Donald Trumps Außenpolitik stellt traditionelle Bündnisse der Vereinigten Staaten zunehmend infrage und verändert das Verhältnis Washingtons zu Partnern und Gegnern. Während langjährige Verbündete mit wachsender Unsicherheit auf die neue Linie reagieren, setzt Trump zugleich verstärkt auf direkte Kontakte zu autoritär regierten Staaten und deren Staatschefs.
Seit seinem ersten Amtsantritt verfolgt Trump einen stark transaktionalen Ansatz in der Außenpolitik. Bündnisse, Handelsabkommen und internationale Organisationen betrachtet er vor allem danach, welchen unmittelbaren Nutzen sie den Vereinigten Staaten bringen. Kritiker sehen darin eine Abkehr von jener internationalen Ordnung, die Washington nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich mit aufgebaut hat.
Politikwissenschaftler sind sich jedoch uneinig, ob Trump tatsächlich eine völlig neue Weltordnung schafft. Lyle Goldstein von der Brown University sieht Anzeichen für eine zunehmend komplexe multipolare Ordnung, in der Macht künftig stärker auf mehrere Staaten und Regionen verteilt sein könnte. Der frühere US-Botschafter Daniel Fried warnt dagegen davor, bereits von einer grundlegenden Neuordnung zu sprechen. Dafür fehle bislang eine klar erkennbare alternative Struktur.
„America First“ als außenpolitisches Prinzip
Bereits während seiner ersten Amtszeit zeigte Trump große Skepsis gegenüber multilateralen Institutionen und internationalen Vereinbarungen. Die USA verließen unter seiner Führung unter anderem das Pariser Klimaabkommen und das Atomabkommen mit dem Iran. Zudem zog sich Washington zeitweise aus der Weltgesundheitsorganisation zurück.
Auch im Handel setzte Trump auf Konfrontation und Neuverhandlung. Das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA wurde durch das USMCA ersetzt, während die Vereinigten Staaten aus der Transpazifischen Partnerschaft ausstiegen. In seiner zweiten Amtszeit verschärfte Trump diesen Kurs weiter.
Sein Verhältnis zu traditionellen Partnern wird zunehmend von Druck bestimmt. Kanada, Japan, Südkorea und europäische Staaten wurden aufgefordert, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zugeständnisse zu machen. Nach Einschätzung von Experten betrachtet Trump die Abhängigkeit anderer Staaten vom amerikanischen Markt oder vom militärischen Schutz der USA als politisches Druckmittel.
Nähe zu Putin, Kim und Xi
Gleichzeitig setzt Trump auffällig stark auf persönliche Diplomatie mit Staatschefs, die traditionell als Gegner oder Rivalen der USA gelten. Dazu gehören Russlands Präsident Wladimir Putin, Chinas Staatschef Xi Jinping und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.
Besonders im Verhältnis zu Nordkorea hat Trump die bisherigen sicherheitspolitischen Grundsätze teilweise verändert. Militärübungen mit Südkorea wurden reduziert, obwohl Nordkorea weiterhin Raketen testet und Russland im Krieg gegen die Ukraine mit Waffen und Munition unterstützt.
Auch Trumps freundlicher Ton gegenüber Putin sorgt vor allem in Europa für Kritik. Gleichzeitig hat er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wiederholt scharf angegriffen. Für viele europäische Regierungen steht dieses Vorgehen im Widerspruch zur bisherigen amerikanischen Sicherheitspolitik gegenüber Russland.
Druck auf NATO-Partner zeigt teilweise Wirkung
Nicht alle Elemente von Trumps Politik werden von Experten grundsätzlich abgelehnt. Seine Kritik an den vergleichsweise geringen Verteidigungsausgaben vieler europäischer NATO-Staaten hat dazu beigetragen, dass zahlreiche Länder ihre Militärbudgets deutlich erhöht haben.
Der frühere Diplomat Daniel Fried räumt ein, dass Trump in dieser Frage einen politischen Erfolg erzielt habe. Europäische Staaten würden inzwischen stärker akzeptieren, dass sie mehr Verantwortung für ihre eigene Verteidigung übernehmen müssten.
Auch in der Handelspolitik konnte Washington Zugeständnisse erreichen. Japan und Südkorea sagten umfangreiche Investitionen in den USA zu, während europäische Staaten zusätzliche Verpflichtungen bei Energieimporten und Investitionen eingingen. Allerdings ist ein erheblicher Teil dieser Zusagen bislang noch nicht umgesetzt worden.
Konflikte mit traditionellen Verbündeten
Gleichzeitig entstehen neue Spannungen. Besonders deutlich zeigt sich dies im Verhältnis zu Kanada. Amerikanische Zölle lösten einen Handelskonflikt aus, auf den Ottawa mit eigenen Abgaben auf US-Produkte reagierte.
Die wirtschaftlichen Auseinandersetzungen sowie geopolitische Krisen haben zudem die Unsicherheit an den Finanzmärkten erhöht. Höhere Ölpreise und Sorgen über Inflation und Staatsverschuldung treiben die Finanzierungskosten in den USA nach oben. Dadurch können auch Hypotheken und andere Kredite für Verbraucher teurer werden.
Wie dauerhaft ist Trumps Kurs?
Eine zentrale Frage bleibt, wie viel von Trumps Außenpolitik über seine Amtszeit hinaus Bestand haben wird. Einige seiner Entscheidungen könnten von einem künftigen Präsidenten relativ leicht rückgängig gemacht werden. Dazu gehören etwa ein erneuter Beitritt zum Pariser Klimaabkommen oder die Rückkehr in internationale Organisationen.
Auch viele Handelsvereinbarungen besitzen nicht den Status formeller, vom Kongress ratifizierter Verträge und könnten deshalb später verändert werden. Experten gehen daher davon aus, dass einige Verbündete versuchen, die aktuelle Phase zu überstehen und zugleich ihre langfristige Abhängigkeit von Washington zu reduzieren.
Damit entsteht ein widersprüchliches Bild: Trump nutzt die wirtschaftliche und militärische Stärke der Vereinigten Staaten, um kurzfristig größere Zugeständnisse von Partnern zu erzwingen. Gleichzeitig könnte gerade dieser Druck andere Länder dazu bewegen, sich langfristig unabhängiger von den USA zu machen.
Ob daraus tatsächlich eine neue Weltordnung entsteht oder lediglich eine vorübergehende Phase amerikanischer Außenpolitik, ist noch offen. Sicher ist jedoch, dass Trumps Kurs die bisherigen Gewissheiten internationaler Beziehungen erheblich erschüttert hat.
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