US-Präsident Donald Trump fordert Investitionen in Höhe von mindestens 100 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau der venezolanischen Ölindustrie. Doch bei einem Treffen im Weißen Haus mit den Chefs führender Ölkonzerne stieß der Plan auf Zurückhaltung – insbesondere ExxonMobil-Chef Darren Woods fand deutliche Worte: „Venezuela ist derzeit uninvestierbar.“
Trump, der sich seit dem militärischen Sturz des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro Anfang Januar als Befreier des Landes inszeniert, versprach in dem Treffen „niedrigere Energiepreise für alle Amerikaner“. Die USA hätten mit der Einnahme Venezuelas einen „enormen wirtschaftlichen Hebel“ geschaffen.
Doch die Begeisterung der Ölkonzerne hielt sich in Grenzen.
Exxon-CEO Darren Woods erklärte: „Unsere Vermögenswerte wurden in Venezuela bereits zweimal beschlagnahmt. Ein dritter Einstieg erfordert tiefgreifende Veränderungen – aktuell ist das Land für Investitionen ungeeignet.“
Ölriese mit schwieriger Vergangenheit
Venezuela verfügt über die größten bestätigten Ölreserven der Welt – doch Korruption, Misswirtschaft, politische Instabilität und US-Sanktionen haben die Produktion auf rund eine Million Barrel pro Tag einbrechen lassen – weniger als ein Prozent der weltweiten Förderung.
Chevron ist der letzte große US-Konzern, der weiterhin im Land aktiv ist. Auch europäische Unternehmen wie Repsol (Spanien) und Eni (Italien) sind präsent und nahmen an dem Treffen teil.
Trump kündigte an, künftig selbst zu bestimmen, welche Firmen im Land tätig werden dürfen. „Ihr handelt direkt mit uns – nicht mit Venezuela. Wir wollen nicht, dass ihr überhaupt mit Venezuela redet.“
„Prime Real Estate“ – aber mit vielen Risiken
Kleinere Unternehmen zeigten sich offener. „Wir sind bereit für Venezuela“, sagte Bill Armstrong, Chef eines unabhängigen Ölunternehmens. „Das ist erstklassiges Terrain.“ Auch Repsol sieht laut eigenen Angaben die Möglichkeit, seine derzeitige Produktion von 45.000 Barrel täglich in den kommenden Jahren zu verdreifachen – unter den richtigen Bedingungen.
Doch diese Bedingungen sind aktuell alles andere als gegeben, sagen Experten.
David Goldwyn, früherer US-Energiegesandter, kommentierte: „Exxon oder Shell werden keine Milliarden investieren, solange es keine Rechtssicherheit, keine physische Sicherheit und kein faires Steuersystem gibt.“
Trump hatte in Aussicht gestellt, Sanktionen gegen Venezuela selektiv zurückzunehmen. Dabei will Washington aber die Kontrolle über die Ölexporte behalten – inklusive der Einrichtung von Treuhandkonten in den USA.
100-Milliarden-Vision unrealistisch
Der Präsident verspricht, mit 100 Milliarden Dollar Investitionen Venezuelas Produktion massiv anzukurbeln. Doch Experten halten diese Zahl für reine Wunschvorstellung.
Laut Rystad Energy wären jährlich 8 bis 9 Milliarden Dollar an neuen Investitionen nötig, um die Ölproduktion bis 2040 zu verdreifachen. Realistisch sei – wenn überhaupt – eine Summe von etwa 50 Millionen Dollar pro Jahr durch kleinere Firmen, so Goldwyn.
Claudio Galimberti, Chefökonom von Rystad, sagte, eine Investition im von Trump geforderten Umfang sei nur bei politischer Stabilität und großzügigen Subventionen denkbar:
„Solange Venezuela nicht vollständig stabilisiert ist – und wann das der Fall sein wird, weiß niemand – ist mit ernsthaften Zusagen nicht zu rechnen.“
Fazit
Trump träumt von einem „amerikanischen Öl-Wunder“ in Venezuela – doch die Realität ist komplex. Die größten Player der Branche zeigen wenig Bereitschaft, in ein Land zu investieren, das sie mehrfach enteignet hat, dessen politische Lage unsicher ist und dessen Rechtsstaatlichkeit fraglich bleibt.
Bis auf Weiteres bleibt Trumps 100-Milliarden-Vision genau das: eine Vision.
Kommentar hinterlassen