Mehr als fünf Jahre nach dem rassistisch motivierten Massaker in einem Walmart im texanischen El Paso hat die Staatsanwaltschaft bekanntgegeben, dass sie auf die Verhängung der Todesstrafe gegen den Attentäter Patrick Crusius verzichten wird. Der heute 26-Jährige hatte am 3. August 2019 23 Menschen getötet und Dutzende verletzt, vor allem Hispanics, die er gezielt angegriffen hatte.
Stattdessen soll Crusius im Rahmen eines Plea Deals auf sein Berufungsrecht verzichten und sich wegen Kapitalmordes schuldig bekennen. Ihm droht eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung.
„Kein einfacher Entschluss“
Der Bezirksstaatsanwalt von El Paso, James Montoya, begründete die Entscheidung am Dienstag vor der Presse mit dem Wunsch vieler Hinterbliebener, den Fall endlich abzuschließen.
„Das war keine leichte Entscheidung. Aber nach vielen Gesprächen mit den Familien wurde klar, dass sie diesen Prozess nicht noch weitere Jahre durchleben wollen,“ sagte Montoya. „Kein weiterer Gerichtstermin, keine weiteren Berufungen – er wird im Gefängnis sterben.“
Ursprünglich war Montoya mit dem Versprechen angetreten, die Todesstrafe zu fordern. Doch die schleppende juristische Aufarbeitung des Falls, bei dem noch immer kein Verhandlungstermin angesetzt war, habe die Stimmung verändert. Wäre die Todesstrafe weiterverfolgt worden, wäre ein Prozess frühestens 2026 oder später realistisch gewesen, so Montoya.
Täter bereits zu 90-facher lebenslanger Haft verurteilt
Im Jahr 2023 hatte sich Crusius bereits vor einem Bundesgericht schuldig bekannt. Er wurde zu 90 aufeinanderfolgenden lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt und befindet sich seither im Hochsicherheitsgefängnis ADX Florence in Colorado – neben bekannten Kriminellen wie dem Boston-Attentäter Dzhokhar Tsarnaev und dem Oklahoma-Bomber Terry Nichols.
Ein für den 1. April 2025 angesetzter Anhörungstermin vor dem texanischen Gericht dürfte nun entfallen. Für den 21. und 22. April geplante Verhandlungstage sollen in Plea Hearings umgewandelt werden.
Rassistisches Motiv und grausame Details
Crusius hatte sich in Verhören offen zu seiner Tat bekannt. Er sei rund 700 Meilen von Allen, Texas nach El Paso gefahren, um gezielt Menschen hispanischer Herkunft anzugreifen. Im Vorfeld veröffentlichte er ein rassistisches Manifest im Internet.
Mit einem halbautomatischen Sturmgewehr vom Typ GP WASR-10, einer Variante der AK-47, erschoss er zunächst Menschen auf dem Parkplatz, bevor er in den Supermarkt eindrang. 23 Menschen wurden getötet, weitere 22 verletzt. Unter den Opfern waren auch Staatsangehörige aus Mexiko und Deutschland.
Zu den 90 Bundesanklagepunkten, zu denen Crusius sich schuldig bekannte, zählen unter anderem:
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23 Fälle von Hassverbrechen mit Todesfolge
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23 Fälle von Mord mit Schusswaffeneinsatz
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22 versuchte Hassverbrechen mit Tötungsabsicht
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22 Fälle von versuchtem Mord mit einer Waffe im Zusammenhang mit Gewaltverbrechen
Nicht alle Familien einverstanden
Zwar begrüßten viele Angehörige den Abschluss des Falls ohne Todesstrafe, doch laut Montoya gab es auch kritische Stimmen, die sich betrogen fühlten. Einige Familien hätten sich gewünscht, dass der Täter für seine Tat mit dem Tod bestraft werde – auch wenn sich das Verfahren dadurch um Jahre verzögert hätte.
„Aber selbst dann wäre eine Verurteilung zum Tode nicht garantiert gewesen“, betonte Montoya. „Jetzt haben die Familien Gewissheit – und müssen den Namen des Täters nie wieder hören.“
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