Nach Tagen der Unsicherheit hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj angekündigt, eine Delegation nach Istanbul zu entsenden, um dort an Friedensgesprächen mit Vertretern Russlands teilzunehmen. Die Leitung der ukrainischen Delegation übernimmt Verteidigungsminister Rustam Umerow. Selenskyj selbst wird nicht vor Ort sein und hat betont, dass er sich nur persönlich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen würde. Auch Putin bleibt den Gesprächen fern, obwohl er sie ursprünglich vorgeschlagen hatte.
Die Gespräche zwischen Russland und der Ukraine sind von großer Bedeutung, da beide Länder seit über einem Jahrzehnt in einem blutigen Konflikt stehen. Zuletzt hatten sich die beiden Seiten im Frühjahr 2022 direkt getroffen. Damals waren die Gespräche gescheitert, da Russland die vollständige Kapitulation der Ukraine und die Aufgabe ihrer Souveränität forderte. Seitdem gab es keine direkten Verhandlungen mehr.
Die Verhandlungen in Istanbul finden unter besonderen Umständen statt. Die USA und europäische Verbündete haben Russland angedroht, bei einer Weigerung zur Waffenruhe weitere Sanktionen zu verhängen. Der amerikanische Präsident Donald Trump ist ebenfalls in der Türkei und betonte, dass es zu keiner Einigung kommen werde, solange er nicht persönlich mit Putin spricht. Der russische Präsident hingegen scheint kein Interesse daran zu haben, Trump zu treffen, und vermeidet ein solches öffentliches Aufeinandertreffen.
Die russische Delegation wird von Putins Berater Wladimir Medinski geleitet, einem Hardliner, der bereits bei den letzten Verhandlungen dabei war. Selenskyj kritisierte die Zusammensetzung des russischen Teams und bezweifelte die Ernsthaftigkeit der Gespräche. Trotz der niedrigen Repräsentanz auf russischer Seite entsendet die Ukraine jedoch eine hochrangige Delegation – laut Selenskyj aus Respekt vor Präsident Trump und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.
Die Gespräche finden unter strenger Bewachung im Dolmabahçe-Palast in Istanbul statt. Die türkische Regierung hat bisher keine offizielle Bestätigung über den genauen Zeitpunkt der Verhandlungen gegeben, was zu Verwirrung führte. Die russische Nachrichtenagentur Tass hatte zunächst berichtet, dass die Gespräche am Donnerstagmorgen beginnen würden. Diese Information wurde jedoch von der ukrainischen Seite als Fake News zurückgewiesen. Später hieß es, die Gespräche seien auf den Nachmittag verschoben worden, was die türkische Seite ebenfalls dementierte.
Die USA sind mit mehreren hochrangigen Vertretern vor Ort, darunter Außenminister Marco Rubio und Trumps Sondergesandte Keith Kellogg und Steve Witkoff. Auch wenn die Gespräche vorerst auf niedrigem Niveau stattfinden, hofft die Ukraine darauf, zumindest einen Waffenstillstand zu erreichen.
Selenskyj machte zudem unmissverständlich klar, dass die Ukraine niemals die von Russland besetzten Gebiete, einschließlich der Krim, als russisch anerkennen werde. Diese Aussage steht im Kontrast zu Trumps früheren Bemerkungen, dass die Ukraine möglicherweise nicht alle vor dem Krieg kontrollierten Gebiete zurückgewinnen könne.
Die Lage bleibt angespannt, da Russland weiterhin Truppen entlang der Frontlinie im Osten zusammenzieht. Experten sehen darin ein klares Zeichen, dass Moskau trotz Friedensgesprächen seine militärischen Ziele nicht aufgegeben hat. Ob die Verhandlungen tatsächlich zu einem Waffenstillstand führen, bleibt abzuwarten.
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