Washington. Fast täglich lässt sich Donald Trump im Weißen Haus von seinen Militärs Optionen vorlegen – darunter auch eine, die politisch hochriskant ist: der Einsatz amerikanischer Bodentruppen im Iran. Es wäre ein Schritt, der den bisherigen Verlauf des Krieges fundamental verändern könnte.
Die Entscheidung darüber gilt als die bislang schwierigste seit Beginn der US-Angriffe Ende Februar.
In Washington wächst der Widerstand. Für viele republikanische Verbündete wäre die Entsendung Tausender Soldaten in den Nahen Osten eine rote Linie. Sie warnen: Die politische Unterstützung für den Krieg könnte abrupt wegbrechen – ebenso wie die Bereitschaft des Kongresses, neue milliardenschwere Militärbudgets zu genehmigen.
Trump selbst gibt sich ausweichend. „Ich schicke keine Truppen irgendwohin“, sagte er im Oval Office. „Und wenn doch, würde ich es Ihnen sicher nicht sagen.“
Ein Krieg ohne klares Ende
Vier Wochen nach Kriegsbeginn wächst der Druck auf den Präsidenten, eine Exitstrategie zu präsentieren. Steigende Energiepreise, wirtschaftliche Verwerfungen und die Unsicherheit vor den Zwischenwahlen im November treiben auch Republikaner um.
Trump deutete zuletzt an, er könne den Krieg „bald herunterfahren“ – während gleichzeitig zusätzliche Marineeinheiten in die Region verlegt werden.
Offiziell gilt die Vier-Wochen-Marke als möglicher Zeitpunkt für ein Ende der Militäroperation. Trump spricht von einer Mission „vor dem Zeitplan“. Doch viele der ursprünglichen Ziele sind bislang nicht erreicht.
Vor allem ein zentrales Versprechen steht weiterhin im Raum: den Iran dauerhaft daran zu hindern, Atomwaffen zu entwickeln. Experten bezweifeln, dass dies militärisch überhaupt möglich ist.
„Wissen lässt sich nicht wegbomben“, sagt ein europäischer Diplomat. „Die Infrastruktur kann zerstört werden, nicht aber das Know-how.“
Straße von Hormus als Druckpunkt
Besonders schwer wiegt die iranische Entscheidung, die Straße von Hormus zu blockieren – eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl weltweit. Die Folge: steigende Preise und globale Nervosität.
Hinter den Kulissen suchen US-Beamte fieberhaft nach Lösungen. Doch selbst intern gilt die Wiederöffnung der Meerenge als ungelöstes Problem – und als Frage politischer Eskalationsbereitschaft.
Eine Option: die strategisch wichtige Insel Kharg einnehmen oder deren Ölinfrastruktur zerstören. Sie ist das wirtschaftliche Herz des iranischen Ölhandels.
Im Weißen Haus gilt sie als möglicher Hebel, um Teheran zum Einlenken zu zwingen. Doch ein solcher Schritt würde vermutlich den Einsatz von Bodentruppen erfordern – mit unkalkulierbaren Risiken.
Republikaner warnen vor „endlosem Krieg“
Innerhalb von Trumps Partei wächst die Skepsis. Mehrere Abgeordnete warnen offen vor einem neuen „Endloskrieg“ im Nahen Osten.
„Wir wollen keine US-Soldaten am Boden sehen“, sagt der republikanische Abgeordnete Jeff Van Drew. Andere sprechen von einem möglichen „Breaking Point“.
Stattdessen empfehlen einige Trump-Vertraute eine andere Strategie: den bisherigen Verlauf als Erfolg darstellen – und den Krieg beenden.
Tatsächlich kann das US-Militär Erfolge vorweisen. Tausende Ziele wurden angegriffen, große Teile der iranischen Raketen- und Drohnenarsenale zerstört. Doch das strategische Ziel bleibt unerreicht.
Unterschiedliche Ziele mit Israel
Hinzu kommt ein wachsender Dissens zwischen Washington und Jerusalem. Während die USA auf begrenzte militärische Ziele setzen, scheint Israels Strategie weiter zu gehen.
Beobachter sehen Hinweise darauf, dass Israel auf eine Schwächung oder gar Destabilisierung des iranischen Regimes abzielt – ein langfristiges und riskantes Unterfangen.
„Iran ist nicht Gaza“, warnt ein ehemaliger israelischer Sicherheitsbeamter. „Ein Regimewechsel könnte Jahre dauern.“
Das nukleare Dilemma
Selbst ein massiver Militäreinsatz würde das Grundproblem nicht lösen. Die Vorräte an angereichertem Uran gelten weiterhin als vorhanden – teils tief unter der Erde verborgen.
US-Geheimdienstchef John Ratcliffe erklärte vor dem Kongress, der Iran verfüge noch über ähnlich große Mengen wie vor den Luftangriffen.
Gleichzeitig wächst die Sorge, dass Teheran nach Kriegsende erst recht auf den Bau einer Atombombe setzen könnte – als Abschreckung.
„Warum sollten sie es nicht tun?“, fragt ein Diplomat aus der Region. „Dieser Krieg liefert ihnen genau den Anreiz.“
Entscheidung mit Folgen
Für Trump läuft die Zeit. Militärisch stehen ihm mehrere Optionen offen – politisch werden die Spielräume enger.
Die zentrale Frage bleibt: Eskaliert der Präsident den Konflikt mit Bodentruppen – oder erklärt er den Krieg bald für beendet?
Die Antwort darauf könnte nicht nur den Ausgang dieses Krieges bestimmen, sondern auch Trumps politische Zukunft.
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