Startseite Allgemeines Trumps Umschreibung der Arbeitsmarktzahlen ist alarmierend – und könnte nach hinten losgehen
Allgemeines

Trumps Umschreibung der Arbeitsmarktzahlen ist alarmierend – und könnte nach hinten losgehen

geralt (CC0), Pixabay
Teilen

Wenn autoritäre Tendenzen zunehmen, neigen Unterstützer oft dazu, Machtkonsolidierungen als notwendig für das nationale Wohl zu rechtfertigen. Dieses Muster war am Wochenende im Weißen Haus erneut zu beobachten: Top-Berater von Präsident Donald Trump verteidigten die überraschende Entlassung der Leiterin des US-Statistikamts für Arbeitsmarktdaten, Erika McEntarfer, mit angeblich unzuverlässigen Zahlen, die Trumps Erzählung eines „goldenen Zeitalters“ widersprachen.

Zusammen mit Trumps jüngstem Versuch, die Unabhängigkeit der US-Notenbank zu schwächen, stellt dieser Schritt eine ernsthafte Bedrohung für das Ansehen der US-Wirtschaft als globales Vorbild für Stabilität und Transparenz dar. Politische Einflussnahme auf zentrale Datenquellen wie das Bureau of Labor Statistics (BLS) untergräbt das Vertrauen von Investoren, Unternehmen und Institutionen, die auf verlässliche Wirtschaftsstatistiken angewiesen sind – darunter auch die Federal Reserve.

Ein gefährlicher Präzedenzfall

Das Vorgehen des Präsidenten könnte kurzfristig seine Macht stärken, aber langfristig das Fundament erschüttern, auf dem wirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden. Die USA laufen Gefahr, jenen Ländern zu ähneln, in denen manipulierte Daten politische Narrative bedienen – wie etwa Argentinien oder Griechenland in vergangenen Krisen, oder China, wo geschönte Wachstumszahlen zur Norm wurden.

„Das BLS ist die angesehenste Statistikbehörde der Welt“, betonte der ehemalige BLS-Direktor William Beach in der CNN-Sendung „State of the Union“. „Wenn das Vertrauen in ihre Integrität schwindet, steht viel auf dem Spiel.“

Trump stellt Realität infrage

Trumps Vorgehen spiegelt eine bekannte Strategie wider: Er interpretiert Fakten so, wie sie zu seinem politischen Narrativ passen. Bereits zu Beginn seiner ersten Amtszeit stellte er die realen Besucherzahlen seiner Amtseinführung in Frage. Seine Verleugnung der Covid-19-Realität oder die Behauptung, die Präsidentschaftswahl 2020 sei manipuliert gewesen, reihen sich in dieses Muster ein.

Aktuell richtet sich sein Zorn auf die Arbeitsmarktzahlen vom Juli: Lediglich 73.000 neue Stellen wurden geschaffen – weit unter den Erwartungen. Revidierte Zahlen für Mai und Juni zeigen sogar eine Korrektur um insgesamt 258.000 Stellen nach unten. Für das BLS sind solche Anpassungen normal – sie dienen einer präziseren langfristigen Einschätzung der Wirtschaft. Für Trump hingegen stellen sie eine Bedrohung seiner gewünschten Erzählung dar.

Politischer Druck auf Statistiker

Berater wie Kevin Hassett und Handelsbeauftragter Jamieson Greer verteidigten die Entlassung McEntarfers mit dem Argument, der Präsident brauche „transparente“ und „verlässliche“ Zahlen. Hassett ging sogar so weit, zu behaupten, die Statistik sei „politisch manipulierbar“ – ohne Beweise.

Solche Aussagen alarmieren nicht nur Demokraten. Oppositionsführer Chuck Schumer forderte Hassetts sofortige Entlassung und warnte vor einem gefährlichen Präzedenzfall, bei dem politische Loyalität über sachliche Genauigkeit gestellt werde.

Einfluss auf zukünftige Daten?

Die große Sorge: Wenn künftig ein neuer, politisch genehmer BLS-Direktor eingesetzt wird, könnte der Druck steigen, die Zahlen an Trumps Erwartungen anzupassen. Selbst wenn die nächste Arbeitsmarktzahl objektiv korrekt ist – wer wird sie noch glauben?

„Wenn eine neue Leitung schlechte Zahlen liefert, wird jeder vermuten, dass sie geschönt sind“, warnte Beach.

Macht ohne Kontrolle

Trump nutzt seine zweite Amtszeit, um seine Macht in allen Bereichen auszubauen: Er greift Universitäten, Medien, Justiz und Verwaltung an, wenn sie nicht seiner Linie folgen. In jüngster Zeit entfernte das Pentagon Fotos von hochrangigen Militärs, die ihm widersprochen hatten. Er hat Unterstützer der Kapitol-Attacke vom 6. Januar begnadigt und versucht aktiv, Gerichtsentscheidungen zu diskreditieren.

Auch international agiert Trump zunehmend unkontrolliert: Auf Provokationen aus Moskau reagierte er mit der Behauptung, US-Atom-U-Boote seien neu positioniert worden – eine Aussage mit schwerwiegenden sicherheitspolitischen Implikationen. Der Zeitpunkt – kurz vor dem 80. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima – verstärkte die Kritik zusätzlich.

Fazit

Trump inszeniert eine politische Realität, die zunehmend auf Loyalität statt auf Fakten basiert. Die Entlassung der obersten Arbeitsstatistikerin markiert dabei mehr als nur einen personellen Wechsel – sie steht sinnbildlich für eine Erosion demokratischer Institutionen und objektiver Wahrheit. Ob sich diese Strategie langfristig als effektiv erweist oder Vertrauen nachhaltig zerstört, wird sich zeigen. Doch die Risiken für das demokratische System und die wirtschaftliche Stabilität der USA sind bereits jetzt unübersehbar.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Tanzdrama bei den Beckhams: Wenn Mamas Hüften den Hochzeitstanz crashen

Ach, Hochzeiten. Dieser magische Moment, an dem zwei Liebende sich ewige Treue...

Allgemeines

Handys in den Knast? Warum immer mehr Konzerte und Schulen zur Smartphone-Abstinenz greifen

In einer Zeit, in der man kaum noch eine Pizza isst, ohne...

Allgemeines

Mutter aller Deals“: Indien und EU kurz vor historischem Freihandelsabkommen – Trumps Zollpolitik im Nacken

Während US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen gegen Verbündete droht und außenpolitisch wie...

Allgemeines

Mindestens sieben Tote bei Erdrutsch in Indonesien – Dutzende vermisst

Eine gewaltige Schlammlawine hat das Dorf Pasirlangu in der Provinz West-Java erschüttert...