichen Überlebenskampf.

Die UNO appelliert eindringlich an die Weltgemeinschaft, Haiti nicht zu vergessen und die geplanten internationalen Sicherheits- und Hilfseinsätze endlich wirksam umzusetzen.

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