Der Donald hat’s sich anders überlegt. Nach Wochen voller Wutausbrüche, „Bullshit!“-Rufen und Treueschwüre an Justizministerin Pam Bondi ist jetzt angeblich Transparenz angesagt – natürlich unter Vorbehalt. Denn Trumps Justizministerium hat das Bundesgericht in Manhattan gebeten, die Geheimprotokolle der Epstein-Anklagejury freizugeben – aber bitte nur mit geschwärzten Namen, Gesichtern, Telefonnummern, Briefmarken, Bleistiftspuren und allem, was Rückschlüsse auf „wichtige Personen“ geben könnte.
Die große Offenbarung – mit Tinte getarnt
Am 18. Juli flatterte die offizielle Anfrage an das Gericht ins Haus. Und damit’s glaubwürdig wirkt, gab es einen vorhersehbaren Trump-Post auf Truth Social: Er habe Pam Bondi persönlich angewiesen, „alle relevanten Grand Jury-Protokolle freizugeben“ – natürlich „nur mit Genehmigung des Gerichts“. Und natürlich „ohne private Informationen“. Und am besten ohne Namen. Und eigentlich ohne irgendwas, was Schlagzeilen machen könnte.
Bondi, treue Schildmaid des MAGA-Königs, ließ es sich nicht nehmen, direkt am selben Tag auf X zu verkünden: „Wir stehen bereit. Morgen geht’s los.“ Da kann man sich fast vorstellen, wie in der DOJ-Kaffeeküche hektisch Tintenpatronen geladen und Schwärzungsmarker gezückt wurden.
Wer lesen kann, wird trotzdem nichts erfahren
Der Clou: Laut Antrag will man die Protokolle veröffentlichen – aber „alle personenbezogenen Daten“ und „Opferinformationen“ sollen geschützt werden. Also: keine Namen, keine Klarheit, kein Klientel.
Das dürfte all jene enttäuschen, die gehofft hatten, endlich eine Liste prominenter Epstein-Gäste in den Händen zu halten – oder wenigstens ein paar Initialen. Doch selbst laut dem 7. Juli veröffentlichten Memo des DOJ existiert gar keine „Client List“. Die sei angeblich eine „rechte Fantasie“ – was viele Trump-Fans irritierte, die jahrelang auf Telegram das Gegenteil behaupteten (und sich jetzt verraten fühlen).
Pam Bondis schwärzende Offensive
In bester „Vernebeln statt erklären“-Manier sollen sogar auch die Protokolle aus dem Verfahren gegen Ghislaine Maxwell teilweise veröffentlicht werden – natürlich ebenfalls gut zensiert. Maxwell sitzt derweil brav ihre 20 Jahre ab und lässt über Anwälte betonen, dass sie alles ganz anders sieht.
Trump selbst versteht angeblich gar nicht, warum das Thema Epstein so eine „Faszination“ auslöst. Es sei „ziemlich langweilig“, ließ er unlängst verlautbaren – was die halbe MAGA-Basis, die sich mit Alufolie und „Epstein didn’t kill himself“-Memen bewaffnet hat, in Rage bringt.
Fazit: Show ja, Aufklärung nein
Trump gibt sich nun als Verfechter der Transparenz – so lange die Schwärzung deckend genug ist. Die Wahrheit bleibt wie immer ein flexibler Begriff, irgendwo zwischen Gerichtsprotokoll, Social-Media-Rundumschlag und Sharpie-Stift. Und die wichtigste Lektion für alle Bürger*innen: Wer Antworten sucht, bekommt sie. Vorausgesetzt, er kann Schwarzlicht lesen.
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